Dominik Grafs "Der Felsen" kommt ins Kino: Die Frau und der Junge - verloren auf Korsika
zuletzt aktualisiert: 22.07.2002 - 09:10Frankfurt/Main (rpo). Stoff für Diskussionen bietet Dominik Grafs neues Werk "Der Felsen", der am 25. Juli in die Kinos kommt. Als er im Februar auf der Berlinale gezeigt wurde, gingen die Meinungen von Kritikern und Publikum weit auseinander. Für die einen war die Geschichte um die Mittdreißigerin Katrin ein kleines Meisterwerk, für andere hingegen nur eine mangelhafte Billigproduktion.
Übereinstimmung herrschte allerdings über die außergewöhnliche Leistung von Karoline Eichhorn. Die 37-jährige Schauspielerin gestaltete die Rolle dieser Katrin mit vollem Einsatz ihres Körpers und Talents zu einem der bewegendsten, intensivsten Frauenporträts im deutschen Kino dieser Jahre. Vergleichbares war nur von Hannelore Elsner in Oskar Roehlers Drama "Die Unberührbare" zu sehen. Ohne Eichhorn wäre dieser Film, den Graf selbst als "Experiment" bezeichnet, nicht vorstellbar.
Denn die gebürtige Stuttgarterin gibt der von Symbolismen und teutonischem Tiefgang manchmal überfrachteten Handlung die menschliche Figur, deren Schutzlosigkeit und Offenheit anrührt. Die von Eichhorn verkörperte Hauptfigur Katrin verlebt mit ihrem verheirateten Geliebten Jürgen, der zugleich ihr Arbeitgeber ist, einige Tage auf Korsika. Doch Jürgen beendet ausgerechnet dort abrupt die lange Beziehung, er will heim zu seiner schwangeren Frau. Für Katrin bricht eine Welt zusammen, ihre Existenz gerät ins Taumeln. Sie lässt sich treiben.
In dieser Situation lernt sie nach einigen Erlebnissen den noch minderjährigen Malte kennen. Der ist mit seinem kleinen Bruder in einem Resozialisierungscamp für kriminelle Jugendliche auf der Insel. Die Begegnung zwischen Katrin und Malte gerät schicksalhaft. Denn die junge Frau hat ihre Orientierung verloren, der Junge konnte nie eine gewinnen. Für kurze Zeit klammern sie sich aneinander. Es ist ein ungleiches Paar, und natürlich ist es zum Scheitern verurteilt. Tragische Wendungen bringt der letzte Teil des Films, der konsequent die wildromantische Schroffheit Korsikas in sein dramaturgisches Konzept einbezieht.
Graf, der das Drehbuch zusammen mit Markus Busch verfasst hat, zeigt mit "Der Felsen" einen Film, der so ungeschminkt wirkt wie das Gesicht von Karoline Eichhorn. Leider hat der Regisseur nicht darauf verzichtet, mit belehrenden Stimmen aus dem Off und der zu schwülstigen Musik von Dieter Schleip dem ohnehin dramatischen Geschehen eine Überportion teutonischen Schwersinns zu verpassen. Die für manchen Geschmack zu rohe, unruhige, ja geradezu unsicher wirkende Kameraführung von Benedict Neuenfels gibt dem Film indes genau die Optik, die der Handlung angemessen ist.
"Der Felsen" ist kein Streifen, der viel Geld einspielen wird. Aber es sind solche Arbeiten, die der deutsche Film dringender braucht als die kommerziell manchmal erfolgreichen, doch künstlerisch wertlosen Hollywood-Imitationen made in Germany. Mit dem Einsatz der problemlos zu handhabenden Digital-Kamera haben auch Produktionen ohne große Etats neue Möglichkeiten. Dominik Graf und Karoline Eichhorn zeigen in "Der Felsen", wie sie genutzt werden können, ja genutzt werden müssen.
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