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Drama "Maria Larsson": Eine Frau befreit sich

VON BIRTE LÜDEKING - zuletzt aktualisiert: 08.04.2010 - 10:24

(RP). Maria Larsson (Maria Heiskanen) vereint Selbstlosigkeit und Selbstverwirklichung. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Arbeiter in Schweden für mehr Rechte auf die Barrikaden gehen, hat die Mutter von sieben Kindern mit ihrem Alltag zu kämpfen.

Ihr alkoholkranker und gewalttätiger Ehemann (Mikael Persbrandt) ist Gelegenheitsarbeiter am Hafen und vertrinkt den Großteil seines geringen Lohns in den Kneipen. Eine in der Lotterie gewonnene Fotokamera entpuppt sich für Maria nicht nur finanziell als Glückslos. Sie bietet der bescheidenen Frau die Chance, ihrem Leben eine neue Perspektive zu verleihen und Schönheit inmitten von Trostlosigkeit zu kreieren. Zunächst fotografiert Maria heimlich, dann wagt sie Porträts von Nachbarn, und schließlich verkauft sie Bilder an die Lokalzeitung. Ihr Ehemann beäugt den wachsenden beruflichen Erfolg mit ebensolcher Eifersucht und Missbilligung wie ihr enges Verhältnis zum Fotografen Pedersen (Jesper Christensen), der mehr als nur an Marias Talent Interesse zeigt.

Der renommierte schwedische Regisseur Jan Troell ("Emigranten") entwirft mit seinem differenzierten Frauenporträt gleichzeitig ein komplexes Gesellschaftsbild und umfassendes Geschichtsdrama. Marias persönliche Entwicklung wird von Schwedens sozialen und politischen Umbrüchen begleitet, ihre zaghafte Emanzipation steht stellvertretend für den beginnenden Geschlechterrollenwandel der Zeit. Troells Figuren sind aber mehr als Demonstrationsobjekte. Sie besitzen Ecken und Kanten und eine Vielschichtigkeit, die selbst den prügelnden Ehemann nicht auf den Schurken reduziert.

Wie viele von Troells früheren Werken ist sein aktueller, mehrfach preisgekrönter Film zutiefst humanistisch, und wie seine weibliche Hauptfigur strahlen die fein komponierten Bilder und der langsame Erzählrhythmus eine einnehmende, uneitle Zurückhaltung aus. Das Drama lässt sich viel Zeit für seine Charaktere und gewährt dem Zuschauer genaue Einblicke in ihr Milieu und ihre Gefühlswelt. "Nicht jeder besitzt die Gabe zu sehen", heißt es in einer Szene. Der 78-jährige Regisseur beweist mit der präzisen Inszenierung, dass er seine nicht verloren hat.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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