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Kino-Kritik: "Fluch der Karibik" - Nicht ohne meinen Kajal-Stift

zuletzt aktualisiert: 01.09.2003 - 10:28

Frankfurt/Main (rpo). Obwohl zur Abschreckung ein toter Pirat an einem Felsen vor der Bucht der karibischen Hafenstadt Port Royal hängt, kommen sie immer wieder: Piraten sind nicht totzukriegen, und das Piratengenre schon gar nicht, wie die Actionkomödie "Der Fluch der Karibik" aufwändig vorführt.

Diesmal funktioniert der in den letzten Jahren so oft gescheiterte Wiederbelebungsversuch sogar - nicht wegen des klotzigen Budgets von 125 Millionen Dollar, sondern wegen der klasse Darsteller, die mit der richtigen Portion Parodie, Humor und Slapstick im Märchenreich der Freibeuter und Störtebeker entern, fechten, lieben, saufen, und ungestraft über die Planke laufen.

Die Ausstatter haben die Mottenkisten von Filmkorsaren wie Douglas Fairbanks und Errol Flynn gründlich geplündert und verblüffende Effekte erzielt: Elizabeth, Tochter des Gouverneurs von Port Royal, ist so fest ins Korsett geschnürt, dass ihr die Sinne schwinden und sie sehr ungraziös ins Meer fällt; gespielt wird sie von der anmutig-wehrhaften Keira Knightley, zuletzt in "Kick it Like Beckham" zu sehen.

Der Typ, der sie rettet, ist Jack Sparrow, der schrägste arbeitslose Pirat, den man je auf der Leinwand sah: Johnny Depp, durch Dreadlocks, Goldzähne, Ketten, Tücher und Kajal-umrandete Augen nicht wieder zu erkennen, ist eine gewagte Mischung aus glutäugigem Halsabschneider, Drag-Queen und pathetischem, von sich selbst total überzeugten Gockel.

Dieser verschrobene Charakter stiehlt allen die Show - sogar Teenagerschwarm Orlando Bloom, einst mit blauen Linsen und weißblonder Perücke als "Herr der Ringe"-Elbenkönig Legolas hergerichtet. Hier ist der Schönling im Original mit dunkler Augen- und Haarfarbe zu bewundern: Als Grobschmied Will Turner muss er seine geliebte Jugendfreundin Elizabeth mit Hilfe des dubiosen Sparrow und eines gekaperten britischen Schiffes aus den schmierigen Klauen von Pirat Barbossa befreien.

Geoffrey Rush als zynischer Cäpt'n der legendenumwitterten "Black Pearl" ist der Vierte im Gespann der tonangebenden Protagonisten, die ein unheilvoller Fluch verbindet. Müßig ist es indes, die verschachtelte Handlung näher zu erläutern, die voll gestopft ist mit Galeeren voller zahnlückiger, holzbeiniger Statisten, Totenkopf-Flaggen und Kanonen, mit Schwertkämpfen, Goldschätzen und fiesen Meerkatzen. Mit dem Zustrom unorthodoxer Klabautermänner bläht sich das Ganze vollends zum postmodernen Kraut-und-Rüben-Spektakel auf.

Das Boot ist viel zu voll

Der sonst stilsichere Regisseur Gore Verbinski ("Mäusejagd", "Der Ring") hat per Computeranimation einen Haufen Untote in das Karibikparadies geschafft und lässt Horden von klappernden Skeletten die Segel hissen. Vielleicht aus Angst vor einem jungen Multiplex-Publikum, bei dem sich ohne gruselige Special Effects Langeweile breit machen könnte? Die Zombies ziehen jedenfalls die Handlung auf eine Länge von zweieinhalb Stunden und machen nicht nur alles teurer, sondern unübersichtlicher: Das Boot ist viel zu voll.

Das wahre Vergnügen liegt jedoch in beiläufigen Witzen, die wie Goldmünzen im stürmischen Meer tumultuöser Actionszenen aufglitzern: In erfreulich kurzen Abständen passieren zwischenmenschliche Gags, die amüsanter sind, als man zu erwarten hoffte. Was etwa Gore Verbinski in dieser ostentativ jugendfreien Disney-Komödie zu einer einsamen Insel, einer resoluten Schönen, einem lüsternen Operettenpirat und einer Buddel Rum einfällt, ist von einer so entwaffnenden Komik, das man ihm die doofen Zombies verzeiht.

Quelle: ap

 
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