Film-Kritik: Coach Carter: Training ist nicht alles
zuletzt aktualisiert: 04.04.2005 - 10:49Ungewöhnliche Methoden setzt der neue Basketball-Trainer der Richmond Highschool durch: Per Vertrag müssen sich die Spieler von Ken Carter (Samuel L. Jackson) dazu verpflichten, an Spieltagen Anzüge zu tragen und außerhalb der Sporthalle brav die Schulbank zu drücken. Nach anfänglicher Skepsis der Schüler gelingt es "Coach Carter", aus dem müden Haufen eine erfolgreiche Mannschaft zu formen.
Doch dann kommt dem Coach zu Ohren, dass seine Spieler die schnellen Erfolge zu kräftig auskosten und immer häufiger den regulären Unterricht schwänzen. So war das vertraglich nicht vereinbart. Ohne zu zögern sperrt Carter daher die Sporthalle zu. Statt Dribblings zu üben und Spiele zu gewinnen, geht er mit seinen Spielern fortan in die Bibliothek. Das Training will er erst wieder aufnehmen, wenn ihm seine Schüler einen überdurchschnittlichen Notenschnitt präsentieren.
In dem Sportfilm "Coach Carter" durchleuchtet Regisseur Thomas Carter das ambivalente Verhältnis der Amerikaner zur Schulbildung ihrer Kinder. Sobald es darum geht, auf dem Sportplatz kurzlebige Erfolge zu feiern, ist die Sorge um eine gute Ausbildung plötzlich vergessen. "Punkte statt Noten" lautet dann die Devise. Und so ist auch im Film der öffentliche Aufstand groß, als Ken Carter die Sporthalle abriegelt. Sofort gehen Lehrerverbände und Elternvertretungen auf die Barrikaden und fordern die Fortsetzung des Trainings. Doch der Coach bleibt unerbittlich.
Auch wenn sich das alles ziemlich überzogen anhört, basiert die Handlung tatsächlich auf realen Begebenheiten. Am 4. Januar 1999 trat der echte Ken Carter seinen Dienst an der Richmond Highschool an. Er selbst war jahrelang Mitglied der Schülermannschaft und weiß um die Kurzlebigkeit der sportlichen Erfolge. Viele seiner damaligen Mitstreiter sind heute im Gefängnis oder tot.
Im Film wird der Sportlehrer von einem kompromisslos aufspielenden Samuel L. Jackson verkörpert. Seine Methoden sind drastisch und hart. Selbst nach großen Erfolgen gönnt er seinen Spielern keine Auszeit. Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel. Das alles macht ihn zu einem durchaus streitbaren Mann. Aber es verdeutlicht, dass er eine Mission zu erfüllen hat. Seine Schüler, die fast ausschließlich aus den Ghettos der Stadt kommen, sollen später eine Chance haben. Und wenn es für eine Karriere als Profisportler nicht reicht, sollen sie immerhin studieren können.
Dieses hehre Ansinnen wird von Thomas Carter, der mit dem Titelhelden übrigens nicht verwandt ist, in ein eindringliches Drama verpackt. Und damit das junge Publikum dadurch nicht vergrault wird, sorgen einige packend inszenierte Sportszenen und wummernde Beats für temperamentvolle Abwechslung. Alles in allem ein gelungener Film.
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