Science-fiction "Mr Nobody" mit Jared Leto und Diane Kruger: Ein langes Leben zersplittert in seine Varianten
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 08.07.2010 - 14:04(RP). Ein sensationeller Film sei das, jauchzen manche Kritiker, und man kann es ihnen nicht verdenken. Denn Jaco van Dormaels "Mr. Nobody" legt einem diese Verehrungsreaktion drängelnd nahe, vom ersten geschleckten Bild an und mit allen weiteren perfekten Bildarrangements und Computertricks sowie mit der konsequenten Weigerung des Drehbuchs, eine konventionelle Geschichte leicht überblickbar vor uns auszubreiten.
Leider ist "Mr. Nobody" bei all der Selbstpositionierung kein sensationeller Film geworden, auch kein besonders intelligenter oder provokanter. Er ist ein abwechselnd faszinierender und ermüdender Rundgang durch ein Museum in Dormaels Kopf, in dem Ideen und Szenerien abgestellt sind, die irgendwann einmal einen großen Film hätten ergeben können.
Die Geschichte ist schnell erzählt, weil sie früh in Möglichkeiten und Varianten zersplittert. Wir sehen Nemo Nobody (Jared Leto), den 118 Jahre alten letzten Sterblichen in einer Zukunftsgesellschaft, die den Tod abgeschafft hat. Verrunzelt, keuchend und desorientiert hat Nemo wie ein betagter Windows-Rechner seine Startschwierigkeiten, Zugriffsprobleme, Datenverwaltungspaniken. Er soll sein Leben erzählen, aber die Kamera führt uns hinein in ein Bildlabyrinth, das sich aus alternativen Entwicklungsmöglichkeiten der Nemo-Biografie aufbaut. Nemo kann Wunsch und Wirklichkeit, Traum und Fakten nicht mehr auseinanderhalten. Vielleicht konnte er das nie. Wir fühlen uns dabei wie ein Korken, den das Meer fortschwemmt. Der Belgier Jaco von Dormael, Jahrgang 1957, hat 1991 "Toto, der Held", einen viel gelobten europäischen Ausnahmefilm, vorgelegt, und 1996 "Der achte Tag", einen würdigen, aber weniger erfolgreichen Nachfolger. Seit damals hat er immer wieder an "Mr. Nobody" gearbeitet, der nun so schlau und schön sein will wie all die nicht gedrehten Filme dieser Jahre zusammen. Aber "Mr. Nobody" scheint nicht vom Mut zum Anspruch getragen, sondern eher von der Furcht vor dem Banalen getrieben.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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