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Doku-Filmer Andres Veiel begleitete vier Nachwuchsmimen auf ihrem steinigen Weg zum Traumberuf: Die Spielwütigen: Schauspielschüler in Absurdistan

zuletzt aktualisiert: 28.05.2004 - 10:03

Sie sind jung, talentiert und vom Schauspiel besessen. Das müssen sie auch sein, sonst könnten sie die harten Lehrjahre an der Eliteschmiede Ernst Busch nicht durchstehen. Doku-Filmer Andres Veiel begleitete vier Nachwuchsmimen auf ihrem steinigen Weg zum Traumberuf. Unter den Spielwütigen: Constanze Becker und Prodomos Antoniadis vom Düsseldorfer Schauspielhaus.

„Ihr seid alle Wichser!“ Wütend fuchtelt Prodomos mit einer Spielzeugknarre herum. Seine vermeintlichen Gegner sitzen ungerührt in der ersten Reihe und mustern den stämmigen Griechen mit interessierten Blicken. Vorsprechtermin auf der Probebühne der HFS Ernst Busch in Berlin. Über tausend Talente sind wie jedes Jahr gekommen, doch nur 30 von ihnen können einen Platz in Deutschlands bester Schauspielschule ergattern.

Prodomos, kurz Prod genannt, hat es mit seiner Darbietung des Travis Bickle aus „Taxi Driver“ geschafft. So auch die 18-jährige Constanze. Daheim im Kinderzimmer hat sie ihre Vorsprechrollen einstudiert und dann die Schule geschwänzt, um sich in Berlin zu bewerben. Sonnenschein Karina ist ebenfalls mit im Boot, nur die verträumte Steffi hatte Pech: Sie wurde abgelehnt, muss sich nun an anderen Schulen bewerben.

Proben, Peinlichkeiten und Premieren

Sieben Jahre lang – vom Vorsprechen bis zum ersten Engagement – dokumentierte Regisseur Andres Veiel („Blackbox BRD“) den Werdegang von Prod, Constanze, Karina und Steffi. Seine vier Protagonisten hatte er aus 200 Bewerbern an der Ernst Busch Schule ausgesucht und begleitete sie ganz intim bei Proben, Peinlichkeiten und Premieren. Denn der lange Weg ins Rampenlicht – er ist mit Stolpersteinen gepflastert. Da gibt zum einen selbstgefällige Dozenten, die ihre Lehrlinge zur Demut zwingen. Oder putzige Pauker mit Öko-Aura, deren wundersame Methoden zur Selbsterleuchtung führen sollen. Am schlimmsten aber sind die Zweifel: Bin ich wirklich gut genug? Zwischen Lehrerlob und Dauertadel ackern sich Constanze & Co. tapfer durch Knutschszenen, Fechtstunden, Stimmtraining und Repertoire-Rollen.

Nicht immer war es einfach für die vier Akteure, auch in Momenten der Niederlage von Andres Veiel gefilmt zu werden. Seelenstriptease vor der Kamera? Das passt vielleicht zu Castingshows auf RTL, nicht aber zu Leuten, die als Maria Stuart oder Hamlet auf der Bühne stehen wollen. Doch der Mut zur Offenbarung wurde belohnt: Als „Die Spielwütigen“ im Rahmen der Berliner Filmfestspiele im Februar 2004 erstmals vorgeführt wurde, jubelten Publikum und Journalisten. Andres Veiel ist die Gradwanderung zwischen Voyeurismus und Wahrheit gelungen. Und das, obwohl manch Krisensituation im Leben der Protagonisten auf der Leinwand allzu komisch wirkte.

Der Blick hinter die Kulissen der Ernst Busch Hochschule ist ebenso skurril wie spannend. Und während sich Castingteilnehmer á la „Deutschland sucht den Superstar“ vor Millionenpublikum in divenhaften Befindlichkeiten baden, zeigen Prod, Constanze, Karina und Steffi herrlich unprätenziös, was es wirklich heißt, für wenig Ruhm sehr hart zu arbeiten. Ihrer Ehrlichkeit und enormen Kamerapräsenz ist es zu verdanken, dass dieser Film ein richtiges kleines Doku-Juwel von grandioser Intensität geworden ist.

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten

Die Dreharbeiten sind längst vorbei, doch die Spielwut ist geblieben. Nach ihrer Ausbildung zog es die vier Jungakteure auf die Bretter, die für sie die Welt bedeuten. Zwei von ihnen dürften besonders dem Düsseldorfer Publikum bekannt sein: Prodomos Antoniadis war von 2001 bis 2003 fest am Düsseldorfer Schauspielhaus, ist dort in diesem Jahr als Gastdarsteller in „Die Physiker“ und „Suburban Motel“ zu sehen. Constanze Becker kam nach zweijährigem Engagement in Leipzig 2003 nach Düsseldorf, brilliert hier mit Rollen wie der Lady Milford aus „Kabale und Liebe“ oder der Titelrolle in „Die Ehe der Maria Braun“.

Von Dörte Langwald


 
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