| 20.02 Uhr
Thriller "End Of Watch" im Kino
Die Wirklichkeit des Verbrechens
Szenenfotos "End of Watch"
Szenenfotos "End of Watch" FOTO: Tobis
Berlin. Die Streifenpolizisten Brian und Mike sind ein Team auf Leben und Tod. Wenn der eine nicht aufpasst, könnte der andere die Schicht nicht überleben. So erzählen es viele Copfilme, aber "End of Watch" von David Ayer sticht durch die Qualität der Dialoge und Darstellung hervor - und gilt bereits als "Oscar"-Kandidat.

Wenn ein Horrorfilm mit scheinbar authentischem Bildmaterial aufwarten kann, fährt den Kinobesuchern der Schrecken gleich noch mal so tief in die Knochen. Seit "Blairwitch Project" (1999) ist der Einsatz von sogenanntem Found footage aus dem Genre kaum mehr wegzudenken, mit "Paranormal Activity" oder dem Monsterfilm "Cloverfield" wurden zudem immer wieder neue, kassenträchtige Einsatzvarianten etabliert.

Auch David Ayers "End of Watch" gibt sich als Mockumentary, also als vermeintlich echte Dokumentation. Doch werden weder Geister noch Monster gejagt, sondern Drogendealer, Kleinkriminelle und Vergewaltiger. "End of Watch" gibt vor, den Alltag zweier Streifenpolizisten in einem besonders finsteren Viertel von Los Angeles zu dokumentieren.

Zwei Cops wie Pech und Schwefel

Der bodenständige Mike Zavala (Michael Pena) ist gerade erst Vater geworden. Sein glatzköpfiger Kollege Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) verfügt über ein aufbrausendes Temperament und hat erstmals eine Freundin, mit der er sich tatsächlich vorstellen kann, eine Familie zu gründen. Doch so unterschiedlich ihre Lebenshaltungen auch sein mögen, die beiden Cops verstehen sich nicht nur als Team, sondern sind wie Brüder zueinander.

Wohl nur deshalb erträgt Mike Zavala, dass Taylor schon über Monate nicht nur sein Privatleben, sondern auch den Arbeitsalltag mit einem kleinen Camcorder für ein Videotagebuch filmt. Durch diesen Kunstgriff der subjektiven Handkamera zieht Regisseur Ayer ("S.W.A.T.", "Street Kings") den Zuschauer hautnah ins Geschehen hinein. Der Einsatz weiterer angeblicher Bildquellen wie Überwachungskameras unterstreicht diesen pseudodokumentarischen Ansatz.

Mit Drogenkartellen ist nicht zu spaßen

Ayers eigentlicher Kunstgriff aber besteht darin, eine knappe halbe Stunde betont undramatisch lediglich den Routine-Alltag zweier Gesetzeshüter zu zeigen, die sich um Ruhestörungen, vernachlässigte Kindern von Junkies, aber auch um die Opfer von Menschenhandel kümmern. Erst nach und nach entwickelt sich daraus ein fast schon klassischer Thriller.

Denn den beiden Cops gelingt bei einer Straßenkontrolle ein Zufallstreffer: In einem Auto finden sie diamantenbesetzte Waffen und Drogen und damit eine Spur zu einem berüchtigten mexikanischen Drogenkartell. Allen Warnungen zum Trotz werden Taylor und Zavala übermütig und glauben, die Latino-Gang im Alleingang ausheben zu können.

Ayers Film überrascht zunächst mit einer für einen Thriller betont entschleunigten Erzählweise. Dafür nimmt sich der Regisseur umso mehr Zeit, die Charaktere seiner beiden keineswegs durchweg sympathischen, dafür umso glaubwürdigeren Hauptfiguren auszuleuchten.

Zuletzt aber kann auch Ayer sich nicht gänzlich den Gesetzen des Genres verweigern und endet mit einem blutigen Showdown. Doch selbst dabei gelingt es ihm, den Einsatz der Camcorder-Bilder konsequent bis zum bitteren Schluss aufrechtzuerhalten.

("End of Watch", Thriller, USA 2012, 109 Minuten, FSK: 16, Verleih: Tobis Film, Regie: David Ayer; Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michael Pena, Anna Kendrick u. a.)

Kinostart: 20. Dezember 2012

Quelle: APD/csr/das/top
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