Film-Kritik: Die wilden Kerle 2: Rasselbande im luftleeren Raum
zuletzt aktualisiert: 14.02.2005 - 10:17Geld regiert die Welt. In "Wilde Kerle 2" müssen die Juniorfußballer ihren geliebten Bolzplatz nach UEFA-Richtlinien teuer aufmotzen, denn nur dann dürfen sie gegen die Nationalmannschaft spielen. Das geht allerdings nur mit Papis Kredit, der an halsabschneiderische Bedingungen geknüpft ist: Bei einer Niederlage im Vorrundenspiel sollen die Jungs dem runden Leder abschwören und an einem Bastelkreis teilnehmen.
Und dann macht auch noch Vanessa, die einzige Frau am Ball, Zicken. War das Mädchen im ersten Wilde-Kerle-Abenteuer noch ein Störenfried, so ist sie dank ihrer Albtraumpässe nun das Rückgrat des Teams. Als sie sich aber in den coolen Gonzo Gonzales, Chef einer Skater-Gang, verliebt, scheint sie den Kicker-Buben den Laufpass zu geben. Recht so! Denn das Mobbing ihres Gegners aus Film Nr. 1, Libero Leon, hat sich nicht wesentlich geändert. Unverdrossen trägt Leon gegenüber Vanessa eine eindimensionale Grimmigkeit zur Schau, die als vorpubertäre Variante von "was sich liebt, das neckt sich" verstanden werden soll.
Ob es allerdings für dessen Darsteller Jimi Blue Ochsenknecht ratsam ist, in die Fußstapfen seines ebenfalls mitwirkenden Vaters zu treten, bleibt fraglicher denn je. Auch die Fortsetzung setzt auf erprobte Familienbande und versammelt neben drei Ochsenknechts die beiden Söhne von Regisseur und Kinderbuchautor Joachim Masannek.
Und wieder sieht dieser Kinderfilm mit seinem abgestandenen bohémienhaften Sponti-Flair so aus, als ob schüttere Berufsjugendliche am meisten Spaß gehabt und sich beim Dreh vor lauter Begeisterung über die eigene Coolness gegenseitig auf die Schultern geklopft hätten. Es hakt nicht nur beim Spiel der Jungdarsteller, von denen, wie bei Ochsenknechts Sohn, nur ein Gesichtsausdruck verlangt wird. Die Kinder werden schlicht nicht ernst genommen in dieser Geschichte, die so konfus ist wie die Spielzüge von besoffenen Freizeitkickern.
Alberne Anspielung auf Blues Brothers
Die ganze Rasselbande bewegt sich in einem luftleeren Raum, in dem Lebensumstände ebenso ignoriert werden wie Psychologie. Väter sind entweder total doof oder verhalten sich wie große Brüder in ihrer Hippiephase, und Leons Liebesprobleme haben einen Touch von Männer-Selbsthilfegruppe. Und wo die Kleinen auf das Off-Kommando "Seid mal richtig wild!" noch brav drauflos lärmen, können sie es unmöglich schaffen, die vielen Drehbuch-Winkelzüge mit Leben zu füllen.
Vanessa muss durch diverse Strategien, unter anderem das hochnotpeinliche Abfassen eines Liebesbriefes, in die Mannschaft gelockt werden. Ihre frühpubertäre Gefühlslage wird dabei ebenso holprig geschildert wie die Scharmützel zwischen Fußballern und Skatern. Dabei scheint es vor allem auf die Demonstration eines gewollt originellen Skater-Outfits anzukommen, das irgendwo zwischen einem vampirisch-blassen "Gothic"-Stil und, speziell bei Gonzo, um die Imitation von Johnny Depps schrägem Piratenposen aus "Fluch der Karibik" angesiedelt ist.
Auch die Anspielung, die Kids à la Blues Brothers mit schwarzen Sonnenbrillen und gegelten Haaren bei der Bank antanzen zu lassen, ist so albern wie das Schicksal der Gegner aus dem ersten Film, die nun mit Gartenzwerg-Zipfelmütze Sklavendienste verrichten. Wahnsinnig geil fanden die Macher erneut die kraftmeierische Kunstsprache der Kleinen wie etwa "doppelt verschleimter Alligatorenrotz" - doch was sich vielleicht im Kinderbuch nett liest, tut akustisch weh.
Der Kinderfilm, der sich in seinen selbstverliebten Ideen verzettelt, kann sich nicht dazu durchringen, Kindern tatsächlich aufs Maul zu schauen und versagt vor allem in puncto Humor. Und von Fußball ist nur noch selten die Rede.
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