| 08.02 Uhr

Filmstart
"Ein letzter Tango": Ab Donnerstag im Kino

Ein letzter Tango: Geschichte eines Tanzpaars im Kino
Maria Nieves und Juan Carlos Copes tanzten 50 Jahre lang zusammen Tango. FOTO: dpa, kes sab
Düsseldorf. Sie tanzten mehr als 50 Jahre zusammen Tango, sie waren eines der berühmtesten Tanzpaare der Welt. Der Film "Ein letzter Tango", der am Donnerstag ins Kino kommt, zeigt die Geschichte ihrer Liebe und ihres Lebens.

 Sie war 14 und er 17, als sie sich ineinander verliebten. Nach ihrer ersten Begegnung Ende der 40er-Jahre in einem Tanzclub in Buenos Aires tanzten Maria Nieves und Juan Carlos Copes über 50 Jahre lang zusammen Tango. Sie tourten um die Welt, traten am Broadway, in Las Vegas, in Paris auf und wurden weltberühmt. Heute sind sie 81 und 84 Jahre alt und reden schon eine ganze Weile kein Wort mehr miteinander.

Der argentinische Filmemacher German Kral, der an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film studierte und seither in Deutschland und Argentinien zu Hause ist, widmet sich in seiner Dokumentation einem der größten Exportschlager seiner Heimat: dem Tango. Schon mit "Der letzte Applaus" drehte er eine Hommage an diesen Musikstil und begleitete eine Handvoll Tangosänger, die lange Jahre in einer der besten Tango-Bars von Buenos Aires auftraten, nach dem Tod des Besitzers aber in Vergessenheit gerieten.

Tanzpartner trotz Trennung

Auch in "Ein letzter Tango" lässt Kral die Erinnerung an vergangene Zeiten hochleben und macht deutlich, dass Tango für die Protagonisten weit mehr ist als eine Ausdrucksform. Er ist ihr Schicksal.

Obwohl die Liebesbeziehung von Maria Nieves und Juan Carlos Copes bald schwierig wurde und sie sich privat nicht mehr ertragen konnten, blieben als Tanzpartner unzertrennlich - selbst dann noch, als sich Copes in den 70er-Jahren endgültig für eine andere Frau entschied.

Interviews mit Nieves und Copes fanden einzeln statt


Bezeichnenderweise konnten die beiden auch für den Film nur getrennt voneinander interviewt werden. Während Nieves noch heute die widerstreitenden Gefühle ins Gesicht geschrieben stehen, die sie mit Copes verbindet, erinnert sich dieser mit sichtbar größerer Coolness an die gemeinsame Zeit.

Drei Jahre lang besuchte Kral die beiden abwechselnd, sprach mit ihnen zu Hause, im Cafe, im Tanzsaal und an anderen Orten des gemeinsamen Wirkens. Schritt für Schritt gehen sie so die einzelnen Etappen ihres Lebens durch.

Mit Großaufnahmen rückt Kral so nah wie möglich an sie heran, wobei er der redseligeren, emotionaleren Nieves mehr Platz einräumt. Mal zärtlich, mal wütend, mit Tränen in den Augen oder belustigt scheint sie die Vergangenheit noch einmal zu durchleben. Sie nimmt als tragische Heldin für sich ein, die trotz einer Heidenangst für den geliebten Mann waghalsige Tanzfiguren auf winzigen Tischen auszuführen bereit war - eine ihrer berühmtesten Figuren.

Copes äußert sich distanzierter. Durch dieses Nebeneinander von abweichenden Erzählinhalten wird nicht nur von der Vergangenheit berichtet, sondern auch deutlich, wie unterschiedlich Erlebtes verarbeitet und erinnert werden kann.

Tango als getanztes Gefühl

Überhaupt erforscht "Ein letzter Tango" mehr, was die beiden bewegt, als ihre Taten. Tango als getanztes Gefühl, nicht als gefühlvoller Tanz. Entsprechend diskutieren die jungen Tangotänzer, die für den sehenswerten Film Schlüsselmomente aus Nieves' und Copes' Leben nachstellen, deren Beziehung, nicht deren Technik.

Freilich bekommt der Zuschauer auch das Ergebnis ihrer Anstrengungen zu sehen: Tanzszenen, etwa von Nieves' und Copes' erster Begegnung oder später über die zerbrechende Beziehung, erweitern die dokumentarische Ebene. Der Glanz und die großen Gefühle vergangener Zeiten werden in Sepia-Farben und musicalartigen Dekors in Form eines Tangos ausgemalt.

(tak/kna)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Ein letzter Tango: Geschichte eines Tanzpaars im Kino


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.