"Twilight" – die Saga geht weiter: Der Film ist ein einziges Raunen
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 18:42Düsseldorf (RP). Der Film "New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde" kommt am Donnerstag ins Kino. Die gelungene, aber arg gedehnte Fortsetzung der Liebesgeschichte zwischen der Schülerin Bella und dem Vampir Edward ist ein düsteres Märchen aus dem Amerika der Gegenwart. Seine große Stärke ist das Verdichten von Gefühlen.
Solche Filme sind überhaupt am schwierigsten zu drehen. Sie sollen die Subjektivität des Aufwachsens in einer allgemein gültigen Geschichte erzählen, sie wollen Gefühltes ins Bild setzen und die Haltung einer Generation zur Welt ausdrücken. Der Fortsetzung der von Stephenie Meyer als geschlossener Kosmos entworfenen "Twilight"-Saga, die nun unter dem Titel "New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde" ins Kino kommt, gelingt all das erstaunlich gut. Es ist ein düsteres Werk, das selten die Ernsthaftigkeit durchbricht und dem Witz zuneigt. Und doch wird es von einer Hoffnung durchzogen, an deren Schnürchen man hinausgeleitet wird aus emotionaler Wirrnis.
Vorab im Kino
In vielen Städten gibt es an diesem Wochenende Vorpremieren von „Twilight 2“. Der erste Teil „Bis(s) zum Morgengrauen“ erschien soeben als DVD.
Der Zuschauer trifft Bella Swan (Kristen Stewart), sie ist unglücklich verliebt, obwohl sie am Ende des ersten Films so zufrieden war. "To fall in love", sagen die Engländer, und Bella hört gar nicht mehr auf zu fallen, es geht tief hinunter. Ihr Freund hat sie allein gelassen, kurz nach ihrem 18. Geburtstag, der geheimnisvolle Edward, ein edler Vampir. Er musste sich von ihr trennen, ein Treffen in seiner Familie, die zwar Blut trinkt, ansonsten aber eine intellektuelle und optische Elite in dem ansonsten reichlich tumb besiedelten Städtchen Fork in Washington bildet, hat es ihm dringlich vor Augen geführt.
Eine schöne Idee von Liebeskummer
Bella schnitt sich an Geschenkpapier, sie blutete, es wallte die Beißlust einiger anverwandter Untoter auf. Bella musste beschützt werden, und zwar durch Entsagung. Zwei Drittel des Kino-Abends vergehen also ohne Hauptdarsteller Robert Pattinson. Dafür gibt es Bilder zu sehen, die einen schönen Ausdruck für Liebeskummer finden: Bella sitzt im Sessel, die Kamera umkreist sie, und jedes Mal, wenn sie am Ausgangspunkt angelangt ist, erscheint der Name eines neuen Monats auf der Leinwand. Bella verbringt den Winter sehnend, "Romeo und Julia" liegt aufgeschlagen neben ihrem Bett.
Chris Weitz führt Regie in diesem Zwitter aus High-School-Märchen, Soap-Opera, Thriller und Fantasy-Epos. Der 39-Jährige wurde bekannt durch die Verfilmung des Nick-Hornby-Romans "About A Boy". Er weiß, dass sich eine Arbeit wie "Twilight" erst im Kontakt mit der Lebenswelt der Zuschauer vollendet, dass er der Inszenierung ein Angebot zum Wiedererkennen mitgeben muss. Also knüpft er an jugendliche Abbilder, Styles und Gewohnheiten. Er gönnt sich einen allzu langsamen Beginn, zeigt Bella vom Alp geplagt, lässt sie an der Grenze zum Verhängnis agieren, weil bei Gefahr stets Edward erscheint – als rettender Geist. Musik strukturiert die Allmählichkeit: Muse, Linkin' Park, Thom Yorke.
Reine Überleitung
Ganz plötzlich gewinnt der Film an Tempo und schweift aus in die Traumhaftigkeit. Die Erzählung kommt dadurch nicht voran, der Film ist ein einziges Raunen, reine Überleitung. Aber er bietet Kampf- und Flug-Choreografien, in denen es um Leben und Tod geht. Der Wald bekommt eine größere Rolle. Er birgt und verbirgt. Darin toben die Kämpfe zwischen bösen Abtrünnigen innerhalb der Vampirgemeinschaft, vor allem der rachewilligen Victoria, und den Rettern, die in Gestalt von Werwölfen auftreten.
Jacob, der Indianer-Junge und Freund, beschützt Bella, er hütet ein Geheimnis, und er würde gern und darf doch nicht – die Liebe ist hier ein Gesetzbuch, das nur Verbote kennt. Die männlichen Darsteller treten zumeist mit nacktem Oberkörper auf, der Regisseur inszeniert ihre Auftritte in Zeitlupe als heiter-eskapistische Reminiszenz an den von Stephenie Meyer verkehrten Mythos des Vampirs. Erotik gibt es in diesem Film ansonsten kaum, höchstens abstrahiert, als Spannung, als Dräuen der Natur.
Gefühlsverstärker
Am Ende begegnen Bella und Edward einander wieder, nun braucht Edward Rettung. Bella gewährt sie ihm und fordert dafür Erfüllung, den Biss. Natürlich kann und will er nicht, und deshalb bittet er sie um eine Ungeheuerlichkeit, sie dürfte manchen verwirren.
Diese Sozialstudie über die Befindlichkeit der Jugend setzt auf die Euphorie des intensiv erlebten Moments. Dass "Twilight" das Gefühl verstärkt, dass man in diese Zeit gehört, ist seine große Stärke.
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