"Viel passiert - Der BAP-Film": Fast ein Heimatfilm: Wim Wenders Hommage an BAP
zuletzt aktualisiert: 04.03.2002 - 10:28Frankfurt/Main (rpo). Weil er "endlich mal verstehen wollte, was der singt", behauptet Wim Wenders, habe er einen Musik-Dokumentarfilm über Wolfgang Niedecken und die Kölschrock-Band BAP gedreht. Bei den Dreharbeiten zu "Viel passiert - Der BAP-Film" entdeckten beide ihre Seelenverwandtschaft.
"Bap", wie Niedeckens Spitzname seit jeher lautet, erfuhr durch die angelsächsischen Musikimporte der Nachkriegszeit den entscheidenden "Kick". Elvis, die Beatles, Kinks, Rolling Stones und Bob Dylan waren die musikalischen Wegbegleiter des ehemaligen Kunststudenten, und noch heute besitzt die Band einen ausklappbaren Hausaltar, der bestückt ist mit Fotos der Bandheiligen Bob Dylan, Ron Wood und Keith Richards. Seinen ersten kölschen Blues komponierte Niedecken ausgehend von zwei Akkorden aus Neil Youngs "Cowgirl in the Sand". Und nachdem er Wolf Biermann gehört hatte, kam er auf die Idee, Rockmusik mit umgangssprachlichen Texten zu machen.
BAP ist Wolfgang Niedecken, daran lässt der Film kein Zweifel. Seit 1976 existiert die Band in wechselnder Besetzung - nur Niedecken, Urgestein des Deutschrocks, war von Anfang an dabei. In einer assoziativen Collage aus Kölner Impressionen, Archivfotos, Nachrichtenbildern, Interviewschnipseln Konzertmitschnitten quer durch die Bandgeschichte verfolgt der Film Niedeckens Werdegang, unterlegt mit seinem Off-Kommentar.
Daneben gibt es, durchaus mitreißend, BAP-Songs in verschiedenen Live-Versionen und im Abstand von mehreren Jahren zu hören - aber kein Wort zum Weggang der jeweiligen Bandmitglieder, nur gelegentliche Streiflichter über die jetzigen BAP-Musiker.
Wim Wenders versieht diese lockere chronologische Abfolge mit einen prätentiösen Rahmen: Weil "Wolfgangs Songs wie kleine Filme sind", so erzählt Wim Wenders nach der Uraufführung des Films auf der Berlinale, dient das nostalgische Programmkino "Lichtburg" in Essen als "Tankstelle" für die Niedeck'schen Erinnerungen. Poetisch gemeinte Szenenauftritte der Schauspieler Joachim Król als Filmvorführer und Marie Bäumer als Zigarettenmädchen sollen Verbindungen zwischen den musikalischen Impressionen schaffen.
Wenders' neuer Musikfilm ist längst nicht so faszinierend wie sein Kassenknüller "Buena Vista Social Club" - auch, weil die Musik von BAP zu wenig hergibt. Seit ihrem Hit "Verdamp lang her" aus dem Jahre 1982, der die Band bundesweit bekannt machte, hat BAP sich musikalisch kaum weiterentwickelt. Niedecken hat klugerweise stets darauf bestanden, kölsch zu singen, weil "die Band sonst auswechselbar wäre".
Deutlich wird, wie sehr die Songs von seiner Autobiografie geprägt sind und dass sein "Blues", im Dialekt ausgedrückt, viel unmittelbarer und bewegender wirkt als durch den Filter des Hochdeutschen. Dabei, so verrät Niedecken, ist sein Kölsch halb durch Eifler Dialekt geprägt und auch für Eingeborene oft nicht verständlich. Das Kölsche Idiom stellt sich zumindest im Film ein wenig als Ersatzreligion dar, in die jeder etwas anderes hinein interpretiert. So entdeckt der Rheinländer Heinrich Böll im Gespräch mit Niedecken "etwas Rebellisches" im Kölner Dialekt.
Nur halb ironisch nennt Wenders sein Niedecken-Porträt einen "Heimatfilm" und steuert eine hübsche Episode bei: BAP hat er erst in der Fremde kennen- und lieben gelernt - als ihm sein Bruder Musikkassetten ins sonnige Kalifornien schickte, wo Wenders einige Jahre lebte. Beim Hören von Niedeckens melancholischen Liedern aus dem grauen Köln hat ihn das "kölsche Gefühl" dann erwischt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






