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Film-Kritik: Der Kaufmann von Venedig: Opulenter Klassiker

zuletzt aktualisiert: 18.04.2005 - 09:55

Aufgrund der deutschen Vergangenheit wagen sich nur wenige Regisseure an Shakespeares Klassiker "Der Kaufmann von Venedig". Anders in den USA, wo Al Pacino als skrupelloser, jüdischer Geldverleiher Shylock glänzen darf. So anrührend, wie er die wenig liebenswerte Figur des alten Kaufmanns gestaltet, dürfte er schon jetzt als aussichtsreicher Kandidat für einen weiteren Oscar gelten.

Er zeigt diesen Shylock als bitteren Menschen, der um sein Außenseitertum weiß, sich stets gefährdet fühlt und sich einzig von der Macht des Geldes und der Gesetze vor Demütigungen halbwegs geschützt glaubt. Mit dem Kaufmann Antonio schließt Shylock ein ganz besonderes Geschäft ab: Wenn der nämlich die geborgten 3.000 Dukaten nicht zurückzahlen kann, dann soll er ein Pfund Fleisch des eigenen Körpers opfern.

Michael Radford hat den "Kaufmann von Venedig" in einer opulent-düsteren Kinofassung auf die Leinwand gebracht. Mit dem fast 65-jährigen Al Pacino als Shylock und Jeremy Irons als Antonio bietet Radford nicht nur zwei Oscar-Preisträger auf, sondern auch zwei Shakespeare-Mimen der Extraklasse.

Shakespeare-Filme konfrontieren mit deutschen Defiziten

Radford hat das Venedig des 16. Jahrhunderts mit sichtlichem Aufwand in Szene gesetzt, auch wenn die Studiokulisse nicht immer ganz verborgen bleibt. Doch trotz des Farbenrauschs der historischen Kostüme bleiben die Bilder des Films meist in gedämpften Tönen. Das ist eine richtige künstlerische Entscheidung, ist doch das Geschehen mit seinem dramatischen Finale alles andere als erheiternd. Darüber kann auch das Happy End des gewitzten Dramatikers Shakespeare mit zwei von der Handlung zusammengeführten glücklichen Paaren nicht hinwegtäuschen.

Radfords auf hohem Niveau unterhaltsame Klassiker-Verfilmung wirft einmal mehr die Frage auf, warum sich der deutsche Film so unendlich schwer tut, ebensolche Kinoversionen der unvergänglichen Stücke von Goethe, Schiller, Lessing oder Kleist zu produzieren. Wer aus einem solch reichen Erbe schöpfen könnte, das aber so nachgerade ignorant nicht tut, beraubt sich eines Gutteils der Legitimation öffentlicher Förderung, um die doch stets gebuhlt wird. Beraubt wird aber auch das einheimische Publikum um eine zeitgemäß-populäre Begegnung mit den eigenen großen Dichtern. Daran sei gerade im derzeitigen Schiller-Jahr erinnert.

Wer die ganze Wucht dieser grandiosen Leistung von Pacino erfahren will, sollte sich übrigens unbedingt die nicht synchronisierte Fassung anschauen, in der Stimme und Sprachklang mit Mimik und Gestik des Schauspielers eine Einheit bilden.

Quelle: ap

 
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