Rod Luries Polit-Drama "Rufmord - Jenseits der Moral": Der Präsident ist immer wieder der Beste
zuletzt aktualisiert: 24.06.2002 - 09:52Frankfurt/Main (rpo). Auf dem amerikanischen Markt erlitt der Film "Rufmord - Jenseits der Moral" mächtig Schiffbruch. Jetzt versuchen es die Verleiher in Deutschland, der Erfolg dürfte wohl gering bleiben.
Das am 27. Juni in den deutschen Kinos startende Polit-Drama ist ein Machwerk, dessen Unglaubwürdigkeit dem US-Publikum völlig zu Recht bitter aufstieß. Es ist mehr als unverständlich, ja sogar eine Frechheit von der verantwortlichen Verleihfirma, mit diesem Ladenhüter nun auf dem deutschen Markt doch noch einige Exporterlöse erzielen zu wollen.
Rod Lurie, der das Drehbuch schrieb und auch inszenierte, erzählt in dem Film die Geschichte der Senatorin Laine Hanson, die nach dem Tod des amerikanischen Vizepräsidenten dessen Nachfolgerin werden soll. Das jedenfalls ist der Wunsch von Jackson Evans, dem vitalen Machthaber im Weißen Haus. Hanson ist eine ehrgeizige Frau, die entschlossen ist, ihre große Chance wahrzunehmen. Aber die Demokratin hat einen mächtigen Feind: den erzkonservativen Republikaner Shelly Runyon. Dieser ist entschlossen, den Aufstieg der Senatorin ins Zentrum der Macht auch mit schmutzigen Mitteln zu verhindern.
Also tauchen bald obszöne Fotos auf, die eine junge Frau beim Sex mit zwei Männern zeigen. Angeblich soll es sich bei der Frau um Laine Hanson in längst vergangenen College-Tagen handeln. Die Politikerin reagiert angewidert und will aus prinzipiellen Erwägungen keine Stellung zu den bösartigen Beschuldigungen nehmen. Das stößt nicht bei allen auf Verständnis, wohl aber bei Evans, dem Hansons Haltung imponiert. Jeff Bridges spielt dabei einen Präsidenten aus dem Bilderbuch medialer Wunschvorstellungen: attraktiv, entschlossen, redegewandt und mit allen Raffinements des Politikgeschäfts bestens vertraut.
Bei der öffentlichen Anhörung zur Kandidatenprüfung muss sich die Senatorin der Attacken des Vorsitzenden Runyon erwehren, der nichts unversucht lässt, Hanson ins Zwielicht zu rücken und als ungeeignet für das hohe Amt erscheinen zu lassen. Es wird jede Menge schmutzige Wäsche gewaschen, und schließlich sieht alles nach einem resignierenden Verzicht Hansons auf das Amt an der Seite von Evans aus. Doch der Präsident hat noch Trümpfe in der Tasche, die er im Finale eiskalt ausspielt...
Hollywood verfährt in den letzten Jahren gerne nach der Methode: Ist auch der real existierende Präsident mal moralisch, mal intellektuell nicht so wie gewünscht, dann ist das verschmerzbar, weil man jede Menge Super-Präsidenten auf die Leinwände der Welt zaubern kann. Auch die Figur der Senatorin Laine Hanson wirkt ziemlich konstruiert und idealisiert. Aber im Gegensatz zu dem schauspielerisch limitierten Bridges wird diese Rolle von Joan Allen, einer der herausragenden amerikanischen Darstellerinnen verkörpert.
Allen gibt dieser smarten Politikerin durchaus Tiefe und Verletzlichkeit, die Oscar-Nominierung dafür war verdient. Gary Oldman fühlt sich zwar in der Rolle des Fieslings und Hanson-Gegenspielers Runyon sichtlich wohl, kann aber die Klischeehaftigkeit dieses Charakters auch nicht wegspielen. Es gibt kaum Grund für das deutsche Publikum, für diesen Film eines sich selbst als "politiksüchtig" bezeichnenden Regisseurs und sein "White House"-Märchen Eintrittsgeld zu investieren.
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