Film-Kritik: Der ewige Gärtner: Wahre Liebe, zu spät...
zuletzt aktualisiert: 09.01.2006 - 08:59Unterschiedlicher könnten die Charaktere von Justin und Tessa nicht sein: Während er nach seinem Job als Diplomat am liebsten in Ruhe seinen üppigen Garten pflegt, geht sie als politische Aktivistin auf die Straße. Doch das kann gefährlich werden, besonders, wenn man sich mit afrikanischen Potentaten und mächtigen internationalen Pharma-Konzernen anlegt. In "Der ewige Gärtner" führt der Auslandsjob der beiden Liebenden in den Tod.
Tessa und Justin Quayle sind sich in London bei einem Vortrag von Quayle begegnet, haben einander trotz grundverschiedener Charaktere lieben gelernt und gehen auch gemeinsam den Weg nach Kenia, wo der Diplomat für sein Land tätig werden soll. Für Tessa, die sich bald in den Armenvierteln von Nairobi engagiert, wird es bald gefährlich.
Schon zu Beginn der britisch-deutschen Filmproduktion "Der ewige Gärtner", die ab dem 12. Januar in die Kinos kommt, wird die Leiche der hochschwangeren Frau im Norden des Landes gefunden. Tessa ist offenbar ermordet worden. Von ihrem schwarzen Reisebegleiter und Mitstreiter für die Rechte der Armen, Dr. Arnold Bluhm, fehlt jede Spur. Vieles deutet auf ein Beziehungsdrama hin, aber das ist nicht die Wahrheit. Nach dem ungeheuren Schock, den der Verlust der geliebten Tessa für ihren Mann bedeutet, macht sich dieser auf die Suche nach dieser Wahrheit über ihren Tod und gerät dabei selbst in höchste Gefahr. Denn es ist ein gefährliches Geheimnis, dem Justin Quayle auf die Spur kommt.
"Der ewige Gärtner" ist die Leinwandfassung des gleichnamigen Romans von John Le Carré, dem literarischen Großmeister des politischen Thrillers. Regie führt der Brasilianer Fernando Meirelles, der seit seinem vielfach preisgekrönten Slum-Drama "City of God" den Ruf besitzt, die brutale soziale Realität der Dritten Welt visuell und dramaturgisch besonders eindrucksvoll in Szene setzen zu können. Wohl deshalb ist auch sein vierter Film ein vielschichtiges und widerborstiges Kinostück geworden, das nicht folgenlos konsumiert werden möchte.
Kritik an den Pharmakonzernen
Und Meirelles hat zusammen mit dem Drehbuchautor Jeffrey Caine aus dem dicken Roman einen 128-Minuten-Film gemacht, der nicht nur stets spannend bleibt, sondern auch beunruhigende Einblicke ins afrikanische Elend und dessen Profiteure vermittelt. Leichte Kost ist das nicht, deshalb wird es dieser Film auch schwer an den Kassen haben. Daran wird die Mitwirkung von Ralph Fiennes in der Titelrolle des gärtnernden Justin Quayle wenig ändern. Dabei ist der Star des vor einem Jahrzehnt so triumphal erfolgreichen Kinohits "Der englische Patient" die Idealbesetzung für die Rolle eines eher sanften Mannes, der wissen will, warum seine Frau sterben musste.
Fiennes spielt die Schüchternheit dieses Justin ebenso überzeugend wie dessen Entschlossenheit. In der aparten Rachel Weisz, die als Tessa in vielen Rückblenden zum Leben erweckt wird, ist eine Schauspielerin zu sehen, die nicht weniger glaubwürdig eine mutige. leidenschaftliche Frau darstellt. "Der ewige Gärtner" ist durchaus ein Liebesfilm. Er ist gleichwohl nicht minder ein politischer Film, der mit den Praktiken der multinationalen Pharmakonzerne ins Gericht geht.
Regisseur Meirelles hat an diesem Handlungsstrang besonderes Interesse: "Als Mensch aus einem Entwicklungsland verstehe ich sehr gut, was in einem vorgeht, wenn man mit diesen Wahrheiten konfrontiert wird. Also konnte ich mir sehr gut vorstellen, die Interessen der Kenianer in diesem Film zu vertreten." Die Szenen in Nairobis Armenviertel Kibera sind jedenfalls sehr realistisch, wozu die Aufnahmen mit der Handkamera entscheidend beitragen. "Der ewige Gärtner" bietet anspruchsvolles Unterhaltungskino, das eine Welt zeigt, die noch viele Tessas bräuchte.
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