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"Der Vollposten"
Kleiner Beamter auf großer Fahrt

"Der Vollposten" ist der erfolgreichste Film der italienischen Kinogeschichte. Von Renée Wieder

Man sollte Checco wirklich nicht gern haben, aber sein Narzissmus ist irgendwie ansteckend. Seit er ein kleiner Bengel war, stand für Checco fest, dass er Provinzbeamter werden wollte wie sein Vater. Kein Beruf ist idealer: fast nie Arbeit, ein schönes Büro und sicheres Einkommen, Sicherheit vor Kündigung, jede Menge Schmiergelder und nette Bestechungsgeschenke von duldsamen Landwirten.

Eines Tages bricht die nie erwartete Katastrophe ein in Checcos Paradies: eine Verwaltungsreform. Die zuständige Offizielle (Sonia Bergamasco) will ihn als einzigen ledigen, kinderlosen und körperlich gesunden Beamten der Abteilung loswerden. Als Checco nicht unterschreibt, versetzt sie ihn an die entlegensten Außenposten der Erde, um ihn zu zermürben. Doch Checco gibt seinen kostbaren Beamtenstatus nicht her. Nicht am Nordpol, wo er sich in die Umweltschützerin Valerie (Eleonora Giovanardi) verliebt. Nicht an der norwegischen Küste, wo die Männer ihre Kinder miterziehen müssen und an Ampeln nicht gehupt wird. Nicht mal in der afrikanischen Savanne, gestrandet unter Kannibalen.

In Italien hat "Der Vollposten" einen vibrierenden Nerv getroffen: Kein Film war dort je erfolgreicher, mehr als zehn Millionen Kinogänger wollten sehen, wie ihnen Checco zwischen Bürokratie und Korruption sein Dolce Vita demonstriert. Dass Regisseur Gennaro Nunziante eher auf grobe Impulse setzt, zeigt schon, dass Italiens Starkomiker und Co-Autor Checco Zalone unter seinem eigenen Namen spielen darf. In der deutschen Fassung von Bastian Pastewka gesprochen, brilliert Zalone als schleimiger und doch kurios liebenswerter Macho, eine tränentreibend komische Figur irgendwo zwischen Adriano Celentano und Al Bano Power.

Zalone schrammt die Grenze zum Grotesken, schiebt aber immer rechtzeitig eine menschliche Regung ein, wenn der Humor gar zu vulgär wird. Unterdessen hagelt es brachialen Spott auf alles und jeden: Kein Italien-Klischee wird ausgelassen, aber auch der skandinavische Winter oder die Hungerhilfe in Afrika sind mal dran. Als dankbarstes Opfer allerdings erweist sich das politische und wirtschaftliche Italien Silvio Berlusconis. Der Boden, auf dem Männer wie Checco über Jahrzehnte so wunderbar gedeihen konnten.

Der Vollposten, Italien 2016, Regie: Gennaro Nunziante, mit Checco Zalone, Eleonora Giovanardi, Sonia Bergamasco, 86 Minuten

Quelle: RP
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