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Reflektionen über den Terror Weltweit: Dokumentarfilm "11'09"01" kommt verspätet in die deutschen Kinos

zuletzt aktualisiert: 25.11.2002 - 14:42

Paris (rpo). Der französische Produzent Alain Brigand hat es sich zur Aufgabe gemacht, elf Regisseuren die Möglichkeit zu gegeben, die Terroranschläge des 11. September 2001 zu reflektieren. Einzige Vorgabe: Die Filme mussten jeweils genau elf Minuten, neun Sekunden und ein Bild lang sein: "11'09"01".

Die Beiträge der Filmemacher - darunter Sean Penn, Ken Loach und Oscar-Preisträger Danis Tanovic - könnten stilistisch und inhaltlich unterschiedlicher kaum sein. Der Bogen spannt sich von der radikalen Toncollage des Mexikaners Alejandro González Inárritu, die auf Bilder weitgehend verzichtet, bis zur konventionellen Erzählweise des Franzosen Claude Lelouch und der Inderin Mira Nair.

Der Bosnier Tanovic erinnert in seinem bewegenden Kurzfilm an das Schicksal der Menschen in der Stadt Srebrenica, die am 11. Juli 1995 in die Hand der bosnischen Serben fiel. Der Brite Loach lässt den Exil-Chilenen Vladimir Vega vom blutigen Staatsstreich Augusto Pinochets gegen Salvador Allende an einem anderen blutigen 11. September erzählen, den des Jahres 1973.

In einer der gelungensten Episoden zeigt die Iranerin Samira Makhmalbaf afghanische Flüchtlingskinder, die in einer Ziegelfabrik arbeiten. Ihre Lehrerin berichtet, dass etwas Schreckliches passiert ist. Die Kleinen fragen sich, ob es so schlimm ist wie das Unglück des Mannes, der letztens in den Brunnen gefallen ist? Oder das der Verwandten, die in der Heimat gesteinigt wurde?

Um ihnen klarzumachen, was in New York passiert ist und was eigentlich ein Hochhaus ist, führt die Lehrerin ihre Schüler in einer großartigen Szene zum Schornstein der Fabrik. Dort müssen sie mit einer Schweigeminute der Opfer im fernen Amerika gedenken.

Dass man dem Thema sogar eine heitere Seite abgewinnen kann, zeigt Idrissa Ouedraogo, der drei Jungen in Burkina Faso Jagd auf einen bärtigen Mann machen lässt, den sie für Osama Bin Laden halten. Unbehagen beim Zuschauer hinterlässt allein der bemüht dialektische und die Verbrechen relativierende Beitrag des Ägypters Jussef Chahine.

Ob die Kurzfilme nun anklagend sind wie beim Altlinken Loach, wunderbar poetisch wie bei Sean Penn, enttäuschend banal wie beim Israeli Amos Gitai oder allegorisch wie beim japanischen Altmeister Shohei Imamura - "11'09"01" ist ein qualitativ uneinheitlicher, aber spannender Beitrag zur Diskussion über den Terror des 11. September.


 
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