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Film-Kritik: Der Flug des Phoenix: Gockelkampf im Sand

zuletzt aktualisiert: 04.07.2005 - 10:20

Eigentlich sollte es ein Routine-Flug werden: Pilot Frank Towns sollte eine Truppe von Bohr-Arbeitern in der Mongolei anholen und weiter nach Peking fliegen. Doch statt nach wenigen Stunden in China zu landen, gibt es Turbulenzen und die Männer landen im "Flug des Phoenix" in der Wüste Gobi, inmitten des Nichts. Was tun?

Das Team ist schon zu Beginn des Films völlig überrascht von der Entscheidung seines Brötchengebers, die Ölförderstation abzuwickeln, und dementsprechend missmutig nimmt die Crew Platz in Franks Frachtmaschine. Ein Berliner Busfahrer könnte nicht ruppiger sein als dieser altgediente Pilot, der das allgemeine Gegrummel barsch abwürgt. Und wohl noch nie wirkte ein Crash so haarsträubend echt wie in diesem Actionfilm, der den Zuschauer nach dem kurzen Vorgeplänkel gekonnt in den Kinosessel staucht.

In einer minutenlangen Sequenz wird die Maschine nach allen Regeln der digitalen Kunst von einem Sandsturm durchgeschüttelt. Völlig zerfleddert stürzt der Flieger auf Sanddünen, die von oben so einladend aussahen wie ein meditatives Kalenderbild mit dem Spruch "In der Stille zu sich selbst finden".

Doch den elf Überlebenden ist nicht nach Selbstfindung zumute: Der Trinkwasservorrat reicht für einen Monat, der Essensvorrat besteht aus Dosenpfirsich. Von einem Rettungstrupp keine Spur, dafür streichen finstere Nomaden um die Überlebenden. Schließlich gibt sich der größte Unsympath der Passagiere, der mysteriöse Elliott, als Flugzeugkonstrukteur zu erkennen und schlägt vor, das Wrack der C-119 zu zerschneiden und zu einem einmotorigen Flugzeug zusammenbasteln.

Dennis Quaid mit durchtrainiertem Oberkörper

Wem dieses Szenario bekannt vorkommt, der hat wohl irgendwann den legendären Abenteuerklassiker von Robert Aldrich aus dem Jahre 1965 in einer der zahlreichen Fernseh-Wiederholungen gesehen. Bis hin zum buchstäblich erhebenden Happy End übernimmt Nachwuchsregisseur John Moore mit wenigen Änderungen das Original: Der Schauplatz wurde, politisch korrekt, aus der Sahara in die Wüste Gobi verlegt und arabische Angreifer durch undefinierbare innerasiatische Räuber ersetzt.

Mit dabei ist nun Quotenfrau Miranda Otto (die zuletzt in "Herr der Ringe" eine wehrhafte Königstochter spielte) als Kelly, Chefin der Ölarbeiter. Dennis Quaid gibt in der James-Stewart-Rolle einen knorrigen Macho, der sich mit dem zickigen Elliot - Schauspieler Giovanni Ribisi als zeitgemäßer Ersatz für den einstigen deutschen Herrenmenschen Hardy Krüger - in die sonnengebleichten Haare bekommt.

Im Gegensatz zum Original aber sorgt im Remake vor allem die Schwerkraft für Spannung, während die Psychologie der Figuren eher beiläufig abgehakt wird. Elliots Wandlung vom verkrampften Kauz zum milchgesichtigen Tyrann ist zwar recht verstörend, doch auf psychologische Deutungen und knackige Dialoge wird hier sichtlich wenig Wert gelegt. Ob man wohl Angst hatte, damit ein deutlich jüngeres Publikum als bei Aldrich zu überfordern?

Allerdings würden die Hahnenkämpfe "echter Männer", wie sie Aldrich gekonnt inszenierte, heutzutage ohnedies vor allem als Klischee daherkommen, - und das Drehbuch dampft nicht nur das Psychodrama ein, sondern verzichtet auch auf die erwartete Romanze zwischen Kelly und dem bärbeißigen Bruchpiloten. Zumal Kelly im verwaschenen Overall nicht halb so gut aussieht wie Quaid und sein durchtrainierter Oberkörper, freigelegt dank Wüstenhitze.

Solchermaßen "entkernt", reduziert sich die Handlung auf geradlinig-unsentimentale Action und erlaubt sich höchstens im Soundtrack von Country-Sänger Johnny Cash etwas Harte-Jungs-Pathos. Ebenso unaufdringlich eingesetzt wird die Computeranimation, die einzig dazu da ist, bei Bruchlandung und wackligem Neustart des Phoenix noch ein paar Thrills draufzupacken. Im Blockbuster-Getöse dieses Sommers ist ein solch mätzchenfreies - manche würden sagen: ärmliches - Spektakel fast eine Erholung.

Quelle: ap

 
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