"Woher weißt du, dass es Liebe ist?": Drei sind hier einer zuviel
zuletzt aktualisiert: 19.01.2011 - 19:13Frankfurt/Main (RPO). Als ihre Sportkarriere zu Ende geht, muss Lisa (Reese Witherspoon) sich ein neues Leben aufbauen – und sich zwischen zwei Männern entscheiden. James L. Brooks inszeniert "Woher weißt du, dass es Liebe ist?" als romantische Komödie mit überraschend viel Tiefgang. Auch Paul Rudd und Jack Nicholson machen den Film sehenswert.
Das bisherige Leben von Softball-Athletin Lisa geht gerade den Bach hinunter, als sie auf den Geschäftsmann George trifft. George macht noch weit Schlimmeres durch. Doch weil beide nette Zeitgenossen sind, wollen sie sich anfangs nicht mit ihren Leidensgeschichten behelligen.
Nett ist auch Georges Rivale, der hohlköpfige Baseball-Star Matty. Und dann gibt es noch Jack Nicholson, der wieder grinst, als habe er gerade jemand fürchterlich übers Ohr gehauen.
Nicht nur wegen des fiesen Altstars hat James L. Brooks neue Komödie "Woher weißt du, dass es Liebe ist?" (ab 20. Januar im Kino) unerwarteten Tiefgang. Der 71-jährige Regiestar, der für "Zeit der Zärtlichkeit" und "Besser geht?s nicht" Oscars einsammelte, macht es seinen zwei sympathischen und grundehrlichen Hauptfiguren nicht leicht.
Weil sie die 30 überschreitet, wird die hochdekorierte Profisportlerin Lisa von ihrem neuen Teamtrainer abgesägt, der noch nicht mal den Mumm hat, es ihr ins Gesicht zu sagen.
Unkomplizierter Bettgenosse
George, der in der Firma seines Vaters arbeitet, wird wegen Bestechung angeklagt - worauf ihn nicht nur seine Freundin verlässt, sondern auch Gefängnis droht. Als der betörend selbstherrliche Frauenheld Matty, den Lisa gerade als unkomplizierten Bettgenossen schätzen gelernt hat, sich in sie verliebt, zieht sie bei ihm ein. George bekommt inzwischen Unterstützung von einer hochschwangeren Sekretärin, die ihm gerne Insider-Informationen über seines Vaters Firma gäbe, wenn sie es denn reden dürfte.
Das Reden beziehungsweise das Nichtreden, ist das wichtigste Bauelement dieser dialogstarken Dreiecksgeschichte. Denn wer redet, lügt meist, wie etwa Georges Exfreundin, die ihm mit gekonnter Psychorhetorik abserviert, oder wie Georges Vater, der von Jack Nicholson gespielt wird - womit schon alles gesagt ist.
Mit Sportsgeist Lebenskrisen überstehen
Angeblich hat Brooks seinen neuen Film rund um Reese "Das Kinn" Witherspoon herumgebaut, die erneut ein zähes kleines Kraftpaket darstellt. Sie ist eine Blondine, die nicht "blond" denkt und die mit allem Sportsgeist, dessen sie noch fähig ist, etwaiges Selbstmitleid oder gar Herumgezicke zu unterdrücken versucht.
Auch Nachwuchsstar Paul Rudd ("Dinner für Spinner") spielt seine bewährte Rolle eines Kümmerers und Frauenverstehers, der zu gut für diese Welt ist. Als Clown überzeugt einmal mehr Owen Wilson, der als großartig selbstverliebtes Sportass angesichts der zweifelnden Lisa mit femininem Gefühlswirrwarr konfrontiert wird.
Genaugenommen ist die Komödie, vom Ende her betrachtet, gar keine. Stattdessen hält Brooks ein Plädoyer für das Unperfekte, für Zweifel, Neurosen und peinliche, an den Spiegel geklebte Post-its voller banaler Sprüche - und für ein Leben, in dem man Verantwortung für seine Handlungen und die daraus folgenden Gewissenqualen übernimmt.
Seine Helden, denen mit 30 Jahren der Boden unter den Füßen weggezogen wird, sind in ihrer Naivität zwar nicht immer glaubhaft: wieso George und Lisa nicht rechtzeitig mitbekommen, wer ihnen in die Suppe spuckt, ist schwer zu begreifen. Doch man sieht ihnen gerne dabei zu, wie sie sich gegenseitig trösten.
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