Meisterregisseur Michael Manns neuer Kracher: Collateral: Tom Cruise glänzt als Fiesling
zuletzt aktualisiert: 20.09.2004 - 09:33Max' Leben als Taxifahrer in Los Angeles ist eher eintönig, als Annie in seinen Wagen steigt. Sie bittet ihn, sie zu einem schicken Bürohaus zu bringen und flirtet mit ihm. Max ist happy, er bekommt sogar die Telefonnummer der schönen Anwältin. Und auch sein zweiter Fahrgast bringt das Leben des schwarzen Cab Drivers total durcheinander.
Er wird Max in die gefährlichsten Stunden seines Lebens führen. Denn der smart wirkende grauhaarige Mann, der sich Vincent nennt, braucht Max für eine ganz besondere Fahrt: Vincent ist Auftragskiller. Binnen weniger Stunden soll er fünf lästige Zeugen gegen ein ausländisches Drogenkartell aus dem Weg räumen. Es ist also eine Todesstrecke, die beide Männer in dieser Nacht absolvieren. Bereits nach dem ersten brutalen Mord wird der bis dahin ahnungslose Max mit dem ungeheuerlichen Tun seines durchaus kultiviert und smart wirkenden Kunden konfrontiert.
Max erkennt nur zu gut, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Doch Vincent lässt ihn nun nicht mehr entrinnen. Zwischen dem Taxifahrer und dem Killer entwickelt sich in den folgenden dramatischen Stunden ein ganz besonderes Abhängigkeitsverhältnis, das in einer tödlichen Konfrontation enden wird. Wer von den beiden Männern wird überleben? Diese Frage beantwortet ab dem 23. September der hochklassige amerikanische Thriller "Collateral" von Meisterregisseur Michael Mann.
Cruise geht Risiko ein und gewinnt
Wer glaubt, die Antwort bereits zu wissen, sei gewarnt: Denn Tom Cruise, der Star des Films, spielt erstmals in seiner Karriere in der Rolle des Vincent einen echten Bösewicht, allerdings einen von Format. Aber so einen braucht auch dieser Klassefilm. Regisseur Mann, mit Los Angeles bestens vertraut, hat einen düsteren, atmosphärisch dichten und sehr spannenden Thriller inszeniert. Die gesamte Handlung spielt zwischen 18.00 Uhr und 04.00 Uhr in der Nacht. Stuart Beattie, der das Drehbuch verfasst hat, fasst die Substanz des Geschehens treffend zusammen: "Die Eingeweide der Story sind die beiden Charaktere in ihrem handfesten Katz-und-Maus-Spiel."
Die "Maus" darin ist Taxifahrer Max, gespielt von Jamie Foxx, einem in den USA überaus populären Comedy-Darsteller. Foxx hat komödiantisches Potenzial, das er in seiner bislang besten Rolle aber nur andeuten kann. Vielmehr profiliert er sich als ernsthafter Darsteller, der unter den populärsten schwarzen Akteuren Hollywoods künftig mehr Gewicht hat. Auch für die dunkelhäutige Schönheit Jada Pinkett Smith, die als Anwältin Annie zu Anfang und am Ende des Films ihre große Auftritte hat, ist "Collateral" ein wichtiger Schritt in der Karriere. Sie wie Foxx waren auch schon in Manns herausragender Boxerbiographie "Ali" mit von der Partie.
Im Mittelpunkt des Thrillers steht aber natürlich die Darstellung von Tom Cruise. Regisseur Mann hat in ihm die Idealbesetzung gefunden, und er weiß es: "Vincent ist ein Charakter, wie Tom ihn noch nie zuvor gespielt hat, und so ist er ein gewisses Risiko eingegangen, als er sich für diese Rolle entschieden hat." Wie sehr es Cruise gereizt hat, diese durchaus komplex gezeichnete Figur des Auftragskillers in Szene zu setzen, teilt sich dem Betrachter durchaus mit. Aber der Star ist auch und gerade deshalb so gut, weil er in einem Meisterwerk agiert, das alle Stärken des amerikanischen Films eindrucksvoll demonstriert. "Collateral" ist Kino, das fesselt bis zur letzten Minute.
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