Film-Kritik: Die Hochzeits-Crasher: Quatsch mit Torte
zuletzt aktualisiert: 11.07.2005 - 11:39Wo flirtet es sich am besten? John und Jeremy wissen das genau: auf Hochzeiten! Denn wo so hemmungslos vor Glück geweint, fürs Leben geschworen und hochtrabend geredet wird, sind nette Single-Mädels ebenfalls ziemlich aufgeschlossen für eventuelle Beziehung Modell "spätere Heirat nicht ausgeschlossen"...
Und genau deshalb schleichen sich auch uneingeladen immer wieder auf Hochzeitsgesellschaften, auf denen attraktive Mädels reich an Zahl in bester Stimmung anzutreffen sind. Was dann so alles geschehen kann, zeigt die US-Komödie "Die Hochzeits-Crasher" ab dem 14. Juli in den deutschen Kinos. David Dobkin hat den Film nach dem Drehbuch von Steve Faber und Bob Fischer gedreht, die Besetzung der Hauptrollen weist einige bekannte Namen auf: Blondschopf Owen Wilson verkörpert John, der Hüne Vince Vaughn agiert als Jeremy. In weiteren Partien sind Christopher Walken als US-Finanzminister Cleary und die noch immer schöne Jane Seymour als dessen Ehefrau zu sehen. Das elegante Paar feiert im großen Stil die Hochzeit der ältesten Tochter.
Deren jüngere Schwestern Claire und Gloria fungieren als Brautjungfern - für das notorische Aufreißer-Duo eigentlich die idealen "Opfer". Doch die beiden äußerlich sehr unterschiedlichen jungen Damen haben ihren eigenen Willen. Zwar lassen sie sich programmgemäß mit den "Hochzeits-Crashern" ein. Und Gloria bringt zu ihrer großen Begeisterung Jeremy noch während der Feier dazu, sie endlich zu entjungfern. Aber danach nervt sie ihren drei Kopf größeren Liebhaber gewaltig. Die bildhübsche und kokette Claire, verkörpert von der hübschen und begabten Kanadierin Rachel McAdams, verdreht hingegen John nach allen Regeln weiblicher Kunst den Kopf.
Machoseligkeit ohne Charme und Esprit
Deshalb kommt John in Konflikt mit den festen Regeln, die er und Kumpel Jeremy bei ihren erotischen Raubzügen vereinbart haben. Die härteste Herausforderung wird für die Freunde aber die Einladung des Cleary-Clans zu einem gemeinsamen langen Wochenende auf dem prächtigen Anwesen der reichen Politikerfamilie. Dort warten noch einige Turbulenzen und verrückte Situationen. Es mag sein, dass Billy Wilder oder Blake Edwards aus diesem Handlungsgerüst eine hinreißende Komödie mit brillanten Gags gemacht hätte. Aber weder der Regisseur noch die Drehbuchautoren haben auch nur annähernd das Können dieser Komödienmeister.
Deshalb werden dem Zuschauer einmal mehr Klamauk und Sprüche statt Komik und Dialogwitz geboten. Und niemand braucht Feminist zu sein, um ob der teilweise peinlich machoseligen Tendenz des Films erhebliches Unbehagen zu verspüren. Ist es wirklich so simpel, amerikanische Jungfrauen ins Bett zu bekommen, wie es im Anfangsteil bis zum Überdruss demonstriert wird? Und ob die beiden Schwatztüten John & Jeremy dafür garantieren, darf auch noch füglich bezweifelt werden. Es ist schade, dass sich renommierte Schauspieler wie Walken und Seymour für einen solch schalen Streifen ohne Charme und Esprit hergeben. Es ist im Kino wie bei Hochzeiten: Nicht jeder Einladung muss gefolgt werden.
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