Episodenfilm "New York, I Love You": Elf Regisseure blicken auf New York
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010 - 03:05(RP). Paris hat es schon hinter sich. Der Stadt der Liebe haben 2006 gleich 18 Regisseure eine filmische Liebeserklärung gemacht in dem Episodenwerk "Paris je t'aime". Nun legen dieselben Produzenten eine neue Kurzfilmsammlung vor. Diesmal geht es um New York, nur elf Regisseure erzählen jeweils eine Liebegeschichte, die in der schlaflosen Stadt spielt, ansonsten sind die Regeln dieselben wie beim Parisprojekt: Die Filmemacher durften nur zwei Tage drehen, nicht mehr als sieben Tage schneiden und mussten alle dieselbe Filmcrew einsetzen. Vor allem die letzte Regel ist klug, haben die Episoden so immerhin ähnliche Anmutungen und fließen überraschend bruchlos ineinander, so unterschiedlich sie inhaltlich auch sind.
So kann man nun nicht nur beobachten, wie New Yorker Stadtteile wie die Upper East Side, Soho oder Greenwich Village den Geschichten unverwechselbare Farbe geben. Es sind auch einige sehr anrührende kurze Filme über die Liebe gelungen. Der eleganteste ist wohl von Shekhar Kapur. Der indische Regisseur erzählt die Geschichte einer Opernsängerin, die in einem gediegenen alten Hotel in Manhattan absteigt. Etwas unsagbar Trauriges umgibt die alte Diva, gespielt von Julie Christie. Doch noch melancholischer wirkt der Hotelpage (Shia LaBeouf), der sie auf ihr Zimmer bringt, ihr Blumen besorgt, den Champagner öffnet. Die Episode mündet leicht wie der Vorhang, der in diesem Hotelzimmer weht, in eine tragische Pointe. Ein kleines Meisterwerk, das Anthony Minghella geschrieben hat und eigentlich auch drehen wollte. Er starb noch vor den Dreharbeiten, so ist ihm der gesamte New-York-Film nun gewidmet.
Rauer, doch auf diese ruppige Weise ebenfalls poetisch, ist die Episode von Fatih Akin gelungen. Man erkennt die Handschrift des Regisseurs sofort, sieht man nur einen melancholisch-mürrischen Mann (Ugur Yücel) in einem Taxi durch New York fahren. Dass er Maler ist, wird man später verstehen und eine junge Chinesin kennen lernen, die in einem dieser Chinatown-Kramläden an der Kasse sitzt und die Aufmerksamkeit des Malers erregt. Viel mehr geschieht nicht, es fallen nicht viele Worte, aber in kaum einer der Episoden ist die Atmosphäre eines Stadtteils so spürbar wie bei Akin.
Es wirken viele berühmte Darsteller mit in diesen New-York-Variationen: Orlando Bloom, Andy Garcia, Ethan Hawke, Christina Ricci etwa. Außerdem gibt Natalie Portman ihr Debüt als Regisseurin mit einer eher schwachen Geschichte über einen Tänzer, dunkler Hautfarbe, der im Park auf ein weißes Mädchen aufpasst. Der Clou dieses Stückes ist so vorhersehbar wie plump, doch das ist die Ausnahme. Geschichten über einen jungen Mann, der ein gelähmtes Mädchen zum Abschlussball ausführen soll oder über einen Charmeur, der bei einer Zigarette vor dem Restaurant die falsche Frau anspricht, enden durchaus mit Pointe. Auch nicht völlig überraschend, aber amüsant.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






