Kino-Kritik: Der Rosarote Panther: Schön blöd!
zuletzt aktualisiert: 06.03.2006 - 12:03Wer sich im Job allzu doof anstellt, der fliegt entweder raus oder wird - wenn nicht anders möglich - weggelobt. Das ist bei trotteligen Polizisten nicht anders, und so muss Inspektor Clouseau in die Provinz, um einen angeblich immens wichtigen Fall aufzuklären. Ein Fussballtrainer ist entführt und ein rosa Riesendiamant gestohlen worden, also heißt es eingreifen, und zwar schnell. Dass dabei einiges schief geht, dürfte klar sein...
Clouseaus Beförderer, Chefinspektor Dreyfuss, will mit dem erwarteten Scheitern des unterbelichteten Flics insgeheim seine eigene Karriere vorantreiben und endlich die Ehrenmedaille erringen. Keine Frage, wer sich am Schluss den Orden anstecken darf im Remake von "Der rosarote Panther", das am 9. März anläuft. Doch abgesehen vom Grundmuster - avanti dilettanti - erinnert wenig an den Komödienklassiker von Blake Edwards; Steve Martin versucht erst gar nicht, in die Fußstapfen seines berühmten Vorgängers Peter Sellers zu treten. Er produziert stattdessen, was er am besten kann: Klamauk, bei dem man sich oft köstlich unter Niveau amüsiert. Der Komiker, der sich zuletzt im Remake von "Im Dutzend billiger" zum faden Hampelmann machte, darf als wandelnde gallische Katastrophe endlich wieder saftiges Chaos stiften.
Unterstützt wird er dabei von Jean Reno als unerschütterlicher Assistent, der bei Clouseaus Tollpatschigkeit keine Miene verzieht, und von Emily Mortimer ("Match Point") als niedlicher Sekretärin, die dem Flic - wir sind in Frankreich - als erstes einen schicken neuen Anzug anpasst. Überhaupt ist es leidlich amüsant, Europäisches aus amerikanischer Perspektive zu erleben: Frankreichs heißgeliebte Fußballequipe, "les Bleus", treten pathetisch wie Baseball-Gladiatoren in der Arena auf; als Running Gag dienen Tour-de-France-Radler, die von den aufschlagenden Türen von Clouseaus Smart aufs Trottoir geschleudert werden.
Hinterfotzige Ideen
Der Gipfel interkultureller Hinterfotzigkeit ist erreicht, wenn der Flic aus der Feinschmeckernation sich nach New York verirrt und beim Biss in einen Hamburger in Ekstase gerät - was auch noch zu einer entscheidenden Handlungspointe führt. Apropos Fleischklops: Da Clouseau absurderweise englisch mit französischem Akzent spricht, ist der größte Spaß dieser Komödie, die Filmkritiker in Pressevorführungen in der Originalversion hören, zugleich sein größtes Problem. Denn es ist schwer vorstellbar, wie etwa Steve Martins herrlich alberne "'ämbörgäär"-Lautverrenkungen während seines Amerikanisch-Sprachunterrichts deutsch synchronisiert werden können.
Peter Sellers dreht sich im Grabe um
Falls es einem also nicht gelingt, die Originalversion mit ihren dezent zotigen Missverständnissen rund um "lööv" ("love") zu sehen, bleibt eine Slapstickparade übrig, deren Nummern meist von weitem vorhersehbar und mal mehr, mal weniger geglückt sind. So wird Kevin Kline als intrigant-eitler Chef vom unschuldigen Clouseau mit eher müden handgreiflichen Slapstick gepiesackt. Andererseits ist der Moment, in dem der gockelhafte Flic auf der Suche nach einer Viagra-Tablette innerhalb kürzester Zeit ein Luxusbad zerlegt, von einer so unwiderstehlich konsequenten Hysterie, das man Szenenapplaus spenden möchte.
Als Hingucker für ein junges Publikum dienen die Sängerin Beyoncé Knowles als Clouseaus Objekt der Anbetung sowie der einstige James-Bond-Kandidat Clive Owen, der einen Kurzauftritt als Agent 006 hat. Abgerundet wird das familienfreundliche und letztlich altbackene Kasperletheater von gelegentlichen kindischen Flatulenzen des clownesken Flics, bei denen sich Sellers sicher im Grabe umdrehen würde. Die eigentlich Zielgruppe wird den alten "Panther" aber sowieso nicht kennen. Und wer ihn kennt, sollte ihn hier schnell vergessen - dann sind Lacher garantiert.
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