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Kino-Kritik: Familiendrama im DDR-Design

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 18.09.2008 - 10:01

Düsseldorf (RP). Das soll die Freiheit sein? Irene und Dieter Striesow sind 1961 aus der DDR geflohen. Aber sieben Jahre später verbarrikadiert sich Irene (Katharina Schubert) mit ihren drei Kindern am liebsten zuhause, hat Angst vor dem Krieg und der Welt auf der Straße, kommt mit dem Konsum nicht klar.

Szene aus "Friedliche Zeiten".  Foto: Kinowelt
Szene aus "Friedliche Zeiten". Foto: Kinowelt

Die Mutter hat die DDR noch im Kopf, aber keine DDR mehr um sich herum. Das ist für sie schlimmer als die Enge in ihrem Leben zuvor. Mit Dieter (Oliver Stokowski), der täglich raus muss zur Arbeit, der sich angepasst hat, gibt es regelmäßig Streit.

Das erzählt Neele Vollmar in „Friedliche Zeiten“ eher als Komödie der Marotten denn als Studie der Verängstigung, als skurrilen kleinen Familiendampfkesselunfall. Die Kinder nehmen alle Klagen und Schimpfereien der Eltern wortwörtlich und arbeiten nun naiv intrigant auf die Scheidung hin, damit die beiden einander nicht umbringen.

Die Wirren der Gefühle, unsere Unfähigkeit, in den Griff zu bekommen, was loszulassen wir uns gar nicht vorstellen können, die Tarnfarbengleichheit von Banalität und Existenziellem im bürgerlichen Heldenleben hat Vollmar in ihrem Debütfilm „Urlaub vom Leben“ sympathischer geschildert.

„Friedliche Zeiten“ wäre zwar gerne warmherzig menschennah. Aber sein Mix aus Charakterkarikatur und sorgsamer Nachstellung der Alltagsdekors von damals, von Tapeten, Klamotten, Nippes, rückt ihn in die Nähe der Clubs Marke Retro- Lounge, wo man vor grün-orangener Rhombentapete auf der schleiflackweißen Wega-Kompaktanlage selbst eine James-Last-Vinyl-LP auflegen darf. Ein wenig gerät der Film zum Design-Panoptikum, und wie in der Loungekultur wird die Grenze zwischen Huldigung und Mokanz ein wenig diffus.

Im Ungenauen, Weichen von „Friedliche Zeiten“ versteckt sich ein symptomatischer Konflikt. Die Jüngeren entdecken derzeit deutsche Geschichte, Erschütterungen, Verwundungen als interessantes Erbe. Neele Vollmar, Jahrgang 1978, greift die Entwurzelung von DDRFlüchtlingen heraus, scheint dann aber vor sich selbst zu erschrecken und rückt alles in die Distanz des milde Albernen, als hielte sie ernstliches Erzählen von den Verwundungen für pure Anmaßung einer Nachgeborenen.


 
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