"Dumm und Dümmerer": Schlecht und schlechterer
zuletzt aktualisiert: 29.09.2003 - 09:34
Der Filmtitel ist ein Glücksfall, denn er sagt haargenau, was den Zuschauer
in der Komödie "Dumm und Dümmerer" erwartet. Erzählt wird, was man noch nie wissen wollte: Wie sich die beiden Dumpfbacken Harry und Lloyd kennen gelernt haben, die bereits in "Dumm und Dümmer" im Jahre 1994 ihr Unwesen trieben.Diese Vorgeschichte, auf neudeutsch "Prequel" genannt, spielt, nachdem die Geburtsszene absolviert ist, hauptsächlich in der Highschool, die wieder einmal als Sammelstelle für debil-neurotische Kids und ebensolche Lehrer herhalten muss. Schuldirektor Collins und seine Geliebte, die unterbelichtete Cafeteria-Chefin Miss Heller, richten eine "Förderklasse" ein, um den Staat um 100.000 Dollar Studienbeihilfe zu prellen.
Als erste Schüler werden Harry und Lloyd auserkoren, die mit ihrer grandiosen Blödheit aus dem Meer der restlichen nur mittelprächtig doofen Schüler herausragen. Die zwei Dödel vom Dienst werben ihrerseits mit dem Versprechen auf garantiert anspruchslosen Unterricht weitere Kandidaten an.
Bekanntlich ist nichts schwieriger als das Leichte: Mit "Dumm und Dümmer", 1994 gedreht, machten die Regie führenden Farrelly-Brüder Schmuddelwitze und Latrinenhumor einst Mainstream-fähig, doch es war die anarchische Komponente ihres hemmungslos unappetitlichen Klamauks, die der Komödie eine verschworene Fangemeinde bescherte. Nichts dergleichen in der schlecht, "schlechtereren" Fortsetzung unter der Regie von Troy Miller, die auch das Pech hat, dem Trend hinterher zu hinken: Neun Jahre nach den Farrellys scheint das Genre der Körperflüssigkeiten-Komödie ausgereizt. Besonders, wenn es so dilettantisch gemacht ist: Nicht die Obszönitäten sind in dieser Komödie das Problem, sondern dass jede Pointe mit deprimierender Gewissheit versenkt wird und sich selbst unter ausgiebiger Bölkstoff-Betäubung, für Filme dieser Sorte unerlässlich, beim Zuschauer kaum ein Lacher einstellen will.
Zotige Doppeldeutigkeiten
Diese Komödie der Peinlichkeiten ist nur peinlich, aber keine Komödie. Das einzige Verdienst ihrer beiden Hauptdarsteller ist ihre verblüffende Ähnlichkeit mit ihren Vorgängern Jeff Daniels und Jim Carrey; daneben erinnern sie, äußerlich, auch an Otto beziehungsweise Alfred E. Neumann. Und noch ein weiteres Pluspünktchen lässt sich ausmachen: Die Geschichte spielt in den 80er Jahren, was zur ausgiebigen und amüsanten Modenschau einer trashigen Jeans- und Sweatshirt-Kultur genutzt wird. Auch manche Musikstücke dieser Epoche wie "Whip It" von der Gruppe Devo oder Songs von "The Who" verraten inmitten dieser weitgehend humorfreien Zone doch ein gewisses Stilbewusstsein.
Als Anlass für zotige Doppeldeutigkeiten muss eine Blondine herhalten, die als Schulreporterin den Machenschaften des Direktors auf der Spur ist und die von den beiden Deppen ostentativ missverstanden wird. Bananen und Schokolade sind einmal mehr wichtige Requisiten, die für erotische und anale Missverständnisse sorgen sollen.
Ansonsten tun die beiden aus den falschen Gründen stets das Richtige und dienen hauptsächlich zur Demonstration eines infantil-regressiven Verhaltens, das - wie mancher Running Gag - einiges komisches Potenzial hat, welches jedoch dank des ahnungslosen Drehbuchs spurlos verpufft.
Sogar der Komiker Eugene Levy als Schuldirektor, der einmal mehr Groucho Marx ähnelt und sonst stets eine sichere Bank für Lacher ist - wie er auch in der Komödienserie "American Pie" bewies - kann hier kaum ein müdes Grinsen hervorlocken. "Dumm und Dümmerer" hinterlässt beim Zuschauer selbst ein lang anhaltendes Gefühl der Leere im Kopf. Herr, schmeiß Hirn!
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






