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Kino-Kritik: Das größte Spiel seines Lebens: Go for Golf!

zuletzt aktualisiert: 05.06.2006 - 12:57

Das größte Spiel, das im Golf je gespielt wurde, war eines für die Gerechtigkeit. Eines, das darüber entschied, ob auch Normalsterbliche dem edlen Sport fröhnen durften oder nicht. Es fand statt im Jahr 1913, als der junge Einwanderer Francis Ouimet den Meistern ihres Fachs die Granzen aufzeigte, und gleichzeitig mit seinem Ausnahmetalent den Weg für den Golfsport als Breitensport in denn USA ebnete.

Mit seinem Anspruch, diese wahre Geschichte auf die Kinoleinwand zu bringen, könnte US-Regisseur Bill Paxton den Unwillen mancher Sportfans erregen. Auch wenn der deutsche Verleihtitel in "Das größte Spiel seines Lebens" abgemildert wurde: Fußball-, Tennis- oder Basketball-Freunde können gewiss ganz andere "größte Spiele" ihres Lebens anführen.

Im Mittelpunkt von Paxtons historischem Sportlerfilm stehen zwei passionierte Golf-Spieler. Der junge Nobody Francis Ouimet (Shia LaBeouf) stammt aus einer Proletarierfamilie und verdient sich ein Zubrot als Caddy auf dem benachbarten Golfplatz. Mit fleißigem Üben und hilfreichen Tipps eines Golfveteranen schafft es der 20-Jährige gegen den Widerstand seines skeptischen Vaters Arthur (Elias Koteas), sich für die U. S. Open zu qualifizieren.

Dort schreibt er Sportgeschichte, denn mit erstklassigen Schlägen und der Hilfe seines cleveren zehnjährigen Caddies Eddie (Josh Flitter) gelingt es Francis, ins Finale vorzustoßen. Dort muss er gegen sein eigenes Idol, den schier unschlagbaren britischen Weltmeister Harry Vardon (Stephen Dillane), antreten. Vom Ausgang dieses Matches hängt für Francis ab, ob er sich Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen kann.

Underdogs

Wie zuletzt "Seabiscuit" und "Cinderella Man" erzählt auch "Das größte Spiel seines Lebens" eine typische Underdog-Story in einem historischen Sportlermilieu. Paxton beschreibt in seiner zweiten Regiearbeit nach dem Horrorfilm "Frailty" (2001) in überzogener Ausführlichkeit die Schranken der Klassengesellschaft und die spezifischen Anforderungen des Upper-Class-Sports Golf.

Mehr noch rückt das Drehbuch, das "Twin Peaks"-Autor Mark Frost nach seinem eigenen Sachbuch verfasste, den Wettkampf mit dem ärgsten Rivalen und vor allem den tapferen Kampf mit den Minderwertigkeitsgefühlen des Außenseiters ins Zentrum des Plots, dessen Ausgang jedoch früh vorhersehbar ist.

Die Biederkeit der David-gegen-Goliath-Dramaturgie und die Sentimentalitäten der Inszenierung versucht Paxton, der den meisten Zuschauern eher als Schauspieler ("Apollo 13") in Erinnerung ist, mit gediegener Ausstattung, solider Kameraarbeit und dem üppigen Einsatz von Digitaltricks wettzumachen.

Die Trickspezialisten helfen auch dabei, Harrys parapsychologische Fähigkeit zu illustrieren, bei entscheidenden Schlägen die Gespenster der Vergangenheit und alle störenden Umwelteinflüsse in milchigem Farbnebel verschwinden zu lassen.

Während der smarte Newcomer Shia LaBoeuf für einen erfolgshungrigen Aufsteiger zu selbstsicher und glatt daherkommt, liefert Stephen Dillane als britischer Champion, der sich des Zwiespalts zwischen niederer sozialer Herkunft und Snob-Sport stets bewusst ist, eine brillante Charakterstudie ab. Seine Leistung lässt auch einige Längen in dem zweistündigen Drama verzeihen, das insgesamt akzeptables Mainstream-Entertainment bietet.

Quelle: afp2

 
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