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Bestseller-Verfilmung aus den Niederlanden: Die Zwillinge: Hass und Liebe im Doppelpack

zuletzt aktualisiert: 04.10.2004 - 11:34

Was als Geschichte beginnt wie ein Alptraum, entwickelte sich in den Niederlanden zu einem der beliebtesten Filme des vergangenen Jahres und erhielt eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film: "Die Zwillinge" werden als sechsjährige Mädchen nach dem Tod ihres Vaters getrennt. Sie lieben sich innig und werden wieder zusammentreffen.

Die unprätentiöse Verfilmung von Tessa de Loos Bestsellerroman betrachtet die finstere Vergangenheit aus dem privaten Blickwinkel zweier Mädchen, die in die Mühlen der Weltgeschichte geraten. Denn das Epos beginnt in den 20er Jahren, erzählt auf intelligente und bewegende Art vom Dritten Reich und seinen Folgen - und lässt dabei die moralischen Trennlinien zwischen Gut und Böse, deutschen Nazis und Holländern, unscharf werden.

Zunächst sieht es so aus, als sei Lotte die Pechmarie in dieser traurigen Geschichte: Weil sie an Tuberkulose leidet, überlassen ihre direkten Anverwandten sie der entfernten gutbürgerlichen Verwandtschaft in den Niederlanden und nehmen nur die gesunde Anna mit auf ihren Hof. Der Kontakt zwischen den Schwestern wird von den verfeindeten Familien verhindert.

Leider entpuppt sich die deutsche Sippe als exakt die "dummen, katholischen Bauern", als die sie die liberal-aufgeklärte niederländische Verwandtschaft tituliert hat: Die kleine Anna muss im Stall schlafen, unablässig schuften und darf nicht in die Schule, weil ihre Stiefeltern sie als schwachsinnig bezeichnen. In der Nazi-Diktatur wird dies, wie die Zukunft zeigt, lebensgefährlich sein.

Nadja Uhl hervorragend

Auch sonst entwickelt ihr Schicksal ungewohnte Facetten, wenn ihr roher Stiefvater zwar erklärter Nazi-Gegner ist, Anna aber nach einem Flirt mit einem Jungnazi fast zu Tode prügelt. Immerhin kann der Priester jetzt nicht mehr über ihr Elend hinwegsehen und rettet Anna, indem er sie in eine katholische Lehranstalt schickt.

Dort wird sie zum Dienstmädchen ausgebildet, während hunderte Kilometer weiter westlich Lotte, inzwischen gesundet, studieren darf und sich mit dem jüdischen Musiker David verlobt. Als Lotte entdeckt, dass ihre Briefe an Anna nie abgeschickt wurden, gelingt es der höheren Tochter, die geliebte Schwester ausfindig zu machen, die nach ihrem Kindheitsmartyrium als Hausmädchen bei einer blaublütigen Nazi-Mitläuferin ein kleines Glück gefunden zu haben glaubt.

Doch die sozialen Unterschiede sind groß, und die eingebläuten Vorurteile trüben das Wiedersehen: Beim Anblick eines Fotos von David lässt das Aschenputtel Anna eine Bemerkung über Juden fallen, die Lotte bis ins Mark entsetzt. Sie selbst empfindet mit dem Aufkommen der Nazi-Gräuel wegen ihrer deutschen Herkunft zunehmend Scham und Selbsthass, den sie auf die arglose Anna überträgt.

Erzählt wird die herzzerreißende Geschichte aus der Rückblende von zwei alten, erbitterten Frauen, die sich in einem belgischen Kurort zum dritten und letzten Mal konfrontieren. Denn beim zweiten Treffen, direkt nach dem Krieg, ist Lotte vor Hass außer sich, als sie erfährt, dass Anna Witwe eines SS-Offiziers ist; sie selbst hat ihren Verlobten im KZ verloren.

Sehr viele Episoden und Figuren werden nur angedeutet in diesem beziehungsreichen Film, der trotzdem mit über zwei Stunden sehr lang ausgefallen ist. Seine größte Schwäche ist eine etwas glanzlos-brave Optik, die eher ins Fernsehen als auf die große Leinwand passt. Seine Stärke sind die unpathetischen, eher sparsamen Dialoge und die subtile Parallelität der beiden Lebensläufe, bei der stets die Frage, "was wäre wenn...?" in der Luft liegt.

Glänzende Darsteller, darunter vor allem Nadja Uhl - ihre Gegenstück Thekla Reuten war zuletzt in "Rosenstraße" zu sehen -, können das Interesse kontinuierlich fesseln. Auf jeden Fall ist dies ein Drama, das bei einem interessierten Publikum nachwirkt und in eine Zeit passt, die das Dritte Reich - wie "Rosenstraße" und wie "Der Untergang", der auch auf den Aufzeichnungen von Hitlers Sekretärin basiert - aus dem differenzierten Blickwinkel einer weiblichen Kriegsgeneration betrachtet.

Der Film kommt am 7. Oktober in die Kinos.

Quelle: ap

 
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