Film-Kritik: Elementarteilchen: Starke Mimen, schwacher Film
zuletzt aktualisiert: 20.02.2006 - 11:00Regisseur Oskar Roehler ist der Meinung, dass man dem Kinopublikum nicht dasselbe präsentieren kann wie dem Leser eines Buches. Bei einem Film wie "Elementarteilchen", der sich auf die Romanvorlage des französischen Autors Michel Houellebecq stützt, ist allerdings fraglich, ob dieser Grundsatz richtig ist. Denn dem Film fehlt die krasse Gegensätzlichkeit von Pornografie und Moral, die den Roman auszeichnet. Dem Film mangelt es zwar nicht an Starbesetzung, aber obwohl Roehler die Romanvorlage sehr schätzt, hat er aus "Elementarteilchen" einen eher beliebigen Liebesfilm gemacht.
"Elementarteilchen" schildert das Leben zweier Halbbrüder, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Sie haben eine ausgeflippte Hippie-Mutter (Nina Hoss), die sie als kleine Kinder weggab, weil sie ihrem libertinären Lebensstil im Wege standen. Der introvertierte Molekularbiologe Michael (Christian Ulmen) beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Abschaffung des menschlichen Sexualtriebes. Sein verheirateter Bruder Bruno (Moritz Bleibtreu) ist Lehrer und sucht sein Glück in der Jagd nach schnellem Sex außerhalb seiner Ehe.
Während der Roman die nach sexueller Freizügigkeit suchende Generation der 68er für den moralischen Werteverfall der Gesellschaft verantwortlich macht, lässt Roehler diese zentrale These der Vorlage unter den Tisch fallen. Die Hippie-Mutter kommt erstaunlich gut weg. Sie ist zwar für die sexuellen Neurosen ihrer Sprösslinge verantwortlich, doch sie ist hübsch und flott, da macht das nichts.
Keusche Liebe und sexuelle Obsession
Ganz unverhofft begegnen die beiden Brüder dann der Frau ihres Lebens: Für Michael ist es Annabelle (Franka Potente), mit der ihn schon zu Jugendzeiten eine keusche Liebe verband. Für Bruno ist es Christine (Martina Gedeck), die seine sexuellen Obsessionen teilt, ihn mit Swinger-Clubs bekannt macht und ebenso wie Bruno häufig und wahllos wechselnde Sexpartner hat.
Großartig in dieser German-Allstars-Schauspielerriege ist Martina Gedeck als vom Leben gezeichnete Christine. Ohne jede Scheu vor billiger Hässlichkeit in Latex und Strapsen meistert sie die Rolle. Die Schauspielerin hatte keine Probleme mit den freizügigen Sexszenen. "Ich hatte selten so wenig Berührungsängste mit einer Figur wie in diesem Film", sagt die 44-Jährige, gegen die ihre rund zehn Jahre jüngeren Schauspielerkollegen Bleibtreu und Ulmen blass aussehen.
Auch das tief pessimistische Resümee des Romans wollte Roehler dem Kinozuschauer nicht zumuten. Und so gesteht er zumindest Michael, anders als es die Romanvorlage tut, ein halbwegs versöhnliches Ende zu. Bruno dagegen verliert seine Christine ebenso rasch wie er sie gefunden hatte, und spätestens hier hat der Film überhaupt nichts mehr mit dem großartigen Roman des Ausnahmeschriftstellers Houellebecq zu tun.
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