Feiern gegen den Ernst des Lebens: Die Partykomödie "Old School"
zuletzt aktualisiert: 26.05.2003 - 09:02Frankfurt/Main (rpo). Saufen bis zum Umfallen - in den Studentenclubs in "Old School" gehört das zum guten Ton. Kein Wunder, dass sich der Film eher auf niedrigem Niveau bewegt - dafür aber immerhin gute Darsteller zu bieten hat.
Trau keinem über 30, hieß es einst bei den 68ern, und die Mittdreißiger Mitch, Beanie und Frank beweisen in "Old School" die Wahrheit dieses Spruchs: Dass sie noch mal so schön die Sau raus lassen könnten wie einst in ihrer Jugend, hätte wohl keiner von ihnen vermutet. In "Old School" verwandeln sich die drei, die von Berufen und Beziehungen frustriert sind, im Nu in verantwortungslose Twens zurück.
Mitch, der seine Verlobte beim Organisieren einer Swinger-Party in der gemeinsamen Wohnung erwischt hat, verlässt sie und bezieht ein Haus, das sich zufälligerweise auf dem Uni-Campus befindet. Da das Gebäude jedoch nur für Unizwecke genutzt werden darf, gründen sie flugs eine studentische Verbindung und machen ihren Club zur heißesten Ballermann-Adresse der Stadt. Unablässig propagieren Hollywood-Komödien die Besonderheiten des pubertären amerikanischen Life-Styles, wobei das Spaßhaben weit anstrengender zu sein scheint als das Lernen.
Nach zickigem Cheerleadertum, traumatischen Highschool-Abschlussbällen und neurotischen Beliebtheits-Wettbewerben werden wir nun in die Welt der "Fraternitys" eingeführt - Studentenclubs, die anscheinend eine Lizenz zur Ausschweifung besitzen.
Lang ist's her seit dem biederen Unfug der "Feuerzangenbowle", wo sich Heinz Rühmann einst als gestandener Uni-Absolvent in eine Oberschule einschmuggelte, um seine Jugendzeit noch mal zu erleben. In "Old School" dagegen fallen die Wonnen der Regression weit drastischer aus: Saufen bis zum Umfallen gehört sowieso zum guten Ton - daneben stehen Ringelpiez mit Anfassen, kostümierte Gummipuppen und Wet-Gel-Ringkämpfe barbusiger Damen im Programm.
Und wie so oft in amerikanischen Komödien wächst sich der "Fun" zum Terror aus: Die Spaß-Fundis veranstalten kindisch-anale Mutproben, die den sadomasochistischen Schniedel-Spielchen der MTV-Serie "Jackass" nachempfunden sind. Als Stammtischfantasie darf der Zustrom williger College-Studentinnen gelten, und so gibt es reichlich "Titts & Asses" zu besichtigen - von letzterem allerdings mehr als genug: Die Spezialität dieser Komödie sind Männerhintern.
Dilettantische Inszenierung
Kaum zu glauben, aber einer davon beschert der Komödie eine der wenigen Szenen, die ebenso bizarr wie lustig ist - wenn nämlich Frank, nüchtern ein schüchterner Bär, in trunkenem Zustand zum Flitzer wird. Und unweigerlich von seiner frisch Angetrauten erwischt wird.
Doch selbst wer, vorgewarnt von den Schule machenden Obszönitäten aus "American Pie" und "Road Trip" (ebenfalls von Regisseur Todd Philipps), jeden Niveauanspruch beiseite geschoben hat und es als gegeben hinnimmt, dass Exhibitionisten, Nymphomaninnen, Perverse und gehirnamputierte Alkoholiker den Campus bevölkern, könnte die meiste Zeit verzweifeln. Fast jeder Anflug eines guten Gags wird durch die dilettantische Inszenierung vernichtet: Ohne Sinn für Tempo und Zusammenhang stolpert Regisseur Philipps von einem Flachwitz zum nächsten.
Immerhin sind der Komiker Will Ferrell als Frank und Vince Vaughn als zynischer Beanie, der mit seinem Baby im Arm die deftigsten Orgien dirigiert, zwei skurrile Charaktere, die aus der humoristischen Wüste dieser Klamotte hervorragend. Und dass die Happy-Ends nicht ganz so konventionell ausfallen wie gewohnt und eine Ahnung davon vermitteln, dass es ein gutes Leben jenseits von hysterischem Berufsjugendtum und graumäusiger Angepasstheit geben könnte, darf man dieser Komödie ebenso anrechnen wie ihr nostalgischer Simon&Garfunkel-Soundtrack. Für mehr als für ein 4- reicht es aber nicht.
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