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Filmkritik zu "Gainsbourg": "Du bist mir zu hässlich"

VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 14.10.2010 - 21:36
Düsseldorf (RP). Er spielte zeitlebens den amoralischen Bohemien – aber so modebewusst wie ein Dandy. Bei seinen musikalischen Mitteln war er so effektsicher wie in der Wahl der Interpretinnen, die seine Geliebten wurden. Mit "Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte" kommt der erste Film über einen der erfolgreichsten französischen Popkünstler des 20. Jahrhunderts ins Kino. In Frankreich wurde er als Märchen über ein heroisches Leben gezeigt, und Regisseur Joann Sfar führt furios vor, was er an Serge Gainsbourg (1928–1991) heroisch findet.

Mit dem Ausruf "Du bist mir zu hässlich" weist ein Mädchen die zärtliche Geste des Spielgefährten zurück. In dem von Nazi-Deutschland besetzten Paris erwacht die Juden-Karikatur eines antisemitischen Plakats, die dem kleinen Jungen bestürzend ähnlich sieht, zum Leben und verfolgt ihn bis ins Bett. Den "Judenstern" trägt der Sohn russisch-jüdischer Einwanderer wie einen Orden.

Fortan wird ihn sein Leben lang ein anderes Ich begleiten: eine ungelenke Gestalt, die mit übergroßer Nase, riesigen Spinnenhänden und irrlichternden Augen Gainsbourgs Hässlichkeit zu einem Monster à la Nosferatu steigert, ihn mit teuflischen Ratschlägen verfolgt und stets daran erinnert, wie viel Chuzpe dazugehört, als Außenseiter ein Liebling des Publikums und der Frauen zu werden.

Regisseur Joann Sfar ist selbst ein Sohn jüdischer Einwanderer. In seinem ersten Spielfilm schrumpft der Einsatz von Comicmitteln bald zu der allzu eindimensional geratenen Figur von Gainsbourgs Doppelgänger. Eric Elmosnino wird als Titelheld dem Vorbild sehr ähnlich. Die Frauengestalten sind attraktiv besetzt: für die 50er Jahre Anna Mouglalis als Juliette Gréco, für die 60er Laetitia Casta als Brigitte Bardot, für die 70er Jahre Lucy Gordon als Jane Birkin.

Nur die junge Gordon verstrahlt eine ähnlich laszive Erotik wie ihr Rollenvorbild. Mouglalis ist eine statuenhaft schöne Schwarze Witwe. Laetitia Casta wirkt keusch. Die Kamera badet die Bardot-Szenen in warmen Goldtönen und für Birkin steht Mädchen-Weiß. Dank geschickter Farbdramaturgie entsteht eine üppige Ballade.

Sfar will das ganze Künstlerleben nicht in zwei Kinostunden gepresst abhandeln. Der Mut zu Auslassungen macht diesen Film zu einer unterhaltsamen Huldigung. Die letzten, düsteren Lebensjahre werden mehr verklärt als erzählt, ganz frei von den Skandalen, mit denen Serge Gainsbourg bis zuletzt Schlagzeilen machte.

Quelle: RP

 
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