Deutsche Klamotte zieht Untote durch Kakao: Die Nacht der lebenden Loser: Blutige Blödelei
zuletzt aktualisiert: 25.10.2004 - 12:58Alberne Späße und dumpfe Blödeleien, die niemandem wirklich weh tun haben sich die deutschen Komödienmacher Mischa Hofmann und Philip Voges ("Die Bademeister", "Feuer, Eis und Dosenbier") auf die Fahnen geschrieben. Auch mit "Die Nacht der lebenden Loser" ist ihnen scheinbar nichts mehr heilig. Kalauer aus der Welt der warten auf die Zuschauer - Geschmacklosigkeit garantiert.
Ein Massenphänomen rechtfertigt schließlich alles. Thema ist das bemitleidenswerte Dasein eines jungen Dreiergespanns: Die Jünglinge sind in jeder Hinsicht Verlierer, werden von den Schönen und Starken ihrer Schule gemobbt, haben keine Chance bei den Mädchen und auch sonst nicht viel zu sagen. Die hübsche Rebecca von nebenan, eine langjährige Sandkastenfreundin des milchgesichtigen Philip, ist das einzige Mädchen, das mit ihnen spricht. Nur leider ist sie zu einer Satans-Anhängerin geworden, die zwar nur schwarze Kleider trägt, okkulte Rezepte sammelt und nicht wirklich den Teufel anbetet, aber für die spießige Clique viel zu sehr Gruftie ist. Erst, als sie während eines Schulreferates von einem mysteriösen Liebeszauber erzählt, wird Philips Interesse geweckt: So könnte er die dralle Uschi zu seiner Liebessklavin machen. Verdient hätte es die bornierte Zicke allemal. Doch bei der Zeremonie auf dem lokalen Friedhof geht etwas schief, und die drei Freunde werden mit der Asche eines haitianischen Untoten bestäubt.
Das merken sie aber erst nach einem ungeschickten Autounfall, der sie das Leben kostet. Sie werden zu Zombies und frönen ab sofort all den Gelüsten, die bisher unmöglich schienen: Sie haben mehr Kraft als alle aufgeblasenen Typen der Schule, mehr Sex-Appeal als Brad Pitt, aber auch unstillbaren Hunger auf Frischfleisch - und das im wörtlichen Sinne.
Regisseur Matthias Dinter, der für das Produzenten-Duo Hofmann/Voges schon zuverlässig bei "Feuer, Eis und Dosenbier" seine Qualitäten als Krawallfilmer unter Beweis stellte, ließ kaum einen Gag aus, der sich mit untoten Teenagern treiben lässt. Herumkullernde Hoden, angetackerte Gliedmaßen und Genitalien, verspeiste (homosexuelle) Sportlehrer: alles dabei. Dabei fehlt Dinters Arbeit die satirische Brillanz eines Films wie "Shaun of the Dead", der bahnbrechenden britischen Erfolgsparodie auf den neuen Zombie-Hype. Denn bis auf die Grundrichtung der Handlung und vereinzelte Sequenzen bleibt "Die Nacht der lebenden Loser" angenehm brav und stellt die drei Protagonisten in den Vordergrund, die frank und frei drauflos quasseln dürfen.
Man muss dem Film indes zugute halten, dass sich das schauspielerische Gespann Tino Mewes als Philip, Manuel Cortez als kiffender Partyhengst und Thomas Schmieder als bebrillter Streber und späterer Rache-Zombie alle Mühe gibt, die Rollen krampflos darzubieten. Und es gelingt: Die Leistung des jungen Ensembles ist ein erfrischend natürliches Spiel, das nur manchmal - Schuld ist das Drehbuch - allzu übertrieben wirkt. Vor allem Thomas Schmieder kann als blutgierige Rachemaschine, die jegliche Demütigung aus seinem leidvollen Schülerleben mit exorbitanter Gewalt zurückzahlt, in der zweiten Filmhälfte kaum überzeugen. VIVA-Moderatorin Collien Fernandes dagegen ist als etwas depressive Gruftie-Rebecca ein echter Aufheller und eine Art ruhender Pol im turbulenten Ablauf der Handlung.
Bis auf einige tatsächlich geschmacklose Szenen ist "Die Nacht der lebenden Loser" also weniger eine Parodie auf die Renaissance von Zombie-Filmen. Vielmehr werden hier all die Teenie-Streifen Hollywoods parodiert, in denen Jason Biggs und andere als liebe, nette Kerle an den Highschools von der Ost- zur Westküste immer das Nachsehen hatten.
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