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Film-Kritik: De-Lovely: Aus dem Leben eines Melodienzauberers

zuletzt aktualisiert: 17.01.2005 - 10:15

Wer mit einem bisexuellen Musiker den Bund fürs Leben eingeht, lässt sich auf eine strapaziöse Ehe ein. Die Rede ist von einem Melodienzauberer, dessen Name auch vier Jahrzehnte nach seinem Tod noch strahlenden Klang besitzt: Cole Porter. Dem Komponisten von Musicals wie "Kiss me, Kate" und Evergreens wie "True Love" oder "I've Got You Under My Skin" hat Hollywood nun eine Kinobiografie gewidmet.

"De-Lovely - Die Cole Porter Story" ist der Titel des Films, der nach mehrfacher Startverschiebung am 20. Januar endlich in die deutschen Kinos kommt. Regisseur Irvin Winkler porträtiert mit dem hervorragend besetzten Kevin Kline in der Hauptrolle einen leichtlebigen Amerikaner, der nicht nur unvergängliche Songs geschaffen hat, sondern auch ganz ungeniert mehrere Laster pflegte: Cole war dem Whiskey und Nikotin ebenso verfallen wie seinen sehr häufig wechselnden sexuellen Beziehungen zu Männern. Selten hat ein amerikanischer Film die Homosexualität seines Helden so offen und doch mit der notwendigen Diskretion dokumentiert wie "De-Lovely".

Umso wichtiger ist, sozusagen als Kontrapunkt, die Rolle der toleranten Cole-Ehefrau Linda. Es ist ein Glücksfall, dass mit Ashley Judd eine der apartesten und intelligentesten Schauspielerinnen des gegenwärtigen Hollywood-Kinos diese ungewöhnliche Frau verkörpert. Judd glaubt man immer die Toleranz, die jene Linda an der Seite ihres berühmten Sünders entwickeln musste und auch wollte, um die Beziehung über lange Jahre zu bewahren. Aber auch Linda lebte ja wohl keineswegs allzu enthaltsam, ein Martyrium nahm diese im Film umwerfend reizvoll geschilderte Frau also keineswegs auf sich.

Konventionell, aber elegant inszeniert

Wenn der Film beginnt, ist Cole Porter ein alter Mann an der Schwelle des Todes, der seine krebskranke Linda bereits verloren hat und zurückblickt auf die wichtigsten Stationen seines bewegten Musikerlebens. Winkler hat diese mit all den schönen Melodien als bunten Bilderbogen konventionell, aber durchaus elegant und mit üppiger Ausstattung in Szene gesetzt. Es ist zugleich ein nostalgischer Blick zurück in die 20er bis 40er Jahre, in denen der 1891 geborene und 1964 gestorbene Porter seine größten Triumphe feierte.

"De-Lovely" ist einmal kein Film fürs jugendliche Massenpublikum, aber beste Unterhaltung für reifere Zuschauer, die Freude an Cole Porters Evergreens haben und nicht den virtuosen Auftritt Kevin Klines als einen der bedeutendsten Inspirateure der amerikanischen Musikkultur verpassen wollen. 125 Minuten Kinounterhaltung höchster handwerklicher Qualität sind ein Angebot, das nicht ausgeschlagen werden sollte.

Quelle: ap

 
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