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"Fletch – Der Troublemaker"
Ein Wiedersehen mit Chevy Chase

"Fletch – Der Troublemaker im Kino: Ein Wiedersehen mit Chevy Chase
Das Komiker-Gesicht der 1980er Jahre: Chevy Chase. FOTO: Koch Media
Düsseldorf. "Fletch – Der Troublemaker" gibt es erstmals auf Blu-ray. Der Film ist einer der bekanntesten Titel des größten Clowns der 80er Jahre. Unser Autor liebt den Film. Aus mehreren Gründen. Von Philipp Holstein

Wie waren 15 oder 16 damals, und ich verbrachte fast jeden Sonntagnachmittag bei Uwe. Er wohnte mit seinem Vater zusammen, aber der war meistens nicht da. Also schauten wir alleine Filme im Wohnzimmer, das war ohnehin besser. Uwe hatte einige Videokassetten, vor allem Komödien mit John Candy, Steve Martin und Chevy Chase. Manchmal arbeiteten wir bei diesen Treffen die Partys des Vorabends auf, Uwe liegend auf dem einen Ledersofa, ich sitzend auf dem anderen, aber meistens schauten wir bloß zu und lachten, obwohl wir das alles schon so viele Male gesehen hatten: "Caddyshack", "Ich glaub', mich knutscht ein Elch", "Die schrillen Vier auf Achse", "Der Mann mit den zwei Gehirnen", "Fletch – Der Troublemaker".

31 Jahre nach der Kino-Premiere

Den letztgenannten Titel gibt es nun auf Blu-ray, 31 Jahre nach seiner Kino-Premiere – man ist offenbar der Meinung, dass man ihn für die Nachwelt erhalten muss. Ich habe ihn mir denn auch noch einmal angesehen. Komödien, dachte ich dabei, sind vielleicht noch stärker als Dramen Ausdruck des Zeitgeists. Komödien wirken wie Zeitschriften, ihr Verfallsdatum ist schneller erreicht, und bei "Fletch" wundert man sich heute, warum sein Hauptdarsteller Chevy Chase einst derart populär war. Manchmal verzieht er eine Miene, meistens aber nicht, und als ihn im Film ein reicher Mann in den Salon seiner Villa führt, sagt Chase: "Sie haben die Garage renoviert. Gute Idee."

Wir mochten den Film sehr, Uwe konnte die Dialoge mitsprechen. Chevy Chase spielt einen Undercover-Journalisten, der in einer Drogensache ermittelt. Dann heuert ihn ein zwielichtiger Typ an, der umgebracht werden möchte. Der Mann denkt natürlich, Chase wäre ein Junkie, und seinen Tod will er nur vortäuschen, um die Versicherung zu betrügen. Mehr muss man nicht wissen, der Höhepunkt des Films ist ohnehin der Auftritt eines unglaublich schönen Jaguar Coupés. Das Drehbuch sieht für Chase mehrere alberne Maskierungen vor, einmal trägt er einen Arztkittel und wird versehentlich zu einer Untersuchung gerufen. "Haben Sie schon mal eine Milz von dieser Größe gesehen?", fragt der echte Arzt. "Seit dem Frühstück nicht mehr", antwortet Chase. Ein anderes Mal ist er Basketball-Spieler bei den L. A. Lakers; er trägt eine absurde Afro-Perücke und ich weiß noch, dass wir die folgende Textstelle verdammt lustig fanden: "Er ist 1,05 Meter groß. Mit Frisur 2,02 Meter."

Chevy Chase als Fletch. FOTO: Koch Media

Warmherzige Seelenruhe

Das ist Klamauk, Slapstick, aber immer warmherzig und von jener Seelenruhe, die sich aus einem grundsätzlichen Einverstandensein mit der Welt ergibt. Chase ist ja bis heute als Familienvater Clark W. Griswold sehr beliebt; "Schöne Bescherung" kann man sich jedes Jahr zu Weihnachten erneut ansehen, was wohl zu großen Teilen dem Drehbuch von John Hughes ("Pretty In Pink") zu verdanken ist. Kürzlich wurde die Filmreihe mit verjüngtem Personal in die Gegenwart geholt – was allerdings nicht so richtig gut gelang. Chevy Chase war ungelenk und linkisch, er war der größte Clown der 80er, aber Uwe hatte damals bereits einen schlimmen Verdacht: "Privat soll der ein Arsch sein, hab' ich gehört."

Nach allem, was über den inzwischen 72 Jahre alten New Yorker bekannt ist, lag Uwe vielleicht gar nicht so falsch. Chase fing als Autor für das Magazin "Mad" an, dann gehörte er ein Jahr lang zum Ensemble der legendären Show "Saturday Night Live", gemeinsam mit Helden wie James Belushi und Dan Aykroyd. Er fiel unangenehm auf, so soll er zum Beispiel keine Sketche gespielt haben, die von Frauen geschrieben wurden. Er soll Kollegen runtergeputzt haben und überhaupt extrem arrogant aufgetreten sein. Es hat seinem Erfolg nicht geschadet: Zwei Mal moderierte er die Oscar-Gala, und er hatte es ja auch wirklich drauf – man sehe sich nur mal den kurzen Clip zum Lied "You Can Call Me Al" (1986) von Paul Simon an. Chevy Chase spielt mit, und er brauchte nur sein Gesicht, um einen zum Schmunzeln zu bringen: Er war ohne großen Aufwand lustig.

Probleme in den 90er Jahren

Chase hatte Alkohol- und Drogenprobleme, und in den 90ern begann das Publikum über andere Dinge zu lachen. Chevy Chase war nicht mehr zeitgemäß, Filme und TV-Shows floppten. Er machte nicht länger Witze, nun war er selbst Gegenstand des Spotts. 2012 gab es dann ein kleines Comeback in der Serie "Community", man erkennt ihn darin kaum wieder, so stark hat sich sein Äußeres verändert. Aber in der neuen Staffel wird er wohl nicht mehr dabei sein. Warum? In aktuellen Artikeln seriöser amerikanischer Zeitungen liest man auffallend oft das Wort "wahnsinnig", wenn es um ihn geht.

All das kann einem indes egal sein bei der Wiederbegegnung mit "Fletch". Wenn man einen Film in einer an Eindrücken so reichen Lebensphase wie den Jahren zwischen 12 und 19 zum ersten Mal zu sehen bekommt, konservieren die Bilder etwas vom früheren Ich. Bei der ersten Szene, in der man Chase am Strand sieht, sehe ich mich Tiefkühl-Pommes in den Gitterkorb der Friteuse von Uwes Vater werfen. Ich sehe die Ketchup-Reste auf den Tellern mit Landschaftsmotiv. Handlung und Erinnerung verschwimmen, es kommt zu Doppelbelichtungen. Wenn man einen solchen Film sieht, huschen die Bilder bloß über den Monitor, und man nimmt viel stärker die Schatten wahr, die dahinter liegen, die eigene Vergangenheit nämlich, in der man die Gegenwart noch dehnen konnte, weil die Zukunft ohnehin auf einen wartete. Jugend nennt man das.

"Fletch" ist wirklich kein guter Film. Aber ihn zu sehen, ist unheimlich schön.

(hol)
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