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Kinofilm "Elser"
Georg Elser – er wollte Hitler töten

Szenenbilder aus "Elser"
Szenenbilder aus "Elser" FOTO: dpa, mbk sab
Düsseldorf. Am 8. November 1939 verübte Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller ein Attentat auf Hitler - und scheiterte. Nun hat Oliver Hirschbiegel einen Film über den Mann gedreht, der ganz allein den Lauf der Geschichte aufhalten wollte. Von Dorothee Krings

Er war ein einfacher Tischler im Württembergischen, einer von den kleinen Leuten, die doch eigentlich glauben, dass sie nichts tun können gegen die da oben. Georg Elser glaubte das nicht. Dabei erlebte der junge Kommunist, mit welcher Brutalität die Nazis gegen ideologische Gegner vorgingen. Er ahnte, dass der Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen nur ein Schritt sein würde hin zum Weltkrieg. Doch er fühlte, dass ein Leben ohne Freiheit vergeudet ist. Darum wollte er für die Freiheit kämpfen.

So plante Elser ein Attentat auf den Führer, schuftete im Steinbruch, um an Sprengstoff zu gelangen, baute eine Bombe, versteckte sie im Münchner Bürgerbräukeller und war sich so sicher, dass ein Mensch den Lauf der Geschichte aufhalten könnte, dass er noch verräterische Materialien in der Tasche trug, als er aus Deutschland flüchtete - und man ihn festnahm.

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Hitler und ein großer Teil der NS-Führungsspitze hatte die Versammlung in München 13 Minuten früher verlassen als geplant. Die Bombe hatte andere getroffen. Und die Geschichte nahm ihren Lauf. Am 9. April 1945 wurde Georg Elser im Konzentrationslager Dachau erschossen.

Lange Zeit hat sich Deutschland schwer getan mit dem Hitler-Attentäter Elser, mit dem Handwerker und kämpferischen Kommunisten, mit der ungeheuren Zivilcourage eines Mannes, der Gewalt unter bestimmten Bedingungen für ein rechtes Mittel hielt, um ein barbarisches Regime aufzuhalten, und tragisch scheiterte. Nun hat auch Regisseur Oliver Hirschbiegel den einsamen Widerstandskämpfer entdeckt und erzählt in "Elser" von dessen Leben - in Rückblenden.

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Hirschbiegel macht aus den historischen Ereignissen also keinen Thriller, an dessen Ende das verfehlte Attentat steht, sondern stellt die viel spannendere Frage, wer Elser eigentlich war. Und was ihn zu einem derart couragierten Menschen gemacht hat. So sensibel ist Hirschbiegel nicht immer vorgegangen. In seinem Film "Der Untergang" aus dem Jahr 2004 kroch er zu Hitler in den Bunker, erzählte mit irritierender Nähe von den letzten Tagen des Diktators, machte aus Hitler so unfreiwillig einen Helden, der nicht aufgeben mochte, und zelebrierte allzu großartig den Niedergang.

Diesmal inszeniert er mit weniger Bombast und mehr Gespür für den historischen Kontext seiner Geschichte. Der Zuschauer erlebt den lebensfrohen Elser aus der Vorkriegszeit, der gern Zither spielt, mit den Freunden in die Natur wandert, gut ankommt bei den Frauen. Ein Lebemann, aber einer von der grüblerischen Sorte. Der Alltag des Handwerksburschen verändert sich grundlegend, als die wirtschaftliche Lage ihn zwingt, zu seinen Eltern ins Württembergische Königsbronn zurückzukehren. Er arbeitet in einer Armaturenfabrik, bekommt dort mit, wie Deutschland sich für einen großen Krieg rüstet. Von da an lässt ihn der Gedanke nicht mehr los, dass jemand einschreiten müsste. - Dass er einschreiten muss, wenn es sonst niemand tut.

Die Akribie, mit der Elser seinen Plan verfolgte, zeichnet Hirschbiegel sorgsam nach. Und mit Christian Friedel hat er einen Hauptdarsteller, der die Vielschichtigkeit eines Charakters, von dem man im Grunde wenig weiß, darstellen kann. Friedel macht Elser weder zum Sympathling noch zum verstockten Fanatiker. Er lässt ihm ein paar Sprödigkeiten, ein paar Widersprüche und formt so einen wahrhaftigen Helden, den eine schlichte Einsicht nicht mehr loslässt: dass der Einzelne etwas tun kann.

Dass Widerstand einen Preis hat - wie hoch er für ihn sein würde, ahnt der Elser in Hirschbiegels Film nicht. Die Nazis foltern den Attentäter, lange glauben sie ihm die Einzeltäterschaft nicht, und Elser muss mit dem Wissen weiterleben, dass er nicht den Tyrannen ermordete, sondern Menschen, die noch im Bürgerbräukeller saßen. Doch für dieses Drama interessiert sich Hirschbiegel weniger. Lieber setzt er drastisch die Foltermethoden der Nazis in Szene, pflegt da wieder jenen effekthascherischen Realismus wie schon in "Der Untergang". Doch ansonsten baut er solide die Biografie eines Mannes nach, der ein unauffälliger Tischler geblieben wäre, hätte er sich nicht persönlich verantwortlich gefühlt für den Lauf der Geschichte.

Elser hat diese Verantwortung angenommen, er hat sein ganzes Wissen und Können aufgeboten, um einen Tyrannen aufzuhalten, und das persönliche Risiko getragen. Das macht ihn zu einem außergewöhnlichen Menschen. Zu einem Vorbild, zu einem Helden.

Quelle: RP
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