kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
der kleine nick wild bunch panorama kino 20100826
  Foto: Wild Bunch
Kommentare ()

Literaturverfilmung: "Der kleine Nick" ist brav geworden

VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 27.08.2010 - 19:08

(RP). Die Abenteuer des französischen Schülers kommen endlich ins deutsche Kino. Die Erzählungen und Zeichnungen von René Goscinny und Sempé sind Klassiker der Jugendbuch-Literatur. Entstanden ist eine nette Komödie, in der die Hauptfigur jedoch zu kurz kommt.

Vorgereckte Stupsnase, Strubbelhaare und immer zu Streichen aufgelegt: So kennt man den kleinen Nick von Zeichnungen, einen Schüler und Lausbuben aus den 1960er Jahren in Frankreich. Nun soll man Nick und seine Kameraden auch aus Fleisch und Blut kennenlernen. Denn nach langer Startverzögerung kommt der französische Film "Der kleine Nick" auch in die deutschen Kinos – und mit ihm der dicke Otto, der rauflustige Franz, der reiche Georg, Polizistensohn Roland, Chlodwig, der Klassenletzte, und Streber Adalbert. Jenseits des Rheins war der Film von Regisseur Laurent Tirard mit mehr als 5,5 Millionen Besuchern einer der erfolgreichsten französischen Filme des vergangenen Jahres.

Eigenständige Handlung

 Die Produktion beruht auf den Lausbubengeschichten rund um den "Petit Nicolas" aus der Feder von "Asterix"- und "Lucky Luke"-Erfinder René Goscinny und Zeichner Jean-Jacques Sempé. Das Duo veröffentlichte zwischen 1959 und 1965 etwa 160 Geschichten des vorwitzigen Raufboldes, der im Deutschen zum "Kleinen Nick" wurde. Die Bände wurden über zwölf Millionen Mal verkauft. Vor wenigen Jahren erschienen weitere Geschichten, die die Tochter von René Goscinny im Nachlass ihres Vaters entdeckt hatte.

Der Film orientiert sich an den Anekdoten um den "Kleinen Nick", erfindet aber eine eigene Handlung: Nick (gespielt von Maxime Godart) lebt ein "prima Leben", wie er den Zuschauer schon gleich zu Beginn wissen lässt: Er hat Eltern, die ihn lieben, Kameraden, mit denen er einen Streich nach dem anderen ausheckt, in der Schule wenig Schwierigkeiten und eine Klassenlehrerin, die ihren Schülern viele ihrer Dummheiten nachsieht.

Perfekte Besetzung

 Doch eines Tages belauscht Nick seine Eltern und reimt sich zusammen, dass seine Mutter schwanger ist und er ein Brüderchen bekommen wird. Dieser Gedanke lässt ihn fortan nicht mehr los, denn er fürchtet, dasselbe Schicksal zu erleiden wie der kleine Däumling aus dem Märchen: dass ihn seine Eltern im Wald aussetzen. Wie er versucht, dies zu verhindern und die Liebe seiner Eltern "wiederzugewinnen", darum dreht sich der Film.

Die Besetzung der Eltern ist perfekt: Nicks Vater wird von Kad Merad gespielt, der in "Willkommen bei den Sch'tis" der Postbeamte Philippe Abrams war. Valérie Lemercier (bekannt aus "Ein perfekter Platz") ist Nicks Mutter. Sie, liebevoll als Mutter, aber gelangweilt vom Leben als Hausfrau. Er, autoritär, aber hoffnungslos überfordert mit Job, Familie und vor allem seinem Chef. Die Haushaltsszenen und ein minutiös vorbereitetes und doch katastrophales Abendessen für den Chef sind grandios.

Doch genau da wird auch das Problem des Films deutlich: Denn in vielen Szenen spielt Titelheld Nick gar keine Rolle, manchmal ist er nicht einmal anwesend. Er wird schlicht nicht gebraucht. Das wäre in den Büchern unmöglich, dort ist er der Erzähler, aus dessen Perspektive der Leser die Geschichte erlebt.

Schade ist auch, dass der "Kleine Nick" anders als in den Büchern von René Goscinny und Sempé viel zu brav ist. Das beginnt bei den allzu akurat gekämmten Haaren und endet nicht bei der fehlenden vorwitzigen Stupsnase.

