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  Foto: Constantin
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Komödie "Die Friseuse" von Doris Dörrie: Diese Frau ist ein echter Kracher

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 09:53

(RP). Ach, wenn der Mund das einzig Unkorrekte an ihr wäre. Kathi König redet nämlich, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Dass sie sich korrekt als Friseurin bezeichnen müsste, weiß sie wohl. Aber sie nennt sich nach wie vor Friseuse, sie fühlt sich wohl mit diesem Wort, das Klischees transportiert, das im Volksmund immer ein wenig nach Dummerchen klingt.

Aber weil Kathi König, die Titelheldin von Doris Dörries neuer Komödie "Die Friseuse", eben kein Dummerchen ist, würde man ihr die unkorrekte Ausdrucksweise vielleicht nachsehen, als Selbstironie. Aber Kathi weicht eben auch anderweitig von der Norm ab. Sie ist dick. Nein, nicht ein wenig moppelig, sondern wallend ausladend. Sie fließt fast auseinander.

Dass es die anderen stört, liegt aber weniger daran, dass man in einem engen Gang schon einmal ein bisschen an die Wand rücken muss, um an der Friseuse gut vorbei zu kommen. Es liegt wohl eher daran, dass Kathi sich nicht wie eine verachtbare Dicke aufführt, also beschämt oder kurzatmig oder verdruckst neurotisch. Kathi trägt ihre Pfunde mit Grandezza und ist weit und breit stets der am buntesten angezogene Mensch.

Quietschbunt auf Arbeitssuche

Sie lenkt Blicke auf sich. Sie verstößt nicht gegen die Ideale und Werte der anderen. Sie stellt sie in Frage. In den Filmen von Doris Dörrie menschelt es viel, und in den besten dieser Filme wie "Kirschblüten – Hanami" liegen Tragik und Komik, Normalität und Ausnahmezustand nahe beieinander. Kathi, die so unerschütterlich scheint, lernen wir an ihrem Arbeitsplatz kennen. Und dann erleben wir in einer filmlangen Rückblende, wie die alleinerziehende Mutter aus einem Plattenbau in Berlin-Marzahn um ihr Selbstwertgefühl und ihren Platz in der Welt kämpfen musste. Das könnte jederzeit nachtfinster werden, hüllt sich aber stets in Bonbonfarben. Das könnte oft in dreiste Albernheit abgleiten, wahrt aber noch in den abgedrehtesten Momenten seinen Bezug zur sozialen Realität.

Wenn Kathi auf dem Arbeitsamt kämpft, wenn man sie als Bewerberin abblitzen lässt, wenn sie sich um eine Existenzgründung bemüht, wirkt "Die Friseuse" oft wie die quietschbunte, aufgelockerte Fotoromanvariante eines Andreas-Dresen-Stoffes. Laila Stieler, die das Drehbuch zu "Die Friseuse" schrieb, hat mal alleine, mal im Team, an den Drehbüchern von Dresens "Stilles Land", "Die Polizistin", "Willenbrock" und "Wolke 9" gearbeitet. Der Begriff Fotoroman ist nicht abfällig gemeint. Dörrie wagt die leichte Herangehensweise. Sie will lockend und zugänglich halten, was sonst leicht als Problemfilm etikettiert und gemieden würde.

Eine wunderbare Hauptdarstellerin

 Und das gelingt ihr ganz vorzüglich, auch dank Hauptdarstellerin Gabriela Maria Schmeide. Die setzt sich dem Blick der Kamera aus, ohne bedrückende Intimität zu erzwingen, sie lässt ihre Kathi manchmal wie einen großen bunten Ballon vor der Kamera hüpfen, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben, und sie zeigt die Stärke und die Belastungsrisse dieser Frau, ohne Pathos aufkommen zu lassen. Die Geschichte steckt voller spitzer Bosheiten und Fiesheiten, und Kathi hält sie alle aus.

Das ist ein Film übers Aushalten, und einer, der will, dass man ihn gut aushält. Auch dann, wen man nur ins Kino geht, um den Problemen des Lebens zu entkommen. Es kann, zeigt Dörrie, Spaß machen, auch hier von ihnen eingeholt zu werden.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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