Dritte Verfilmung von Erich Kästners Klassiker: "Das fliegende Klassenzimmer"
zuletzt aktualisiert: 13.01.2003 - 09:34Frankfurt/Main (rpo). Schon wieder eine Verfilmung von "Das fliegende Klassenzimmer"? Oh ja. Ort der Handlung ist diesmal das Internat des berühmten Thomanerchors in Leipzig. Ein Film ohne große Effekte - es lohnt sich, auch die dritte Version des Klassikers anzuschauen.
In den vergangenen Jahren wurden die Jugendbuchklassiker von Erich Kästner in modernisierter Version nacheinander ins Kino gebracht, meist mit gutem Erfolg. Denn wer kennt nicht die Geschichten von "Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen", "Pünktchen und Anton" und "Das fliegende Klassenzimmer"? Zwei Mal bereits nach dem Krieg wurde Kästners vierter Roman "Das fliegende Klassenzimmer" verfilmt, 1954 und 1973. Nun liegt die allerneueste Leinwandfassung vor, die ab dem 16. Januar in die Kinos kommt.
Ort der Handlung ist diesmal Leipzig, genauer gesagt das Internat des weltberühmten Thomanerchors. Für den eigenwilligen Jonathan, der schon aus acht anderen Internaten rausgeworfen wurde, ist das die letzte Hoffnung auf eine geglückte Schullaufbahn. Aber viel Hoffnung hat der hübsche Junge eigentlich nicht. Immerhin gewinnt er mit dem stets vernünftigen Martin, dem schmächtigen Uli, dem wortgewandten Direktorensohn Kreuzkamm junior und dem allzeit zu Raufereien bereiten Matz gute Kumpels. Und auch der patente Internatsleiter Justus, verkörpert von Ulrich Noethen, macht Jonathan Mut.
Aber dann passiert doch einiges, was das Internats- und Chorleben kräftig durcheinander bringt, was auch mit einem alten Eisenbahnwaggon, einem geheimnisvollen, von Sebastian Koch gespielten "Nichtraucher" und nicht zuletzt mit der niedlichen "feindlichen" Bandenchefin Mona zu tun hat. Und dann gibt es ja auch noch den Text für das weihnachtliche Theaterstück, dessen Titel Kästners Buch wie dem Film den Titel gab. Die drei Drehbuchautorinnen des von Tomy Wigand inszenierten Films haben sich an die Vorlage gehalten, aber ins Bild kommen Kinder, Orte und Szenen, die der Gegenwart entstammen.
Die Wahl Leipzigs und des Thomaner-Internats zum Ort der Handlung hatte auch dramaturgische Gründe, wie Uschi Reich, eine der Drehbuchautorinnen erklärt: "Wenn ein Kind begabt ist, - in unserem Fall ist es die Musikalität -, dann wird es entsprechend gefördert und im Thomanerchor aufgenommen, egal aus welchem sozialen Umfeld es stammt." Die lyrischen Passagen Kästners in dem Bühnenstück "Das fliegende Klassenzimmer" ließen sich nach Angaben von Produzent Peter Zenk hervorragend aktualisieren: "Die Verse, die Kästner geschrieben hat, kann man hervorragend rappen. Die kurzen Zeilen bieten sich geradezu an."
Im Vergleich mit der Hollywood-Perfektion der "Harry Potter"-Verfilmungen wirkt diese sympathische deutsche Produktion sicherlich ein wenig bieder. Aber Kästners Jugend-Klassiker, ob als Roman oder Film, zählen zum Schatzkästlein deutscher Populärkultur. Es ist deshalb gut, wenn in bestimmten Abständen daran erinnert wird. Und es spricht einiges dafür, dass auch dieses "Fliegende Klassenzimmer" sein Publikum finden wird - bei Kindern und denen, die nicht vergessen haben, dass sie einmal Kind waren.
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