Guy Ritchies "Rock'N'Rolla": Drastisch-komisches Gangsterdrama
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 19.03.2009 - 08:45(RP). London ist ein teures Pflaster. Lenny Cole (der großartige Tom Wilkinson), ein Gangsterboss der alten Schule, der sich vom Knochenbrecher zum Clubkrawattenträger hochgegaunert hat, würde gerne an jedem einzelnen Pflasterstein mitverdienen.
Weil so viel Kontrolle auch ihn überfordert, konzentriert er sich mittlerweile auf große Bauprojekte. Mit Schmiergeld hie und Erpressung da hat er sich ein politisches Hebelwerk verschafft. Wer bei zwielichtigen Immobilienentwicklungen hinderliche Verordnungen und Entscheidungsprozesse umgehen möchte, wendet sich mit Geld in der Hand an ihn. Mit anderen Worten: Guy Ritchies neue Gangsterkomödie "Rock 'N' Rolla" erzählt von einem gut funktionierenden Profitsystem. Und wie wir gerade von der Realität gezeigt bekommen, können scheinbar stabile Profitsysteme sich als ziemlich fragil erweisen.
In "Rock 'N' Rolla" bekommt Cole gleich zwei Probleme. Da ist eine gewisse soziale Unruhe durch Aufstreber, die keine Regeln akzeptieren – wie Cole, bevor er seine eigenen Regeln aufstellte. Der Kleinkriminelle One Two (Gerard Butler) ist einer dieser Unterlinge der Unterwelt, die miese Gangster so gerne berauben wie gute Bürger. Das noch größere Problem allerdings ist der russische Mafiadon Uri Obomavich (Karel Roden), der in Coles Revier eindringt. Der alte Platzhirsch bekommt es also mit der Öffnung der Märkte zu tun.
Freude an schäbigem Handeln
Regisseur Guy Ritchie ist vor seiner Hochzeit mit Madonna durch energisch-humorige Beiträge zum britischen Gangsterkino bekannt geworden, "Bube, Dame König, grAs" (1998) und "Snatch – Schweine und Diamanten" (2000). "Rock 'N' Rolla" ist sein mit Abstand bester, da menschlichster Film. Trotz seines schwarzen Humors, seiner Brutalität und seiner Freude an den Schauwerten schäbigen Handelns zeigt er echte Sympathie mit den Underdogs, einen mehr als drehbuchüblichen Ekel vor den großen Schaltern und Waltern und eine überspringende Freude an der virtuosen Verknüpfung der Handlungsfäden.
Will heißen, der nach seiner Scheidung von Madonna höchst kreativ wirkende Ritchie erzählt zwar vom Zerfall des Bestehenden. Aber das mit einer Lust am Aufbau, die Optimismus verbreitet.
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