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Neu im Kino
"Das kalte Herz" erzählt von den Schattenseiten des Kapitalismus'

"Das kalte Herz" neu im Kino: Neuverfilmung von Wilhelm Hauffs Märchen
Frederick Lau sspielt den mittellosen Köhler Peter (l.) und Moritz Bleibtreu den dämonischen Holländer-Michel. FOTO: dpa, his
Düsseldorf. Regisseur Johannes Naber sorgte zuletzt mit seiner preisgekrönten, kammerspielartigen Kapitalismus-Satire "Zeit der Kannibalen" für Aufsehen. Mit "Das kalte Herz" gelang ihm nun eine stimmige und atmosphärisch dichte Neuverfilmung von Wilhelm Hauffs Märchen. Von Elke Vogel

Starbesetzte Märchenverfilmungen - damit punktete Hollywood in jüngster Vergangenheit mehrfach. Ob "The Huntsman & The Ice Queen" mit Charlize Theron und Chris Hemsworth, "Cinderella" mit Cate Blanchett oder "Spieglein Spieglein" mit Julia Roberts. Das Publikum liebt die alten Geschichten im neuen Gewand. In "Das kalte Herz" tritt nun eine ganze Riege deutscher Stars an, um den Klassiker von Wilhelm Hauff neu zu erzählen.

Frederick Lau ("Victoria") spielt den jungen, fast mittellosen Köhler Peter, der im Kampf um seine große Liebe einen verhängnisvollen Pakt mit dem Bösen eingeht. Henriette Confurius ("Die geliebten Schwestern") ist Peters Angebetete Lisbeth. Für den jungen Mann scheint das Mädchen aus gutem Glasmacher-Hause unerreichbar, bis der Menschenherzen sammelnde Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu) auftaucht. In weiteren Rollen sind Milan Peschel, Sebastian Blomberg, Lars Rudolph und André M. Hennicke zu sehen.

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Die Hauffsche Märchenvorlage nimmt er trotz einiger dramaturgischer Freiheiten sehr ernst. Auf ironische Brechungen, eingebaute Gags und nicht der Story dienende Effekte verzichtet Naber - anders als seine amerikanischen Kollegen - komplett. Das tut der Interpretation der geheimnisvollen, düsteren Geschichte über die Schattenseiten des Kapitalismus gut. Die Zuschauer müssen sich aber bewusst einlassen auf die langsame, etwas bedächtige Erzählweise, die das archaische Leben im filmisch neu erfundenen und von guten wie bösen Geistern bevölkerten Schwarzwald spiegelt.

Das harte Leben im Schwarzwald

Peter will vor der Dorfgemeinschaft und Lisbeths strengem Vater bestehen. Das weise Glasmännchen - von Milan Peschel als freundlicher Naturgeist gespielt - bietet seine Hilfe an. Das Glasmännchen sorgt dafür, dass Peter als bester Tänzer des Dorfes das Herz seiner Lisbeth erobert. Peter hat fortan immer so viel Geld in der Tasche wie sein Erzfeind, der Holzhändler Etzel. Und der junge Köhler wird Besitzer einer Glashütte.

Doch nach einer Pechsträhne geht er einen grausigen Handel mit dem Holländer-Michel ein. Peter überlässt dem von der Gesellschaft Verstoßenen gegen viel Geld sein blutig pochendes Herz und bekommt dafür ein Herz aus kaltem Stein eingepflanzt. Dabei ist Moritz Bleibtreu ein ähnlich dämonischer Holländer-Michel wie Erwin Geschonneck in der berühmten DEFA-Verfilmung aus dem Jahr 1950. Aus dem mitfühlenden Peter wird ein Mann mit buchstäblich steinernem Herzen - bis er bereut und ihn die Liebe erlöst.

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Die klassischen Schwarzwald-Szenen wurden in Baden-Württemberg und im sächsischen Elbsandsteingebirge gedreht. Doch Regisseur Naber erfindet das harte Leben der Schwarzwald-Bewohner ganz neu: Zur Unterscheidung der Standeszugehörigkeit haben die Menschen Tätowierungen auf Stirn und Wangen, Konflikte werden mit Stockkämpfen ausgetragen und die Männer pflegen eine seltene Haartracht.

Naber ist mit seiner Version des Märchens eine zwar traditionell erzählte, aber atmosphärisch dichte und stimmige Neuinterpretation von "Das kalte Herz" gelungen.

Das kalte Herz, Deutschland 2016 - Regie: Johannes Naber, mit Frederick Lau, Henriette Confurius, Moritz Bleibtreu, Milan Peschel, 119 Min.

(dpa)
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