"True Grit" von Joel und Ethan Coen: Ein Mädchen rächt den Tod des Vaters
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 25.02.2011 - 08:32Düsseldorf (RP). Schon wieder ein sehr guter Film der Gebrüder Joel und Ethan Coen, und der Western "True Grit" bringt einen neuen Aspekt in das Werk dieser Hochbegabten ein: den weiblichen Blick. Ein 14-jähriges Mädchen erzählt die Rache-Geschichte aus der Prärie, und das gab es nicht in Jungsfilmen wie "The Big Lebowski", "No Country For Old Men" und "Oh, Brother Where Art Thou", diese Zärtlichkeit, den Charme. Hier darf man nun Mattie Ross beim Erwachsenwerden zusehen, einem Mädchen, das den Vater verlor und seinen Tod rächen will.
Die Vorlage liefert das Buch "True Grit" von Charles Portis aus den späten 60er Jahren, der Roman gilt heute als Klassiker, der in eine Reihe mit den Endzeit-Epen des Literaturnobelpreis-Anwärters Cormac McCarthy gehört. 1969 wurde der Stoff erstmals verfilmt, John Wayne spielte damals den Marshal Rooster Cogburn, der von Mattie Ross für 100 Dollar angeheuert wird, den Mörder des Vaters zu finden.
John Wayne gewann in dieser Rolle seinen einzigen Oscar, es sah halt toll aus, wie er besoffen vom Pferd fallen konnte. Und auch Jeff Bridges, der in der um einiges wuchtigeren und zugleich witzigeren Neuauflage als abgehalfterter, schießfreudiger und stets gut angetrunkener Banditenjäger zu sehen ist, wurde für den Oscar nominiert.
Mädchen mit echtem Schneid
Die Coen-Brüder bleiben näher am Roman als das 40 Jahre alte Original. Das Mädchen Mattie Ross nimmt es mit den bärtigen Haudegen um sie herum auf, sie stutzt sie mit Worten zurecht, auf sie ist der Titel gemünzt, denn sie hat "true grit", echten Schneid. Sie ist zugleich die Trägerin der Unschuld, und ihre Arglosigkeit zu bewahren, dass nimmt sich Rooster Cogburn vor, wenn auch mit mäßigem Erfolg. Am Ende wird Mattie als Erwachsene zum Publikum sprechen, ihre Sätze künden von Desillusioniertheit, sie ist eine Versehrte, in jeder Hinsicht.
In "True Grit" schwingt der alttestamentarische Ernst von "No Country For Old Men", dem Oscar-Gewinner von 2008. Gewalt bricht plötzlich aus, in Wellen kommt sie über die Handlung und ohne Erbarmen. Der Film verbindet diese Düsternis indes mit einer Heiterkeit, die ans Alberne grenzt – man kennt diesen Wesenszug der Coen-Brüder etwa aus "Burn After Reading". In solchen Momenten nimmt Jeff Bridges die Zügel zwischen die Zähne und reitet mit beiden Händen schießend auf die Verbrecher zu.
Die Landschaft spielt eine große Rolle in diesem Film. In der Stadt ist es heiß und staubig, und als Rooster, das Mädchen und ihr Begleiter LaBoeuf (Matt Damon) sich auf den Weg machen und in die Wildnis vordringen, schneit es, die Kälte beißt zu, im Land der Gesetzlosen ist das Leben schwer. No Country for young girls.
Zu einem Ereignis machen die Dialoge den Film, das ist ein postmoderner Western, der selbstironisch die klassischen Posen aufs Korn nimmt, ohne eine Persiflage zu sein: "Brauchen sie einen guten Anwalt?" – "Ich brauche einen guten Richter." Und: "Warum hängen sie ihn so hoch?" – "Damit er besonders tot ist."
Der beste Film der Coen-Brüder also? Ja – nach "The Big Lebowski", "No Country For Old Men" und "Fargo".
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