Komödie "17 again": Ewig in der Pubertät
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 14.05.2009 - 10:54(RP). Die Komödie "17 again" erzählt von einem Mann, der mitten in der Berufs-, Ehe- und Familienkrise die Chance erhält, noch einmal von vorn zu beginnen: als Jugendlicher. Eine absurde Geschichte, die nur ein Ziel kennt: Teenie-Star Zac Efron attraktiv in Szene zu setzen.
Das Publikum von heute ist ungeduldig, man muss es gleich in den ersten Sekunden fesseln. Rein ins Geschehen – mit dem Höhepunkt anfangen und sich dann steigern. Deshalb beginnt fast jeder historische Kriegsfilm mit einer Schlacht. Und eine Teeniekomödie mit Zac Efron darf keine Zeit an Nebenfiguren verschwenden; die Fans wollen möglichst schnell den Star sehen. Ohne Hemd, wenn es geht.
In "17 Again" verkörpert Efron den High-School-Athleten Mike O'Donnell, der in der Turnhalle Basketball trainiert und einem wichtigen Spiel entgegenfiebert. Sein Körper wirkt aufgepumpt und dazu noch eingeölt wie vor einer Bodybuilder-Meisterschaft; das ist natürlich albern und unlogisch, aber das Publikum bekommt etwas zu sehen für sein Geld.
Dann der Schock: Mikes Freundin wird schwanger, das Paar heiratet, die Handlung macht einen Sprung von 1989 in die Gegenwart – und das heißt: Zac Efron ist weg! Schlimmer noch: Kein Brad Pitt verkörpert ihn als reifen Mann, sondern der tapsige, trottelige Matthew Perry aus der Serie "Friends". Ihm fällt die undankbare Aufgabe zu, Mike als Versager zu spielen: erfolglos im Beruf, die Ehefrau genervt von seiner Untätigkeit, drohende Scheidung. Er wäre gern noch einmal 17. Ein Zaubertrick macht es möglich. Hauptsache, Zac Efron ist wieder da.
Was nun passiert, ist für eine biedere Teenie-Komödie ganz schön gewagt. Der verjüngte Mike geht wieder zur Schule, und zwar in eine Klasse mit seiner eigenen Tochter. Maggie (Michelle Trachtenberg) schwärmt natürlich für den Neuling, das könnte zu einem Inzest führen. Die Tochter stellt den Vater ihrer Mutter Scarlett (Leslie Mann) vor; das ist die Frau, die sich von Mike scheiden lassen will und auf der Suche nach einem neuen Sexabenteuer ist. Hier droht ein symbolischer Tante-Neffe-Inzest, denn Mike behauptet – um seine Ähnlichkeit mit dem Mike von früher zu erklären – , er sei der Sohn von Mikes Bruder.
In der Schule fällt er sofort auf, weil er längst verloren geglaubte Werte vertritt. Er hat bessere Manieren als die anderen, kleidet sich stilvoller, und er propagiert sexuelle Abstinenz. Das ist vielleicht der Schlüsselmoment des Films. Mitten im Unterricht erklärt Mike, er müsse eine Frau erst lieben, um mit ihr schlafen zu können. Und die Mitschülerinnen lachen ihn nicht aus, sondern sind hingerissen. Ihnen wird schlagartig bewusst, wie sittenlos sie sich bisher verhalten haben.
Zac Efron musste sich für diese Predigt nicht verstellen. Er ist selbst bekennender Multi-Abstinenzler: kein Alkohol, keine Drogen, kein Sex vor der Ehe. Von Ehe ist überhaupt erst einmal nicht die Rede, weder bei ihm privat – er ist angeblich keusch mit der Kollegin Vanessa Hudgins befreundet – noch im Film. "17 Again" ist ein Plädoyer gegen die Ehe, das Kinderkriegen, die Berufstätigkeit, ja überhaupt gegen jede Form von Verantwortung. Ein Plädoyer dafür, ewig 17 zu bleiben.
Eine traurige Botschaft, sollte man meinen, aber in den USA landete "17 Again" auf Anhieb an der Spitze der Kino-Charts. Um das Einkommen der Hauptbeteiligten muss man sich also keine Sorgen machen; um ihre künstlerische Zukunft schon. Der Regisseur Burr Steers galt nach der schwarzen Komödie "Igby Goes Down" (2002) als vielversprechendes Talent mit einer eigenen Note. Von der ist in "17 Again" nichts zu spüren. Außer Zac Efron hat der Film keine Attraktion zu bieten. Und selbst die hat ihr Haltbarkeitsdatum bald überschritten.
Zac Efron sollte sich ein Beispiel an Johnny Depp und Leonardo DiCaprio nehmen, die haben rechtzeitig gegen ihr Teenie-Image gekämpft. Efron muss ja nicht gleich einen Serienmörder spielen. Aber die Unschuld, die er ausstrahlen will, wirkt unecht, ja einfältig.
Bewertung: 2 von 5 Sternen
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