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päpstin panorama constantin nur mit film
  Foto: Constantin
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Bestsellerverfilmung "Die Päpstin": Die Frau auf den Papst-Stuhl

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 22.10.2009 - 08:48

(RP). Sönke Wortmann hat "Die Päpstin" von Donna W. Cross verfilmt. Zum Glück macht er daraus kein Skandalstück, sondern konzentriert sich auf die Emanzipationsgeschichte einer mutigen Frau. Allerdings spult er so nüchtern durch die Handlung, dass der Film kaum unter die Haut geht.

Die kleine Johanna ergreift ihre Chance: Als eines Tages der Leiter der Mainzer Domschule in ihrem Dorf auftaucht – in weißem Gewand mit weißem Bart, eine Lichtgestalt im Morast zwischen den versumpften Hütten – da schnappt sich das Mädchen mit den dicken Zöpfen die Bibel, liest flüssig den lateinischen Text und weiß ihn dann auch noch zu deuten. Das ist ihr Eintritt in ein neues Leben. Der Gelehrte nimmt sich des Mädchens an, Johanna saugt Wissen auf wie ein Zwieback die Milch. Und als sie erst klug genug ist, will sie auch etwas anfangen mit diesem Wissen, will gestalten, die Welt verändern.

Eine Frau gegen die Männerwelt

Dieses Recht ist im 9. Jahrhundert jedoch einer Gruppe vorbehalten: Männern. Darum schneidet sich Johanna eines verzweifelten Tages die Zöpfe ab, tritt an Stelle ihres Bruders in ein Kloster ein und beginnt eine Kirchenkarriere, die auch vor dem höchsten Amt nicht haltmacht. Nach vielen Schicksalswenden ist Johanna Papst.

Die Legende, nach der es eine Frau im frühen Mittelalter auf den Papststuhl geschafft haben soll, bietet die wichtigsten Voraussetzungen, um zu überdauern: Sie ist halb märchenhaft, halb skandalös. Kein Wunder also, dass sich Bestseller-Autorin Donna Woolfolk Cross den Stoff 1996 vorgenommen und daraus einen unterhaltsamen Schmöker gemacht hat, der sich bestens verkaufte. Nun folgt der Film, und auch der muss natürlich raunen, dass womöglich etwas dran sei an der Legende vom weiblichen Papst. Dafür hat Regisseur Sönke Wortmann die Geschichte in eine Rahmenhandlung gebettet, die nahelegt, dass Johanna aus den Geschichtsbüchern getilgt wurde. Damit sind alle Einwände der Kirchenhistoriker fortgewischt, die Pforten ins Reich der Fantasie geöffnet.

Geschlechterkampf im 9. Jahrhundert

Wer sie durchschreiten will und sich zumindest einen Spielfilm lang auf die Legende einlässt, erlebt bei Sönke Wortmann zum Glück kein krawalliges Kirchen-Skandalstück, sondern eine straff erzählte Emanzipationsgeschichte. Wortmann konzentriert sich darauf, den Weg einer Frau zu zeigen, die sich selbstbestimmt entfalten will und daran auch festhält, als sie erkennt, was sie der Ausbruch aus dem Rollenmuster ihrer Zeit kosten wird. So lässt mancher Dialog, in dem Johanna sich für ihren Lerneifer rechtfertigen muss, an heutige Systeme denken, in denen Frauen unterdrückt werden, weil Männer die Macht, die Wissen oft ist, nicht teilen wollen.

Obwohl Wortmann alles daransetzt, in eine sehr ferne Epoche zu entführen, uns etwa vor Augen führt, wie primitiv, ja dreckig das Leben im 9. Jahrhundert war, ist seine Geschichte also doch eine aktuelle. Zwar sind solche Bezüge zwischen dem sehr fernen Gestern und dem Heute auch bedenklich, weil wir wenig wissen über das frühe Mittelalter und Vorstellungen in die Vergangenheit projizieren, die den damaligen Umständen nicht entsprechen. Doch Geschichte wird immer auch durch den Vergleich spannend, und Sönke Wortmann gelingt der Spagat: Sein Film macht das Frühe Mittelalter lebendig, untersucht in der Historie Fragen von heute und vermittelt zugleich ein Gefühl der Fremdheit, ja der Befremdung über die Verhältnisse damals. So wird der Zuschauer zum sensiblen Detektor gesellschaftlicher Entwicklungen in allen Lebensbereichen von der Medizin über die Kindererziehung bis zur Kriegsführung. Zwar bedient Wortmann manches Klischee, etwa mit seiner Darstellung eines Gelages beim Bischof, der natürlich eine Dirne auf dem Schoß sitzen hat. Solche Szenen hat man schon zu oft gesehen. Doch zusammen mit seinem Kameramann Tom Fährmann gelingen ihm auch originelle Momente, etwa wenn Johannas erste Liebesnacht im Wasser beginnt. Auch ihr Hinaustreten als Papst vor das römische Volk ist schlicht, aber imposant als Spiel von Licht und Schatten von oben gefilmt.

Wortmann weiß, wie man Geschichten erzählt

Außerdem ist Wortmann ein souveräner Erzähler, der weiß, wann er die Geschichte vorantreiben muss, damit auch dicke Romane auf der Leinwand ein Ende finden. Manchmal wirkt das zu sehr nach abarbeiten, nüchtern Szene um Szene. Und manchmal steht dann auch aus dem Nichts ein Pferd zur Flucht bereit, oder ein Kahn bringt die todkranke Heldin steuerlos ans rechte Ufer. Doch das ist das Vorrecht der Legende. Allerdings schwächelt der Film gegen Ende, als er aus der rustikalen, auch brutalen Jugendwelt der Johanna in das dekadente Rom führt. Das mag auch an der Hauptdarstellerin liegen: Johanna Wokalek ist überzeugend als ernster Ordensbruder, der Kräutlein mixt und eitrige Wunden heilt, doch die Liebesgeschichte, die etwas eilig kurz vor Schluss aufflammt, spielt sie mit zu wenig Leidenschaft, und auch in der Papstrolle wirkt sie seltsam dürr, nicht etwa zu weiblich, sondern zu knabenhaft. Dies fällt umso mehr auf, als der füllige John Goodman zuvor überaus lustvoll, fast klamaukig jenen volkstümlichen, bauernschlauen Oberhirten spielt, der Johanna im Papstamt vorangeht.

Auch das tragische Ende der Frau im höchsten Kirchenamt ist dann mehr notwendiger Ausweg als ergreifendes Finale. Trotzdem beweist Wortmann mit seiner bislang teuersten Produktion, dass er auch Filme, die von Ausstattung und Kostüm leben, geschmackvoll inszenieren kann. Wortmann ist ein Profi – fast schon zu sehr.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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