Barbet Schroeders spannender Krimi "Mord nach Plan": Die Rechnung ohne eine Frau gemacht
zuletzt aktualisiert: 24.06.2002 - 10:56Frankfurt/Main (rpo). In "Mord nach Plan" wollen zwei Jugendliche durch einen Mord die Unfähigkeit von Polizei und Justiz unter Beweis stellen. Sandra Bullock stellt den beiden als überzeugend gespielte Indizienexpertin Cassie Mayweather nach.
Die etwa 18-jährigen Klassenkameraden Justin Pendleton und Richard Haywood - der erste schüchtern und hochintelligent, der zweite frech-arrogant, aber ebenfalls mit Hirn - haben sich zum perfekten Verbrechen verabredet.
"Mord nach Plan" heißt folglich auch der Titel des Films von Barbet Schroeder nach einem Drehbuch von Tony Gayton, der am 27. Juni in die Kinos kommt. Schroeder ist Krimi-Spezialist. Auch sein neuer Film erzählt eine spannende Geschichte, die keineswegs darunter leidet, dass nicht die Frage im Vordergrund steht, wer das Verbrechen begangen hat, sondern wie es aufgeklärt wird. Und im Mittelpunkt dieser Aufklärung steht die Heldin des Morddramas, die noch junge, aber schon sehr erfahrene Indizienexpertin Cassie Mayweather, hervorragend gespielt von Sandra Bullock.
Der Hollywood-Star präsentiert sich in diesem Film als eine unsentimentale, nur für ihre Arbeit lebende Polizistin. Diese lebt allein auf einem Hausboot, wo sie ihren netten neuen Kollegen Sam Kennedy erst für eine offenbar überfällige Ration Sex ins Bett zieht, ihn dann aber auch reichlich grob wieder aus demselben befördert. Cassie ist eine harte Frau, aber sie hat mit einem schrecklich traumatischen Erlebnis aus ihrer Jugend zu kämpfen: 17 Messerstiche in die Brust von einem Freund, der die Trennung nicht akzeptieren wollte.
Als sie und Sam zum Fundort einer erwürgten Frau gerufen werden, deren Ringfinger abgeschnitten wurde, beginnt Cassies vorerst noch unsichtbares Duell mit den beiden jugendlichen Tätern. Die haben bei ihrem mörderischen Planspiel fast alles richtig gemacht, um die Polizei auf falsche Fährten zu locken. Aber gerade die Perfektion des Verbrechens ist es, die Cassie misstrauisch werden lässt. Und dann entdeckt sie doch Hinweise, die sie auf die Spur von Justin und Richard bringen. Gleichwohl wähnt sich vor allem letzterer sicher, Justin hingegen beginnt zu wanken.
Aber auch Cassie steht unter schwerem Beschuss ihrer Vorgesetzten, die der Polizistin Eigenmächtigkeiten vorwerfen. Dazu kommt, dass der verdächtigte Richard reiche und einflussreiche Eltern hat. Doch dann spitzt sich alles zu, es mündet in einem dramatischen Finale, in dem Cassie um ihr Leben kämpfen muss. Nicht das Ende aber ist das, was die Qualität dieses Films ausmacht, sondern es sind die Figuren und ihr Handeln, das den Betrachter weitgehend fesseln.
Der 22-jährige Kanadier Ryan Gosling als Richard und der ein wenig an den jungen Klaus Kinski erinnernde Michael Pitt als Justin verstehen es gut, ihre abgründigen Figuren nicht ins plakativ Dämonische abgleiten zu lassen. Sie sind sich maßlos überschätzende, seelisch zutiefst gestörte Jungs, die zu Mördern, aber nicht zu Monstern werden. Die Handlung ist nicht wirklich originell, aber gut entfaltet und inszeniert. "Mord nach Plan" ist spannendes Unterhaltungskino. Es ist auch ein Meilenstein in der Karriere von Sandra Bullock, die damit den zu ihr passenden Rollentyp jenseits von Action und Komödie gefunden haben könnte.
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