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Film-Kritik: Constantine: Trip in die Unterwelt

zuletzt aktualisiert: 14.02.2005 - 09:57

Wird ein unbekannter US-Comic ("Hellblazer") verfilmt, sollte der Zuschauer wenig erwarten, um nicht enttäuscht zu werden. Computeranimationen gehören dazu und ein genervter Anti-Held, der zwischen den beiden Welten Himmel und Hölle sitzt. Doch der Fantasy-Thriller "Constantine" hat Überraschungen im Gepäck.

Dass der bestaussehendste Nichtschauspieler seiner Generation, Keanu Reeves, im schicken schwarzen Anzug den coolen Dämonenjäger mimt, scheint auch nicht wirklich prickelnd. Mea culpa: Zunächst muss man Reeves Abbitte leisten, denn als abgebrühter Exorzist und gewiefter Dämonologe lässt sich kein Berufenerer denken. Ob es daran liegt, dass er mit seinem ausdruckslosen Gesicht, im Amerikanischen "deadpan" genannt, den lateinischen Austreibungshokuspokus mit genau der richtigen Dosis lakonischen Sarkasmus' herunterbetet?

Reeves vereitelt mit fein abgeschmeckter Selbstironie jegliches missionarische Pathos, das "Matrix" so unerquicklich machte. Köstlich etwa, wie John Constantine barfuß in einen Bottich voller Wasser steigt und einer Hauskatze tief ins Schlitzauge blickt, um einen medialen Abstecher in die Hölle zu machen! Das ist doch mal was anderes als die Telefonzellen in "Matrix". Unbezahlbar sein genervter "Na und!"-Blick, mit dem er Angie, das verwunderte Frauchen, fern hält von diesem albernen Ritual.

Dabei nimmt dieser altkatholische James Bond Kruzifixe, Weihwasser, Amulette und Reliquien so ernst wie sein weltlicher Kollege Mr. Q.s Wunderwaffen. Selbstmörder wie Angies Zwillingsschwester Isabel fahren streng nach päpstlichem Reglement stante pede in die Hölle, die John nur zu gut kennt - war er als Kind doch selbst mal zwei Minuten dort. Er wollte sich einst umbringen, weil er, wie Isabel, überall Dämonen sah. Doch er wurde zurückgeholt, und weil er keine Lust hat, nach seinem Ableben ewig dort zu schmoren, will er sich den Himmel durch die Jagd nach höllischen Aliens verdienen.

Das macht ihn für die satanische Partei zum "most wanted" Erdenbürger, kann aber Gott, wie dessen Sprachrohr Erzengel Gabriel trocken erklärt, nicht erweichen. Mit dem Tod von Angies Zwillingsschwester wird John klar, dass irgendwas noch mehr nach Schwefel stinkt als sonst. Die bisherige Balance zwischen Dämonen und Engeln, die unerkannt auf der Erde wandeln und Menschen für ihre jeweilige Seite werben, ist durch den Fund eines Superduper-Schwertes empfindlich gestört. Oder so ähnlich: Wie Winkeladvokaten legen die übersinnlichen Vertreter die Bibel und verwandte Texte aus, deren Kleingedrucktes es in sich hat. Die theologische Buchhaltung mit angeschlossenem Seelen-Kuhhandel bleibt so undurchschaubar wie in andern Okkult-Thrillern, etwa "Stigmata" und "Exorzist".

Computeranimierte Quälgeister

Dass das Hin und Her zwischen Oben und Unten trotz Déjà-Vus etwa aus "Alien" und anderen stilbewussten Sci-Fi-Spektakeln dennoch ziemlich Spaß macht, liegt teils am gelungenen Look - falls man von gollumhaft computeranimierten Quälgeistern, den "Seelenfressern", absieht.

Debütregisseur Francis Lawrence, der bisher Musikvideos drehte, weiß sichtlich, was er tut und zeigt in seinem "Update" dantesker Höllenvisionen die Unterwelt als negative Kopie der Realität. Das Panorama etwa auf den Freeway von L.A. im ewigen radioaktiven Fallout mit Feuerstürmen und Ascheregen demonstriert eine glühende Dauer-Apocalypse, die einen auch im Kinosessel schwitzen macht.

Ein prima Coup ist vor allem die Darstellerwahl: Die kühle Britin Tilda Swinton spielt den androgynen Gabriel, der seine himmlischen Anweisungen mit solch süffisanter Ironie kommunziert, dass er den abgebrühten John zur Weißglut treibt. Peter Stormare ("Fargo") mimt "Lu" Luzifer als gelangweilt-lasziven Dandy im weißen Anzug, dessen bloßes Augenrollen den Höllenknast öffnet. Als Running-Gag und witziger Subtext dient aber Johns ständiger Griff zur Zigarette, mit der er selbstmörderisch seine Lunge teert. Und so wird die Erlösung vom Bösen letztlich zur konkreten Erlösung vom höllischen Gesichts-Feuerchen und zur spirituellen Entziehungskur. Netter Versuch.

Quelle: ap

 
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