Die Kühe sind los: Disneys letztes Geschenk
zuletzt aktualisiert: 30.08.2004 - 11:57Niedliche Kuhaugen nützen den meisten Rindviechern im Wilden Westen nichts, sie werden trotzdem geschlachtet. In Walt Disneys letztem gezeichnetem Trickfilm "Die Kühe sind los" wehren sich die Tiere unter Führung von Milchkuh Maggie auf ihre Art.
Die preisgekrönte Kuh-Dame ist gerade so dem Viehdieb Alameda Slim entwischt, der ihren früheren Besitzer in den Ruin getrieben hat. Bei ihrer neuen Besitzerin Pearl scheint die Kuh den Himmel auf Erden gefunden zu haben: Denn die nette Alte weigert sich, ihre Tiere zum Metzger zu schicken. Als Pearl wegen Bankschulden die Zwangsversteigerung droht, hat Maggie eine super Idee. Sie überredet zwei Stallgenossinnen, mit ihr zusammen auf die Jagd nach dem Viehdieb zu gehen, um mit der Belohnung Pearls Kuschelfarm zu retten. Dabei geraten die drei zänkischen Rindviecher allerdings einem professionellen Kopfgeldjäger in die Quere.
Eine ziemlich verdrehte Geschichte haben sich die Filmemacher für diesen nun offiziell letzten handgezeichneten Disney-Zeichentrickfilm ausgedacht. Und doch ist sie nicht prickelnd genug, um in einem Genre mitzuhalten, dessen Maßstäbe inzwischen von 3-D-Animationsfilmen wie "Shrek" und "Findet Nemo" gesetzt werden. Es scheint fast, als hätten die Produzenten willentlich den Befürwortern der Computeranimation in die Hände gearbeitet: Weder optisch noch inhaltlich ist dieser liebenswürdig altbackene Zeichentrickfilm auf der Höhe der Zeit, kann darüber hinaus aber auch nicht an die alten Zeichentrickerfolge der Disney-Company anknüpfen.
Hella von Sinnen gibt Kuh-Mackerin die Stimme
Zackig-spitzwinklige Figuren ohne die sorgfältigen Details klassischer Disney-Zeichenkunst galoppieren durch eine Prärie, die zwar schön bunt ist, aber die nuancierten Farbschwelgereien einstiger Filme nurmehr erahnen lässt. Die Country-Musik dieses Kuh-Musicals hört sich in der von Corinna May eingedeutschen Version allzu süßlich an. Und bizarre Ausreißer wie eine psychedelische Jodel-Arie, mit der Alameda Slim Kühe hypnotisiert, zeigen eher, wie viel verschenktes Potenzial in dem Film steckt.
Zum Wilden Westen fiel Disney nicht mehr ein als Saloons, Minen und steckbrieflich gesuchte Bösewichter, ein paar lahme Anspielungen auf Cowboy-Filme und eine Hand voll etwas angegammelte Witze: Vielleicht dauert der Film deshalb nur 77 Minuten und wirkt keinesfalls zu kurz.
Besser gelungen sind die drei unentwegt herumzickenden Kühe, bei deren Synchronisierung dieses eine Mal die deutschen Stimmen der ursprünglichen Version mehr Schwung verleihen können: Maggie, die extrovertierte Kuh-Mackerin mit großem Euter und großer Klappe, die allen Farmtieren das Rülpsen beibringt, wird von Hella von Sinnens Stimme noch munterer gemacht.
Dann gibt es Grace, ein esoterisch bewegtes, und Mrs. Caloway, ein zimperlich-ehrpusseliges Rindvieh, gesprochen von Marie Bäumer beziehungsweise Christiane Hörbiger. Auch überraschen zwei galante Stiere, von den Klitschko-Brüdern mit einem urkomischen spanisch-russischen Akzent gesprochen werden.
Das sprechende Tierpersonal, zu dem noch weiteres schrulliges Farmgetier und ein Präriehase gehören, verdient das Prädikat "ganz nett" und transportiert die üblichen Disney-Lektionen über Freundschaft und Familie - ein Stallgeruch, der allerdings seit Disneys ironischen Epigonen etwas abgestanden müffelt. Und wo die Trickfilm-Konkurrenz inzwischen auch ältere Zuschauer locken kann, so ist dieser Zeichentrickfilm klar für jüngere Kinder bestimmt. Als Abschluss einer Ära fantasievoller Zeichentrickkunst, für die Disney einst stand, ist dieser letzte gezeichnete Film dann doch etwas enttäuschend.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






