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Kino-Kritik: Die weiße Massai: Liebe in Schwarz-Weiß

zuletzt aktualisiert: 12.09.2005 - 09:15

Kann eine Liebe zwischen zwei komplett unterschiedlichen Kulturen funktionieren? Überwindet eine wahre Leidenschaft auch die Grenzen zwischen einem Massai und einer Schweizerin? Dieser Frage gingen viele Leser, vor allem Leserinnen mit Corinne Hofmanns Roman "Die weisse Massai" auf den Grund. Jetzt kommt die spannenden Geschichte auf die große Kino-Leinwand.

Die hübschen Blondine Carola weilt mit ihrem Freund Stefan auf Strandurlaub in Kenia. Am Tag vor der Heimreise trifft das Paar zufällig den kraftvollen jungen Einheimische Lemalian in seinem traditionellen Schmuck eines stolzen Samburu-Kriegers. Für Carola ändert dieses Begegnung schlagartig ihr Leben: Sie fliegt nicht mit dem fassungslos-wütenden Stefan heim in die kuschelige Schweiz, sondern nimmt die Spur von Lemalian auf und landet in der Kleinstadt Maralal, wo sie im Haus der Deutschen Elisabeth wohnt, die dort mit ihrem kenianischen Mann lebt.

Es dauert zehn Tage, dann kommt auch Lemalian nach Maralal. Auch er hat sich auf seine Weise für Carola entschieden, schnell kommt es zu ersten sexuellen Begegnung. Doch die fällt für beide sehr ernüchternd aus, denn nun zeigt sich erstmals, wie verschieden die Kulturen sind, denen sie entstammen. Carola ist irritiert, doch beirren lässt sie sich nicht und folgt dem Geliebten in dessen Dörfchen Barsaloi mitten im Busch. Dort bezieht sie Quartier in eine für europäische Verhältnisse armselige Hütte, in der auch noch Lemalians Mutter und seine kleine Nichte leben. Tapfer versucht die Schweizerin, sich in die völlig anderen Lebensumstände einzufinden.

Auf einer gemeinsamen Reise in die Hauptstadt Nairobi, wo sich Carola die Papiere für ihren Aufenthalt besorgen muss, kommt sich das Paar endlich auch erotisch näher. Der Samburu-Krieger lernt, was Zärtlichkeit bedeutet zwischen Mann und Frau. Carola glaubt wieder an ihr Glück, doch erkrankt an Malaria. Nach ihrer Genesung reist sie in die alte Heimat, verkauft ihren Laden dort und macht sich zum Entsetzen ihrer Familie wieder auf den Weg nach Afrika. Bei Vollmond findet in Barsaloi die Hochzeit mit Lemalian statt, Carola hat ein weißes Brautkleid mitgebracht. Bald ist sie schwanger, unter dramatischen Umständen bringt sie ihre Tochter Sarai zur Welt.

Bekannte Bedenken werden bestätigt

Was dann kommt, ist wenig erfreulich, aber wohl unvermeidlich. Zu groß ist die Kluft zwischen der weißen Schweizerin und dem schwarzen Afrikaner, um ein ganzes Leben lang den Spagat darüber zu halten. Regisseurin Hermine Huntgeburth hat aus dem Lebensroman von Corinne Hofmann einen unterhaltsamen, seine Figuren und ihr Drama durchaus sensibel behandelnden Film gemacht. Mit Nina Hoss als Carola hat sie eine der besten deutschen Schauspielerinnen in der Hauptrolle. Hoss ist eine zarte Schönheit, die aber sehr viel Entschlossenheit, ja sogar Härte ausstrahlen kann.

Der aus Burkina Faso gebürtige, in Paris lebende Jacky Ido wirkt als Lemalian attraktiv genug, um die Entscheidung der Frau nachvollziehen zu können. Katja Flint ist in der Nebenrolle einer Frau zu sehen, die schon weiß, welchen Preis sie für das Leben mit einem Kenianer zahlt, in dessen Vorstellungswelt weibliche Emanzipation nicht vorgesehen ist. Die Konfrontation der Kulturen ist der eigentliche Inhalt von «Die weisse Massai». Zwar wird das weit weniger reißerisch behandelt als in dem einstigen US-Kinohit «Nicht ohne meine Tochter», denn auch Lemalians Position wird differenziert gezeigt.

Letztlich aber bestätigt der Film nur all das, was auch schon vorher nicht unbekannt war: Für europäische Frauen ist es durchaus möglich, im eigenen Kulturkreis mit afrikanischen oder arabischen Männern zu leben. Wenn sie diesen Männern aber in deren Kulturkreis folgen, ist in den meisten Fällen das Scheitern und sind entsprechende Beziehungsdramen programmiert. Blonde Touristinnen, die am letzten Urlaubstag einen knackigen Massai sichten, sollten es sich deshalb gut überlegen, ob sie die Heimreise kurzfristig absagen.

Quelle: apbackup

 
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