Drama "Sturm" von Hans-Christian Schmid: Faule Kompromisse
VON BIRTE LÜDEKING - zuletzt aktualisiert: 10.09.2009 - 09:29(RP). Regisseur Hans-Christian Schmid gibt der Maschinerie des Den Haager Kriegsverbrechertribunals ein Gesicht. Oder vielmehr zwei ausdrucksstarke Gesichter: das der Anklägerin Hannah Maynard (Kerry Fox) und das ihrer Zeugin Mira Arendt (Anamaria Marinca).
Der neue Kinofilm "Sturm" von Hans-Christian Schmid läuft seit dem 10. September 2009 in deutschen Kinos.
Deutschland/Dänemark/ Niederlande 2009
103 Minuten
Regisseur: Hans-Christian Schmid
Darsteller: Kerry Fox, Anamaria Marica, Stepehn Dillane
Verleih: Piffl
Durch die Konflikte und Kämpfe der beiden Frauen wird dem Zuschauer klar, wie kompliziert und bürokratisch der Internationale Gerichtshof die Verbrechen im ehemaligen Jugoslawien verhandelt. Die Leiden der Opfer treten in den Hintergrund. "Ein Prozess ist keine Therapie", heißt es in einer Szene. Dass das Tribunal 2010 seine Arbeit endgültig einstellen wird, trotz zahlreicher offener Verfahren und ungefasster Kriegsverbrecher, verleiht Schmids engagiertem Politdrama Aktualität und Relevanz.
Große Schlagzeilen machte im Juli 2008 die Festnahme des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadic, dessen Prozess am 19. Oktober beginnen soll. "Sturm" wirft mittels der Anklage des fiktiven Kriegsverbrechers Goran Duric einen fast dokumentarisch genauen Blick hinter solche Schlagzeilen und zeigt, mit welchen juristischen Kniffen ein Prozess in Den Haag geführt und manchmal zum Scheitern gebracht wird. Die Handlung konzentriert sich dabei auf die Figuren, gerät nicht ins Fachsimpeln und macht hochkomplexe Vorgänge so greifbar.
In Schmids erster internationaler Produktion nach "Lichter" (2003) und "Requiem" (2006) droht die Lüge eines Zeugen den Prozess gegen Goran Duric zu beenden. Der Zeuge bringt sich um, nachdem ihn Hannah Maynard zur Rede gestellt hat. Auf seiner Beerdigung lernt sie seine Schwester Mira kennen, die ein serbisches Vergewaltigungslager überlebt hat und an ihre Erlebnisse nicht erinnert werden möchte. Trotzdem kann Hannah sie zu einer Aussage gegen Duric überreden, was die Zeugin nicht nur mit faulen Kompromissen am Gerichtshof konfrontiert, sondern auch mit Drohungen von Durics einflussreichen Bekannten.
Der Regisseur verknüpft zwar klassische Elemente des Politthrillers und Gerichtsdramas, findet aber einen eigenen, sensiblen Erzählton, der bewegt und fesselt.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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