Komödie "Lila, Lila" nach dem Roman von Martin Suter: Daniel Brühl erschleicht sich Liebe
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 17.12.2009 - 20:38(RP). Was man aus Liebe nicht alles tut. Der bislang so brave Kellner David (Daniel Brühl) lügt in "Lila, Lila" wie gedruckt, um die Gunst seiner Traumfrau zu erlangen. Und so gibt der nette Naivling ein vergilbtes Manuskript, das er in einer alten, auf dem Flohmarkt gekauften Kommode gefunden hat, als das seine aus.
Die literaturversessene Studentin Marie (Hannah Herzsprung) strahlt aus allen Poren – zu dumm aber, dass sie den geklauten Roman heimlich an einen Verlag schickt. So wird der unscheinbare Schwindler über Nacht zum Shootingstar der Literaturszene, wird hofiert und gefeiert. Bis bei einer Autogrammstunde ein ziemlich verlotterter geschwätziger Clochard (Henry Hübchen) auftaucht, der behauptet, das Buch stamme von ihm.
Man kann sicherlich darüber streiten, ob die gleichnamige Roman-Vorlage von Martin Suter ("Ein perfekter Freund") eine hintergründige Satire oder einfach nur ein überkonstruiertes Beziehungsdrama ist, aber unstrittig bleibt, dass sie nicht zu den besten Werken des Schweizer Schriftstellers zählt. Die Verfilmung jedenfalls gebärdet sich von Anfang an als harmlose heitere Angelegenheit, die um Tiefgründigkeit einen boulevardesken Bogen macht, vor allem an der karikaturenhaften Überzeichnung der Figuren interessiert ist und mit gehässigen Seitenhieben auf das großspurige Geplapper des versnobten Literaturbetriebs sparsam umgeht.
Dass sich Regisseur Alain Gsponer ("Das wahre Leben") mit dieser Art Stoff nicht pudelwohl fühlt, ist dem Film ständig anzumerken. Dementsprechend liegt die Last vor allem auf dem Hauptdarsteller-Trio, das seine Sache aber durchaus gut macht. Wie schon in "Good Bye, Lenin!" türmt Daniel Brühl ein Lügengebäude auf, das Stück für Stück zerbröckelt. Eine Rolle, die dem immer noch bubihaft wirkenden Darsteller liegt, seinem Schelm kann man einfach nicht böse sein. Wenn er sich als unbeholfener Hochstapler, der noch nicht mal anständig lesen kann, was er angeblich geschrieben hat, durch eine Lesung quält und am Wörtchen Rendezvous scheitert, kann man sich das Schmunzeln nicht verkneifen.
Gottlob gibt's Hübchen
Und währemd die hochgelobte Hannah Herzsprung als schnippische Zicke etwas unterfordert erscheint, freut man sich über das Auftauchen von Schlawiner Henry Hübchen, der seine köstlichen Knatter-Rollen aus "Alles auf Zucker!" oder "Whisky mit Wodka" wiederholt und einmal mehr mit Schmackes die durchtrieben aufgekratzte Schnapsnase gibt. Es ist eben doch eine Verwicklungskomödie mit Schlenker zur Klamotte, die uns hier aufgetischt wird.
Aber als solche hat sie dann durchaus einen gewissen Unterhaltungswert.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