Artige Synchronstimmen

Darüber hinaus klingt die deutsche Synchronstimme noch artiger als die französische Originalstimme. So verlässt man das Kino, das man mit Hochstimmung betreten hatte, mit gemischten Gefühlen: Einerseits hat man eine charmante französischen Komödie gesehen, andererseits hatte der Film mit dem "Kleinen Nick" aus den Büchern wenig zu tun. Zu Hause kramt man zuerst einmal die alten Geschichten wieder hervor, um wahrhaftig in Kindheitserinnerungen einzutauchen und die eigene Fantasie spielen zu lassen.

Auch Sempé schien gemischte Gefühle zu haben, nachdem er den Film gesehen hatte. In einem Interview jedenfalls sagte er: "Ich habe mir den Film sehr gerne angeschaut." Und er fügte kurz darauf hinzu: "Der Versuch, die Bücher und den Film miteinander zu vergleichen, wäre doch einfach unnütz."

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Federn, Pailletten und wehende Röcke

Karneval der Kulturen

Federn, Pailletten und wehende Röcke

Wenn in Berlin Karneval der Kulturen ist, ist der Stadtteil Kreuzberg vor Federn, Pailletten und Röcken noch bunter als sonst. mehr 

Ein Bild Amerikas zum Fürchten

"Die weiße Wut" - das Buch zur Tea Party

Ein Bild Amerikas zum Fürchten

Die Journalistin Eva C. Schweitzer hat sich intensiv mit Amerikas Neuer Rechter, der Tea Party auseinandergesetzt. mehr 

mehr Kultur
Aus der Region

"Die weiße Wut" - das Buch zur Tea Party

Ein Bild Amerikas zum Fürchten

Politische Punktevergabe beim Eurovision Song Contest

Anke Engelke: "Europa beobachtet Dich"

Eurovision Song Contest in Baku

Das sagt das Netz zum ESC

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Gefangen im Monster-Stau von Peking

In Chinas Hauptstadt gibt es nicht nur viele Menschen, sondern auch ziemlich viele Autos. Kein Wunder also, dass es dort immer wieder zu ... mehr 

Mehr Nachrichten aus Kultur Film
Film Review Men In Black 3

Dritter Teil im Kino

"Men in Black" sind wieder in Form

Im dritten Teil der erfolgreichen Actionfilm-Serie gehen die Helden Will Smith und Tommy Lee Jones auf Zeitreise. Die Kampfszenen sind irrwitzig wie eh und je, diesmal dürfen die Hauptfiguren aber auch richtige Charaktere werden. Eine gelungene ... VON SEBASTIAN SCHERER  mehr

 
 

"Moonrise Kingdom" neu im Kino

Wo die Neurosen blühen

 

Internationale Filmfestspiele in Cannes

Drei starke Frauen, eine schwache Hose

 

Internationale Filmfestspiele in Cannes

Das doppelte Brad Pittchen

 
Top-Services
Möbel aus Turngeräten
Möbel aus Turngeräten
Die Möbel der Firma "Zur schönen Linde" sind .. mehr 
 
Möbel aus Turngeräten
Möbel aus Turngeräten
Die Möbel der Firma "Zur schönen Linde" sind ..
mehr 
Karneval der Kulturen in Berlin
Karneval der Kulturen in Berlin
Wenn Berlin zum Karneval der Kulturen lädt ..
mehr 
Roman Lob überzeugt mit schlichten Gesten
Roman Lob überzeugt mit schlichten Gesten
Wie schon Lena vor ihm überzeugte Roman Lob ..
mehr 
ESC 2012: Die zauberhaften Momente der Künstler
ESC 2012: Die zauberhaften Momente der Künstler
Der Eurovision Song Contest 2012 wurde von den ..
mehr 
Eindrücke vom Wave-Gotik-Festival in Leipzig
Eindrücke vom Wave-Gotik-Festival in Leipzig
Das Wave-Gotik-Festival in Leipzig ist ein ..
mehr 
ESC 2012: Lenas seltsames Outfit
ESC 2012: Lenas seltsames Outfit
Beim zweiten Halbfinale des Eurovision Song ..
mehr 
ESC 2012 in Baku: Das sind die Platzierungen
ESC 2012 in Baku: Das sind die Platzierungen
Schweden darf den Eurovision Song Contest 2013 ..
mehr