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Kino-Kritik: Die Magersucht-Queen

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 04.09.2008 - 10:03

Düsseldorf (RP). Falls uns je die gute Märchenfee erscheinen sollte, versteckt sie ihre Flügel hoffentlich unter einem Regenmantel. Sonst grollt uns reflexhaft der Knurrer „Verschwinde“ aus der Kehle, womit der erste dummerweise gleich der letzte Wunsch wäre. Schuld daran hätte der im schlichtesten Fernost-Fließband- Look gehaltene Animationsfilm „Winx Club – Das Geheimnis des verlorenen Königreichs“, der eine moderne Feentruppe zeigt: weberknechtbeinige Girlies, die Flügel tragen, Zauberkräfte besitzen und mit Hightech hantieren.

Szene aus "Winx-Club".  Foto: ddp
Szene aus "Winx-Club". Foto: ddp

Nun sind diese Schwirrgören nicht fürs Kino erfunden worden. Die italienisch-amerikanische TV-Serie „Winx Club“ hat seit 2003 weltweit das Kinderfernsehen erobert. Insgesamt sollen 130 Fernsehsender die Folgen ausstrahlen, es gibt begleitende Comicserien, Magazine, Spiele und Tonnen lizenzierten Schnickschnacks.

Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass ein bisschen Feenbegeisterung die elektronischen Poesiealben der Mädels von heute füllt. Was aber schon an der Fernsehserie irritiert, ist das aggressive Styling-Ideal, das die Songzeile „Ich fühle mich wunderschön und schlank“ auf den Punkt bringt. Jugendschützer klagen die Modeindustrie an, mit ihren Models Magersuchtwahn in empfängliche Kinderseelen zu impfen. In „Winx Club“ fänden sie weit gefährlichere Propagandistinnen der Unterernährung.

Realen Models sieht man im richtigen Licht das Mörderische des Junkie-Schicks an. Die wie geklont wirkenden Winx-Club-Feen sind dagegen immer fröhlich.

Der von Igino Straffi inszenierte Kinofilm aber ist besonders charmelos, weil er sich gar keine Mühe mehr gibt, die Science-Fiction- Märchenmischung dramaturgisch aufzubereiten, Welt und Figuren zu beschreiben und den Kampf gegen böse Widersacherinnen wenigstens mit ein wenig Hintersinn anzureichern. Hier werden einfach mehr und mehr Bildchen der Stars über den Fans ausgekippt. Das ist Phänomenverwertung, hat mit Erzählen aber nur wenig zu tun.


 
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