Todkranker Vater versöhnt sich mit ausgeklinktem Teenagersohn: "Das Haus am Meer" - triviales Familienmelodram mit Kevin Kline
zuletzt aktualisiert: 01.07.2002 - 11:23Hamburg (rpo). Familie kaputt, Haus weg und todkrank: Ein Mann steht vor den Trümmern seines Lebens. In Irwin Winklers Film wird das Haus zum Sinnbild für das Leben eines Mannes. Was also tut George Monroe (Kevin Kline)? Er beschließt, die verwahrloste Hütte an der kalifornischen Küste abzureißen und ein würdiges Heim zu bauen.
Zeit genug hat er, denn seinen Job als Modellbauer in einem Architekturbüro wird er auch noch los. Seine Handarbeit ist unrentabel. Zu einem anachronistischen Verweigerer passt, dass er die digitalen Techniken souverän ignoriert und einen kultivierten Lebensstil pflegt. Der, wie dieses Melodram drastisch vor Augen führt, eben auch kein Garant für ein intaktes Familienleben ist. Georges Ex-Frau Robin (Kristin Scott-Thomas) ist in ihrer zweiten Ehe todunglücklich, der gemeinsame Sohn Sam (Hayden Christensen) droht als gepiercter, Leim schnüffelnder und Pillen schmeißender Punk endgültig aus dem Ruder zu laufen.
Keinen Aspekt zum Thema Familienkrise hat dieser Film ausgelassen. Und Sam, als Verkörperung einer restlos verdorbenen Jugend, hat es besonders hart getroffen. Das Haus am Meer ist vor allem eine Metapher für die Wiederherstellung traditioneller Familienwerte. So wird das Abriss- und Neubauprojekt auch zur Erziehungsmaßnahme für Georges ausgeklinkten Teenagersohn.
Autoritäre Maßregelung
Was dem Vater aus nahe liegenden Gründen an Glaubwürdigkeit fehlt, kompensiert er durch autoritäre Maßregelei. Nur zum Besten des Sohns, versteht sich, der auf Radikal-Entzug von Drogen, Kabelfernsehen und Computerspielen zur Besinnung kommen soll. Glücklich soll er werden auf Biegen und Brechen, auch wenn ihm sein Vater dafür eigenhändig einen Reißnagel aus der Lippe ziehen muss.
Brechstange und Vorschlaghammer waren auch die bevorzugten dramaturgischen Werkzeuge bei der Konstruktion dieses Films. Wo er komplex sein könnte, ist er überfrachtet. Zwischentönen schenkt er wenig Beachtung. Die nämlich mischen sich in das Vater/Sohn-Projekt, das es von Grund auf zu erneuern gilt, gleicht es doch dem Zustand von Georges Behausung.
Was George über seinen eigenen Vater/Sohn-Konflikt zu berichten weiß, hätte der Geschichte einiges mehr geben können. Dass sein eigener Vater ihn um jeden Preis klein halten wollte, erklärt immerhin, dass er ein unglücklicher Versager wurde. Die Botschaft dieses Melodrams ist ebenso plakativ wie seine Metaphorik: Das Haus am Meer als Sinnbild für das, was sich ein Mann auf den letzten Metern seines Lebens noch vorgenommen hat. Im Falle von George heißt das: eine Familie zu restaurieren. Und das gestaltet sich unter den Holzbalken des Rohbaus fast wie von selbst. Gegen die triviale Symbolik können weder die zur Durchschnittsfrau herunter gestylte Kristin Scott-Thomas ausreichend anspielen noch Kevin Kline.
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