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"Eine zauberhafte Nanny" mit Emma Thompson: Einsatz bei den Bauernhof-Gören

VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 01.04.2010 - 08:48

(RP). In "Eine zauberhafte Nanny" spielt Emma Thompson zum zweiten Mal eine hexenhafte Erzieherin, die einer alleinerziehenden Mutter mit Magie hilft, ihre Kinder zu bändigen. Diesmal spielt die Geschichte während des Zweiten Weltkriegs und ist bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt.

"Ich bin Nanny McPhee. Wie ich gehört habe, wart ihr ungezogen", sagt das gestrenge Kindermädchen Emma Thompson mit bedrohlichem Blick. Schon diese wenigen, harsch ausgesprochenen Worte müssten eigentlich genügen, um vor der hexenhaften Erzieherin mit der dicken Knollennase, der riesigen Kinnwarze und dem knorrigen Zauberstock stramm zu stehen. Nicht so die drei widerspenstigen Kinder der armen Mrs. Green (Maggie Gyllenhaal), die ihrer Mutter das Leben schwer machen, seit der Vater als Soldat in den Zweiten Weltkrieg gezogen ist und seine Frau mit der verschuldeten Farm allein gelassen hat.

Zusätzlich nerven noch die Nichte und der Neffe, die auf den Bauernhof geschickt wurden, weil in London Bomben fallen, sowie der schmierige Schwager (Rhys Ifans), der auf den Verkauf des Familienbesitzes spekuliert, um seine Spielschulden zu begleichen. Natürlich bekommen sich die rotzfrechen Landkinder und die hochnäsigen Stadtschnösel sofort in die Haare.

Da hilft eben nur noch Nanny McPhee, die eines stürmischen Abends ganz in Schwarz gewandet vor der Tür steht, um diesen Krieg der Knöpfe mit ihren magischen Kräften zu beenden. Die Kinder sind wenig begeistert und versuchen mit ihren Streichen, die unerwünschte wie unansehnliche Aufpasserin schnell wieder loszuwerden. Dass aber die unerschütterliche Furie die Rasselbande zähmen und den frechen Zöglingen zeigen wird, wie elementar autoritäre Erziehung funktioniert, ahnt jeder, der bereits den ersten Film gesehen hat.

Schon 2005 eilte die schrullig schauderhafte Nanny mit ihrem fliegenden Motorrad herbei und griff dem völlig verzweifelten Colin Firth als Witwer mit sieben Kindern unter die Arme. Was schon da an dieser etwas morbiden Mary-Poppins-Variante aus britischer Backstube gefiel, war die Fabulierfreude, mit der die Macher die Figuren und die Handlungsmotive grotesk überzeichneten. Das war damals ein wunderbarer Kinderfilm, fast im absurd verschrobenen Stil von Roald Dahl ("Hexen hexen"), bisweilen makaber und immer sehr british. Hauptdarstellerin Emma Thompson hat auch diesmal wieder das Drehbuch verfasst. Da sie aber bereits vor fünf Jahren alle Ideen aus den drei "Nurse-Mathilda"-Büchern der 1988 verstorbenen Schriftstellerin Christianna Brand verbraucht hatte, musste sie sich für die Fortsetzung eine andere Story ausdenken, die nun etwa einhundert Jahre später spielt, aber trotzdem ähnlich geblieben ist.

Denn erzählerisch und mit all seinen Zutaten knüpft der Aufguss an den Vorgängerfilm an: Erneut ist ein alleinerziehendes Elternteil nicht nur mit der Erziehung der Kinder überfordert, sondern wird auch von einem fiesen Verwandten schikaniert, und wieder setzt die resolute Babysitterin ihre magischen Kräfte ein, um dem trotzigen Nachwuchs fünf Lektionen fürs Leben zu erteilen, wobei sie selbst Stück für Stück ihre Hässlichkeit verliert.

So lebt diese im Grunde vorhersehbare Geschichte, die nichts anderes als ein Remake ist, vor allem von ihren teils witzigen Slapstickszenen, der liebevoll arrangierten Ausstattung und dem bis in die kleinste Nebenrolle markanten Darstellerensemble. Allen voran Emma Thompson, die in der Rolle des kratzbürstigen aber gruselguten Schreckgepensts, das sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, sichtlich aufgeht. Aber auch der Rest der Besetzung bietet solide Schauspielkunst, von Maggie Smith als betagter Ladenbesitzerin über Ralph Fiennes als rechthaberischem Lord bis hin zu Ewan McGregor als scheinbar verschollenem Vater.

Gelungen ist ebenfalls das Set- und Kostümdesign, das in nostalgischem Charme schwelgt und manchmal so antiquiert aussieht, als säße man in einer Dickens-Verfilmung. Wären da nicht die bisweilen übertriebenen Einsätze digitaler Tricktechnik. Eine ganze Sequenz steht exemplarisch dafür, dass selbst der scheinbar altmodische Kinderfilm nicht mehr ohne Spezialeffekte auskommt.

Wenn Nanny McPhee kleine Ferkel fliegen und sie gleichdrauf in einem Teich Pirouetten drehen lässt wie ein Synchron-Schwimmbalett, wirkt das zwar putzig, aber des Guten zuviel. Da fühlt man sich eher an Hollywoods "Schweinchen Babe" erinnert als an ein Märchen aus vergangener Zeit.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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